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Drei-Stufen-Lösung wird geprüft
So will NRW die WestLB-Kunst retten

WestLB: So will NRW die Kunst retten
Die Skulptur "Stein Denkmal" (1961/1969) von Henry Moore (1898 - 1986) steht im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster (Nordrhein-Westfalen). FOTO: dpa, ve htf hpl
Düsseldorf. Kultur- und Finanzministerium prüfen eine Drei-Stufen-Lösung. Bei der Rettung der Sammlung soll zur Not auch Geld aus der Warhol-Versteigerung helfen. Die Zeit drängt. Der Stradivari-Leihvertrag mit Star-Geiger Zimmermann läuft aus. Von Thomas Reisener

Die NRW-Ministerien für Finanzen und Kultur beraten auf Arbeitsebene über einen Plan zur Rettung der WestLB-Kunstsammlung. Wie unsere Redaktion aus Kreisen des NRW-Kulturministeriums erfuhr, wird derzeit eine Drei-Stufen-Lösung geprüft mit dem Ziel, die wichtigsten Teile der Sammlung im Land zu halten.

Neben privaten Sponsoren kalkuliert der Plan auch Teile aus dem Verkaufserlös ein, den die landeseigene Westspiel-Gruppe im November bei der Versteigerung von zwei Warhol-Werken erzielt hat. Damals flossen umgerechnet rund 120 Millionen Euro.

Die Sammlung der ehemaligen Landesbank umfasst gut 400 Kunstwerke und wertvolle Instrumente. Die WestLB-Nachfolgerin Portigon wird abgewickelt und will die Sammlung meistbietend verkaufen. Da das Land NRW alleinige Portigon-Eigentümerin ist, steht die rot-grüne Landesregierung bundesweit unter Druck. Die Kunstszene sieht im Verkauf der WestLB-Sammlung einen Präzendenzfall für den Umgang mit staatseigener Kunst.

Ein von der Landesregierung einberufener "Runder Tisch" will erst zur Sommerpause Vorschläge machen. Aber so viel Zeit hat die Landesregierung nicht. Denn zu der Sammlung gehört die millionenschwere Stradivari "Lady Inchiquin", die seit 2002 von Frank Peter Zimmermann gespielt wird. Der Leihvertrag zwischen Portigon und Zimmermann läuft in dieser Woche aus. Bei einem Verkauf der Sammlung könnte Zimmermann das Instrument verlieren.

Prüfverfahren für über 70 Werke vorgesehen

Der Drei-Stufen-Plan, den auch der ehemalige NRW-Innenminister und heutige Chef der NRW-Kunststiftung, Fritz Behrens, für "machbar" hält, sieht so aus: Im ersten Schritt soll der Marktwert der Sammlung künstlich kleingerechnet werden. Mit zwei Kunstgriffen: Zunächst soll NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) große Teile der Sammlung auf die "Liste national wertvollen Kulturgutes" setzen. Was auf dieser Liste steht, darf nicht ins Ausland und verliert für Investoren an Wert.

Nach Auskunft des Ministeriums ist für über 70 Werke der Sammlung bereits ein entsprechendes Prüfverfahren vorgesehen. Alsdann soll der Marktwert der Sammlung mit ihrem Versicherungswert gleichgesetzt werden. Letzterer beträgt laut Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) rund 28 Millionen Euro. Zwar würde die Versteigerung einzelner Werke wohl deutlich mehr Geld einbringen. Juristisch ist der Buchhaltungs-Trick "Marktwert gleich Versicherungswert" allerdings wohl legal.

Im zweiten Schritt sollen private Sponsoren gefunden werden, die Teile der Sammlung übernehmen und sie trotzdem öffentlich zugänglich im Land lassen. Der Essener Chemiekonzern Evonik dementierte Gerüchte, er wolle zugunsten von Zimmermann die Stradivari übernehmen. Trotzdem gilt Evonik als möglicher Sponsor.

Geld geben will wohl auch die Essener National-Bank. Deren Chef Thomas Lange ist außerdem als diskreter Spendensammler unterwegs. Lange sagte auf Anfrage, er wolle das Thema "mit Rücksicht auf laufende Gespräche unter Beteiligung der Landesregierung" derzeit nicht kommentieren. Als möglicher Sponsor wird auch die Henkel-Stiftung genannt.

Im Landtag hat das Modell gute Chancen

Der dritte Schritt soll die Lücke schließen, wenn zu wenig privates Geld zusammenkommt. In diesem Fall soll die Differenz über eine noch unklare Rechtskonstruktion aus dem 120 Millionen Euro schweren Verkaufserlös der Warhol-Bilder beglichen werden. "So käme der Warhol-Verkauf der Kunst am Ende doch wieder zugute", meint der eigentliche Urheber dieser dritten Planstufe, der Grünen-Kulturpolitiker Oliver Keymis.

Finanz- und Kulturministerium wollten den Dreistufen-Plan weder bestätigen noch dementieren. Walter-Borjans sagte, in Arbeit sei "eine Lösung, wichtige Werke im Land zu halten, möglichst ohne den Landeshaushalt und damit den Steuerzahler zu belasten". Im Landtag hat das Modell gute Chancen. CDU-Kulturchef Thomas Sternberg nannte es "eine Möglichkeit", und auch FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel findet es "mit Einschränkungen okay".

Quelle: RP
 
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