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NRW-Landtagswahl
Armin Laschet – ein Mann aus Kaffee

Auf Wahlkampf-Tour mit Armin Laschet
Auf Wahlkampf-Tour mit Armin Laschet FOTO: Ihme
Am 14. Mai will Armin Laschet Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden. Im Wahlkampf fährt er mit einem riesigen Bus durch das Land. Ohne Rast, ohne Ruhe. Ein Tag im Leben des CDU-Politikers. Von Laura Ihme, Soest

Er kommt ein bisschen zu spät. Eigentlich sollte der Wahlkampfbus von Armin Laschet um Punkt 7 an der Parteizentrale in Düsseldorf losfahren. Jetzt ist es kurz nach, als der 56-Jährige in den Bus steigt, bis nach ganz hinten durcheilt, vorbei an uns, den gut 20 Journalisten, die ihn heute begleiten. Von zu Hause, aus Aachen, sei er gerade gekommen, sagt Laschet, die Haare noch ein wenig zerzaust, und lässt sich in der hintersten Reihe mit seinen Unterlagen in einen Sitz fallen. "Kaffee", sagt er. Los geht die Fahrt.

Kurz vor der NRW-Landtagswahl beginnen die Tage immer so früh für Armin Laschet. Podiumsdiskussionen mit anderen Politikern hier, Reden dort, Frühstück mit Bürgern, Mittag mit Journalisten, Abendessen mit Unternehmern, Händeschütteln, fürs Foto lächeln, weiter. Er will am 14. Mai für die CDU Ministerpräsident werden. Umfragen sehen seine Partei mal mehr, mal weniger hinter Hannelore Kraft und ihrer SPD, aber niemals vor ihr. Bedeutet: Armin Laschet muss um jede Stimme kämpfen.

Er fährt dorthin, wo er die Mehrheit hat

Heute tut er das in Westfalen: Über Soest, Bad Sassendorf und Bad Lippspringe wird es nach Beverungen im Kreis Höxter gehen. Dort wird er zusammen mit Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel auftreten. All diese Stationen im ländlichen Raum, zu denen Laschet die Journalisten heute mitnimmt, sind für ihn keine Herausforderung.

In große Fettnäpfchen wird er wohl nicht pressewirksam treten: Es ist höchstwahrscheinlich, dass die Union in den Orten, die auf der Liste stehen, die Mehrheit der Stimmen holt. Warum nicht mehr Bustouren ins rote Ruhrgebiet? "Das macht keinen Sinn. Im ländlichen Raum gibt es unglaublich viele Stimmen zu holen", sagt Laschet. Da will er lieber jene Wähler mobilisieren, bei denen er eine gute Chance hat. Einen überzeugten Essener SPD-Wähler zur CDU bekehren, ist den Aufwand nicht wert.

Laschet plaudert im Bus über dies und das. Die Fragen der Journalisten – nach Koalitionen, nach Ministerposten, nach einem Scheitern überraschen ihn nicht. Ruhig gibt er Antworten. Antworten, die niemandem wirklich wehtun. Das habe ich immer wieder über Armin Laschet gelesen: Dass er der Ruhige ist, der Farblose, dass er zu wenig Profil hat, um gegen Landesmutter Hannelore Kraft zu bestehen. Tatsächlich ist er nicht wie Christian Lindner, der den Raum betritt und alle gleich für sich einnimmt. Präsent ist aber auch Armin Laschet. Aber nicht auf eine aufregende, Polit-Popstar-Weise. Sondern auf eine Weise, die einem das Gefühl gibt, der Mann wisse schon, wovon er redet. Irgendwie ein beruhigender Typ.

