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Das Kabinett von Armin Laschet
Zwölf Freunde sollen sie sein

Düsseldorf. Ein Dutzend Minister und ein Chef der Staatskanzlei – mit diesem Personal will Armin Laschet (CDU) das Land "freier und sicherer, fairer und moderner" machen. Wie ticken die neuen Minister? Von Thomas Reisener und Kirsten Bialdiga

Politische Wahl für Schlüsselposten 
Herbert Reul (64), CDU, Inneres

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14 Jahre lang war Herbert Reul Generalsekretär der NRW-CDU, 19 Jahre lang saß der Leichlinger im Landtag. Aber seit er 2004 ins Europaparlament gewählt wurde und dort zu einem der einflussreichsten deutschen Politiker aufrückte, hätte wohl kaum jemand darauf gewettet, dass Reul noch einmal auf einen Spitzenposten der Landespolitik zurückkehrt. Auch inhaltlich ist die Berufung zum Innenminister eine echte Überraschung: Reul ist zwar ein profilierter Industrie- und Energiepolitiker und hat sich gerade in der Euro-Krise auch immer wieder vernehmlich zu Währungsfragen geäußert – als ausgewiesener Experte für innere Sicherheit ist er dagegen bisher nicht aufgefallen. So ist der in NRW exzellent vernetzte Reul wohl vor allem für die politische Durchsetzung verantwortlich, während der bisherige Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sich als sein Staatssekretär speziell um den Sicherheitsapparat kümmert.

Vom Verkehr zu den Finanzen: 
Lutz Lienenkämper (48), CDU, Finanzen

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Der Jurist zählt zu den Ministern, die in NRW bereits Regierungserfahrung haben, wenn auch nur kurze. Von 2009 bis 2010 war er Verkehrsminister im Kabinett Jürgen Rüttgers, nachdem Vorgänger Oliver Wittke wegen zu schnellen Fahrens zurückgetreten war. Zuletzt organisierte der Meerbuscher als Parlamentarischer Geschäftsführer die Arbeit der CDU im Landtag. Bei der Landtagswahl 2012 hatte er als einziger CDU-Kandidat seinen Neusser Wahlkreis direkt erobert. Lienenkämper ist seit 1988 CDU-Mitglied und seit 2005 Landtagsabgeordneter. Immerhin sammelte er als Mitglied des Haushaltsausschusses in dieser Zeit ein bisschen Erfahrung in Finanzfragen. Dass er ein Ministeramt bekommen würde, wurde früh spekuliert. Allerdings nicht zum ersten Mal. 2012 hatte der damalige CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen ihn auserkoren: als Umwelt-, Bau- und Verkehrsminister. Doch die Wahl ging verloren.

Unternehmerin auf dem Pulverfass:
Yvonne Gebauer (50), FDP, Schule

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Das Ministerium bleibt unter Führung einer Frau, wie stets seit 1995. Ansonsten heißt es: alles neu. Erstmals seit 1958 übernimmt wieder die FDP, und der Lehrerin Sylvia Löhrmann folgt die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte Yvonne Gebauer, eine Kölnerin. Sie hat dort ein Boardinghaus, also ein Langzeithotel, geführt und ist seit 2007 Geschäftsführerin eines Immobilienunternehmens. Schulpolitik betraf sie zunächst vor allem als Mutter – Gebauer ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. 2004 bis 2012 saß sie im Kölner Rat. Erst seit 2012 ist sie Landtagsabgeordnete, hat aber seither mit Nachdruck und Gespür für öffentliche Wirksamkeit Schulpolitik gemacht. Gebauer war häufig Gesicht und Stimme der Opposition, auch weil sie sich vor Zuspitzungen nicht scheute. Sie übernimmt nun eins der heikelsten Ressorts der Landesregierung. G 8, Inklusion, Unterrichtsausfall – in der Schulpolitik ist das Empörungspotenzial riesig.

Passionierter Jäger und Ex-Lobbyist: Hendrik Wüst (41), CDU, Verkehr

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Direkt nach der Fraktionssitzung eilte der ledige Westfale gestern zum Notar. Um sein neues Amt als Verkehrsminister antreten zu können, muss er seine hauptamtliche Funktion als Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes NRW niederlegen, die er seit 2010 bekleidet. Während Wüst im Landtag mit einer gewissen Lust zur rhetorischen Provokation bei wirtschaftspolitischen Themen auftrat, musste er als Zeitungslobbyist diplomatisch Interessen ausgleichen. Von 2000 bis 2006 war er Landeschef der Jungen Union, 2006 holte er im Wahlkreis Borken ein Direktmandat für den Landtag und stieg zum Generalsekretär der NRW-CDU auf. 2010 übernahm er die politische Verantwortung für eine Affäre um bezahlte Sponsoren-Gespräche mit dem damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers ("Rent a Rüttgers") und trat zurück. Wüst ist mit dem neuen Finanzminister Lutz Lienenkämper befreundet und leidenschaftlicher Jäger. 

