| 13.55 Uhr

Von Kita-Beitragsfreiheit bis Turbo-Abi
Das sagen die Parteien zum Thema Kinder und Schule

Wahl in NRW 2017: Das sagen die Parteien zum Thema Kinder und Schule
Eine Kita-Gruppe geht bei Regen über eine Straße (Archivfoto). FOTO: dpa, jst soe lof
Düsseldorf. Wie steht es um die Inklusion in NRW? Sollen Lehrer noch Beamte sein? Und wie gravierend ist der Unterrichtsausfall im Land? Diese und andere Fragen haben wir den NRW-Parteien* vor der Landtagswahl gestellt. Hier die Antworten zum Thema Kinder und Schule. Von Detlev Hüwel

Was halten Sie von einer generellen Beitragsfreiheit für Kitas?

  • SPD: Wir werden die Kernzeiten in der Kita (30 Stunden) zukünftig komplett von Gebühren freistellen und die Gebühren für weitere Betreuungszeiten vereinheitlichen.
  • CDU: Wir teilen das Ziel der Beitragsfreiheit. Aus Landesmitteln ist das erst mittelfristig realisierbar, kurzfristig nur mit Bundesmitteln. Qualität hat Priorität, das heißt kleinere Gruppen, bessere Bezahlung der Erzieher sowie flexiblere Öffnungszeiten.
  • Grüne: Für Familien mit geringem Einkommen ist die Kita schon kostenfrei. Wir wollen in bessere Betreuung investieren: kleine Gruppen, individuelle Förderung, mehr und besser bezahlte Erzieherinnen, offene Kitas zu Randzeiten.
  • FDP: Beitragsfreie Kitas sind wünschenswert und unser Ziel. Priorität muss aber der Ausbau von Qualität haben: Wir brauchen kleinere Gruppen, mehr Erzieherinnen und flexiblere Öffnungszeiten.
  • Linke: Die Linke tritt für ein gebührenfreies Bildungssystem ein. Die Abschaffung der Kita-Beiträge ist also längst überfällig. Gleichzeitig müssen Kitas, Schule und Hochschulen besser ausgestattet werden.
  • AfD: Eine Beitragsfreiheit wäre nicht finanzierbar und das falsche Signal. Zur Sicherung der Wahlfreiheit sollten stattdessen Eltern einen Lastenausgleich erhalten, die sich dazu entschließen, ihre Kleinkinder zu Hause zu betreuen.
Eine Englisch-Lehrerin einer Grundschule beschriftet die Tafel (Archivfoto). FOTO: dpa, ppl jbu fux

Sollen Lehrer überhaupt noch Beamte sein?

  • SPD: Lehrer können Beamte sein – dies ist aber kein Muss. Nicht der Status ist entscheidend. Für uns gilt der Grundsatz: gleiche Ausbildung, gleiche Eingangsbedingungen bei der Besoldung, gleiche Arbeitsbedingungen in der Schule.
  • CDU: Lehrkräfte sollten vor allem wertgeschätzt und angemessen bezahlt werden. Wir wollen mittelfristig die gleiche Bezahlung aller Lehrerinnen und Lehrer, ob verbeamtet oder angestellt.
  • Grüne: Wir planen keine Änderung am Beamtenstatus von Lehrern. Zwischen verbeamteten und angestellten Lehrkräften bestehen Ungerechtigkeiten, etwa bei der Bezahlung, die wir tarifvertraglich abschmelzen wollen.
  • FDP: Wir wollen mehr Autonomie für die Schulen vor Ort. Bei tausenden unbesetzten Lehrerstellen unter Rot-Grün ist die Möglichkeit der Verbeamtung gerade gegenwärtig auch ein Mittel, um Stellen zu besetzen und damit Lehrkräfte nicht in andere Bundesländer abwandern.
  • Linke: Darauf kommt es nicht an. Beamtinnen sollen wie alle Angestellten Beiträge zu einer solidarischen Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Und angestellte und verbeamtete Lehrer*innen sollen (gleich) gut bezahlt werden.
  • AfD: Grundsätzlich ja, sofern sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Es ist nicht hinnehmbar, dass unsere Lehrkräfte ständig um ihren Job fürchten müssen.
Eine Schülerin streicht auf einer Tafel das Wort G8 durch, daneben steht "G9" (Symbolfoto). FOTO: dpa/Armin Weigel

Wie stehen Sie zum Turbo-Abitur (G8)?