Wie aus dem Nichts zieht Laschet plötzlich während der Fahrt ein Ladekabel aus seinem Anzug, steckt sein Handy daran, schaut kurz auf sein anderes Handy und spricht weiter. Zwei Stunden lang. Dann kommt der riesenhafte Laschet-Bus im kleinen Soest an. Der Politiker und sein Tross steigen aus. Applaus von der Jungen Union, von der stellvertretenden Bürgermeisterin, vom örtlichen CDU-Landtagskandidaten. Es geht über den Markt, der den Namen Markt strenggenommen nicht verdient, weil er aus nicht mehr als sieben Ständen besteht.

Laschet muss ein Glühweinbonbon probieren. Und mit einer Blumenverkäuferin über das Thema Dieselverbot sprechen. Macht er, ganz ruhig – obwohl man ihm anmerkt, dass er lieber weiterziehen möchte. Beim anschließenden Bürgerfrühstück kommt er erstmals in Fahrt. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand spricht er über die Stärkung des ländlichen Raums, der durch die Regulierungswut der Landesregierung geschwächt werde, obwohl gerade Westfalen doch so viel zur Wirtschaft des Landes beitrage. Er spricht über Inklusion und warum diese unter Rot-Grün nicht funktioniert. Er spricht über G8 und G9.

Herr Schneider wird ihn wählen

Und natürlich über sein Lieblingsthema: die innere Sicherheit. "Wenn ich an einem Wahlstand in der Fußgängerzone bin, vergehen keine 60 Sekunden und der erste Bürger spricht mich auf die Sicherheitssituation im Land an", sagt Laschet. Schleierfahndung, No-Go-Areas, Silvester – nacheinander fallen alle diese Reizworte. Wo allerdings in Soest eine No-Go-Area entstehen kann, ist offen. Egal, die Stimmung beim Bürgerfrühstück ist gut. "Nach seiner Wahl werde ich Herrn Laschet dann an sein Versprechen erinnern", sagt Heinrich Schneider. Er ist Landwirt, Laschet hat gerade die Einrichtung eines Landwirtschaftsministeriums versprochen.

Herr Schneider wird ihn wählen. So wie wohl die meisten Teilnehmer des Frühstücks. Es wurde von der CDU ausgerichtet, und an einem Donnerstagmorgen um 9.30 Uhr nehmen vor allem Menschen ab 60 daran teil, die nicht die größten Unionskritiker zu sein scheinen. "Es sind auch Parteimitglieder dabei, aber wir haben das Frühstück ganz normal in der Zeitung beworben", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Mackensen (CDU).

Fotos: Armin Laschet – Ministerpräsident von NRW FOTO: dpa, rwe fdt

Der Wahlkampfbus muss weiter. Schnell noch steht Armin Laschet Modell für ein Selfie mit der Jungen Union, raucht auf dem Weg zurück noch einen Zigarillo. Die nächste Fahrt wird kurz, für einen Kaffee reicht es trotzdem. In Bad Sassendorf macht der Bus das nächste Mal Halt. In dem Kurort, der für seine Therme bekannt ist und dafür, dass sich viele Menschen in ihrer Rente dort niederlassen, besucht die Delegation ein Mehrgenerationenhaus. Händeschütteln, Reden – Routine für Laschet.

Laschet pflanzt einen Baum

Erstmals an diesem Tag wird es heikel für den Politiker: In dem Haus besuchen Flüchtlinge Sprachkurse, vor allem jene, deren Aufenthaltsstatus ungeklärt ist. "Ich möchte fragen, ob ich bleiben kann", sagt Safiullah Meherzad. "Woher kommen Sie denn?", fragt Laschet. "Afghanistan." Laschet nickt. Er versteht. Natürlich versteht er. Er, CDU-Politiker und einst der erste Integrationsminister Deutschlands, weiß: Afghanistan gilt als sicheres Herkunftsland, das wird am Abend auch noch einmal Angela Merkel in Beverungen sagen. Das wird schwierig", sagt der Politiker. Der Flüchtling nickt. Dann machen sie ein Foto zusammen. Laschet unterhält sich bei einer weiteren Tasse Kaffee noch mit ein paar Senioren, dann geht es wieder weiter.