  • SPD: Wir werden die Sekundarstufe I an Gymnasien wieder auf sechs Jahre verlängern. Danach entscheiden Schüler eigenständig, ob sie durch Belegung von Zusatzkursen in der Klasse 10 das Abitur nach 12 oder 13 Jahren machen.
  • CDU: Wir wollen die Wahlfreiheit für Schulen: Wo G8 gut läuft, sollen Gymnasien bei G8 bleiben können. Schulen, die sich anders entscheiden, geben wir die Möglichkeit, zu einem echten G9 zurückzukehren.
  • Grüne: Statt einer starren Lernzeit für alle wollen wir die individuelle Lernzeit ermöglichen. Es ist nicht wichtig, ob Kinder 12, 13 oder 14 Jahre zur Schule gehen. Wichtig ist dass sie den besten Abschluss schaffen, den sie individuell erreichen können.
  • FDP: Die FDP will den Gymnasien vor Ort die Wahlmöglichkeiten eröffnen, so dass sie neben dem Beibehalten von G8 auch zu G9 zurückkehren oder – unter gewissen Voraussetzungen – parallel G8 und G9 anbieten können.
  • Linke: Das Turbo-Abi lehnen wir ganz klar ab. Wir fordern einen einheitlichen Schulabschluss an allen Schulen nach der 10. Klasse. Die Oberstufe soll in der Regel drei Jahre dauern.
  • AfD: G8 dient ausschließlich der schnelleren "Verwertbarkeit" von Abiturienten. Erfordernisse der Persönlichkeitsentwicklung, des Lerntempos und des Ausgleichs von Lern- und Ruhephasen wurden sträflich ignoriert. G8 kann nur für Einzelfälle gelten.
Ein Junge in einem Rollstuhl nimmt am Unterricht teil (Archivfoto). FOTO: dpa

Wie beurteilen Sie den Stand der schulischen Inklusion?

  • SPD: Für uns bleibt der Elternwille entscheidend. Inklusion muss Schritt für Schritt weitergehen. Hinweisen, wo was noch nicht optimal läuft, werden wir nachgehen.
  • CDU: Die Inklusion wurde mit der Brechstange eingeführt, es fehlt an Personal, Geld und Fortbildungen. Wir werden keine Förderschulen mehr schließen, bis die pädagogischen und baulichen Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion an Regelschulen gesichert sind.
  • Grüne: Wir haben mehr als 4000 Stellen für Lehrer und Sonderpädagogen geschaffen und seit 2010 über eine Milliarde Euro in die schulische Inklusion investiert. Gleichwohl wissen wir, dass Inklusion eine Generationenaufgabe ist.
  • FDP: Wir unterstützen die Inklusion, fordern jedoch eine qualitativ hochwertige Umsetzung, die unter Rot-Grün nicht erfolgt. Es geht um die Autonomie von Menschen mit Behinderung, dazu zählen Wahlmöglichkeiten und kein Zwang.
  • Linke: Wir befürworten grundsätzlich die Inklusion, aber die praktische Umsetzung in NRW läuft schlecht. Es mangelt an Räumen, sachlicher Ausstattung der Schulen und an Personal.
  • AfD: Eine Gruppe wird über-, die andere unterfordert: klassische lose-lose-Situation und Ergebnis von Ideologie statt Realitätssinn. Kinder mit Förderbedarf zu fördern ist das Gegenteil von Diskriminierung.
An einer Tafel wird auf den Ausfall von Unterrichtsstunden hingewiesen (Symbolfoto). FOTO: dpa, cas jhe fux

Für wie gravierend halten Sie den Unterrichtsausfall in NRW?

  • SPD: Unterrichtsausfall muss möglichst vermieden werden. Deshalb werden wir die Schüler-Lehrer-Relation an allen Schulen weiter verbessern und den Einsatz von Vertretungskräften erleichtern.
  • CDU: Der ständige und massenhafte Unterrichtsausfall ist ein Rückschlag für die Bildungs- und Aufstiegschancen unserer Kinder. Wir werden Unterrichtsausfall digital in Echtzeit und schulscharf messen und durch die Einstellung von mehr Lehrern bekämpfen.
  • Grüne: Jede ausgefallene Stunde ärgert uns. Wir wollen den Stellenausbau an Schulen sichern und fortsetzen, damit weniger Unterricht ausfällt. Verglichen mit 2010 verfügen die Schulen über mehr als 18.000 zusätzliche Stellen.
  • FDP: Unterrichtsausfall vermindert Bildungschancen der Kinder. Niemand glaubt Rot-Grün den Ausfall von nur 1,8 %. Die FDP will die schulscharfe Erfassung und eine Unterrichtsgarantie durch Vertretungsreserven an den Schulen.
  • Linke: Der Unterrichtsausfall in NRW ist erheblich. Um etwas daran zu ändern, bräuchten die Schulen eine sogenannte Vertretungsreserve, d. h. es müssen mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden.
  • AfD: Für in höchstem Maße besorgniserregend und weiteres Indiz für die Nichtwahrnehmung des Bildungsauftrages, der angesichts der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt dringender ist denn je.

*An dieser Stelle berücksichtigen wir nur Parteien, die realistische Chancen auf den Einzug in den nächsten Landtag haben.

Hier finden Sie unsere Interaktiv-Seite zu Inklusion in NRW, unser Inklusion-Spezial sowie weitere News zur Wahl in NRW.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wahl in NRW 2017: Das sagen die Parteien zum Thema Kinder und Schule


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.