13 Uhr: Mittagessen mit der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Bad Lippspringe. Im Bus zieht sich Armin Laschet noch schnell eine Krawatte an. Er isst, trinkt, redet: Man muss den ländlichen Raum stärken und nach 60 Sekunden wird man auf jedem Marktplatz auf die innere Sicherheit angesprochen. Applaus. Laschet pflanzt einen Baum.

In Bad Lippspringe findet nämlich die Landesgartenschau statt, und auch Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann haben hier schon einen Baum gepflanzt, und natürlich pflanzt dann auch Armin Laschet einen Baum, was bedeutet, dass er Erde auf einen bereits gepflanzten Baum schaufelt, eine Esskastanie. Geduldig hört er bei der Führung durch die Schau zu. Er lacht: "Haben Sie so etwas schon einmal gehört: Es gibt jetzt Outdoor Cooking. Da hat man seine Küche unter dem freien Himmel", sagt er, spitzt den Mund dabei, ein fröhliches Blitzen in den Augen, während er in besagter Outdoor-Küche steht.

Jetzt geht es aber wieder schnell in den Bus, um 17 Uhr muss dieser spätestens in Beverungen im Kreis Höxter sein, der Zeitplan mit der Kanzlerin ist eng getaktet. "Herr Laschet, die wievielte Tasse Kaffee ist das jetzt?", frage ich. Laschet schaut auf die Tasse in seiner Hand. Schweigen. "Ja, ich trinke ziemlich viel Kaffee", sagt er zögerlich. Das sei aber nicht besorgniserregend, er könne trotzdem noch hervorragend schlafen. Nur würde er eben nicht viel schlafen im Moment. Letzte Nacht waren es vier Stunden: Wenn er um 23 Uhr von der Wahlkampftour wieder in Düsseldorf ankommt, fährt er nach Aachen, schaut dann noch etwas fern, um runterzukommen.

Das steht im Wahlprogramm der CDU FOTO: RPO

"Meine Frau fragt mich immer: Wie schaffst Du das eigentlich?", sagt der Politiker, dem ich in diesem Moment zum ersten und einzigen Mal an diesem Tag ein wenig näher komme. Also weiter: Hat er manchmal auch einfach keinen Bock mehr hier so auf das Ganze? Stille. "Heute Morgen zum Beispiel. Nach den vier Stunden Schlaf aufzustehen. Da hatte ich keinen Bock", sagt Laschet. Aber nur einen Moment lang. Sonst würde er das gerne machen, dieses ganze Busfahren, Händeschütteln. "Man lernt doch jeden Tag neue Menschen, neue Orte kennen", sagt er. Outdoor Cooking – das habe er bis heute noch nie gehört. Faszinierend.

Stolz an der Seite der Kanzlerin

In Beverungen trennen sich die Wege der Journalisten und von Armin Laschet. Er wartet in einem separaten Raum auf die Kanzlerin. Als die kommt, stolziert er mit ihr in die volle Stadthalle. Es läuft Andreas Bouranis WM-Hit "Auf uns", die Menschen applaudieren, Merkel läuft vorneweg, Laschet hinterher. Die Kanzlerin hält eine emotionale Rede, lobt Laschet, sagt, er sei die beste Wahl für NRW. Das macht ihn stolz, das ist ihm anzumerken, als er nach ihr auf die Bühne tritt und wieder redet. Und zwar über Westfalen, den ländlichen Raum, die innere Sicherheit, und darüber, dass die Bürger ihn immer wieder darauf ansprechen. Nach weniger als einer Stunde ist der Zauber vorbei.

Merkel und Laschet fliegen mit dem Helikopter zum nächsten, dem letzten Termin an diesem Tag für den CDU-Spitzenkandidaten. Anschließend hat er Feierabend. Bis morgen. Danach wird Laschet weitermachen. Weiter, immer weiter.

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