Karl-Josef Laumann (59), CDU, Arbeit, Gesundheit und Soziales

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Der gelernte Maschinenschlosser war der erste Spitzenbeamte, der es in Deutschland ohne akademischen Abschluss zum verbeamteten Staatssekretär im Bund brachte. Als Bundesvorsitzender des Arbeitnehmerflügels CDA haftet ihm das Etikett an, das "soziale Gewissen" der CDU zu sein. Von 2005 bis 2010 war der Münsterländer schon einmal Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Ina Scharrenbach (40), CDU, Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung

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Mit der Zuständigkeit für die Kommunen übernimmt die ehemalige Sparkassenangestellte und spätere Betriebswirtin aus Unna die Hälfte des bisherigen Innenministeriums. Obwohl sie bei der Wahl ihr Landtagsmandat verlor, berief Laschet sie in die Verhandlungskommission des Koalitionsvertrages. Damit war klar, dass Scharrenbach für höhere Aufgaben vorgesehen war. Ihren Ruf als akribische Aktenleserin erarbeitete sie sich als Obfrau in Parlamentarischen Unterschuchungsausschüssen.

Isabel Pfeiffer-Poensgen (63), parteilos, Kultur und Wissenschaft

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Die Berufung der Aachenerin, die seit 2004 Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder ist, ist ein Glücksfall für die Kultur. Und eine Überraschung. Zumal Laschet nicht nur den Minister neu installiert hat, sondern den mageren Etat (200 Millionen Euro) um 50 Prozent erhöhen will. Pfeiffer-Poensgen stammt aus einer Politikerfamilie und ist ein Kulturmensch: Ob die kinderlose verheiratete Juristin einen Kunstverein besucht oder die Festspiele in Salzburg, ihr Interesse ist echt. Als Aachens Kulturdezernentin war sie eine Macherin. Sie ist gut vernetzt. Ruppige Töne sind ihr fremd, aber sie ist durchsetzungsstark. Zu ihrem Doppelressort gehört auch die Wissenschaft, auf diesem Themenfeld hatte sie bislang wenig Erfahrung

Christina Schulze Föcking (40), CDU, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz

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Die Mutter von zwei Kindern führt mit ihrem Mann einen Bauernhof und lebt in einem Drei-Generationen-Haus. Mit ihr punktet Laschet bei den Landwirten. Diese traditionelle Kernwählerschaft hat die Ablösung von Schulze Föckings Vorgänger Johannes Remmel (Grüne) sehnsüchtig erwartet. Gesundheitsminister Laumann gilt als Schulze Föckings Mentor.

Joachim Stamp (47), FDP, Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration

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Der promovierte Politikwissenschaftler ist als stellvertretender Ministerpräsident die Nummer zwei der Regierung. Der verheiratete Vater zweier Töchter (6 und 9) kennt die Themen seines Ressorts auch aus dem eigenen Alltag. Die Koalitionsverhandlungen bestimmte Stamp, der auch dem FDP-Bundesvorstand angehört, entscheidend mit. Serap Güler, bisher integrationspolitische Sprecherin der CDU, wird ihm als Staatssekretärin zur Seite gestellt.

Peter Biesenbach (69), CDU, Justiz

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Für das Urgestein der oberbergischen CDU ist die Berufung ins Ministeramt die späte Anerkennung für seinen fast lebenslangen Einsatz für die CDU. Er ist verheiratet, und ist seit 51 Jahren in der CDU. Zuletzt stemmte er als Vorsitzender von zwei Untersuchungsausschüssen ein enormes Pensum und bewies dabei große Rechtssicherheit und viel Geschick im Umgang mit heiklen Zeugen. Vor wenigen Tagen urlaubte er noch in der Adenauer-Villa am Comer See.

Andreas Pinkwart (56), FDP, Wirtschaft, Energie, Digitales und Innovation

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Der Wirtschaftswissenschaftler ist ein Pendler zwischen den Welten: Von 2005 bis 2010 war er Wissenschaftsminister und Vize-Ministerpräsident. In jener Zeit hatte er die Studiengebühren eingeführt, die von der Regierung Kraft wieder abgeschafft wurden. Doch zuletzt hatte er der Politik den Rücken gekehrt und steht seit 2011 als Rektor der privaten Handelshochschule HHL Leipzig Graduate School of Management vor. Dort ist der Vater zweier Kinder aus Alfter bei Bonn Inhaber des Lehrstuhls für Innovationsmanagement und Entrepreneurship.    

Und das ist Laschets engster Zirkel

Stephan Holthoff-Pförtner (68)

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Der Miteigentümer der Funke-Mediengruppe (unter anderem "Westdeutsche Allgemeine Zeitung") und Rechtsanwalt des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl, Stephan Holthoff-Pförtner, wird Minister für Medien, Bundes- und Europaangelegenheiten. Seine Tätigkeiten als Chef des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ und seine operativen Geschäfte bei der Funke-Gruppe gibt er ab. Sein politischer Einfluss war auch vor der Berufung schon enorm, privat ist er vermögend. Dass er sich trotz seines Alters noch auf ein NRW-Ministerium einlässt, ist nicht ohne sein besonders enges Verhältnis zu Laschet erklärbar. Holthoff-Pförtner dürfte in der Staatskanzlei auch der Botschafter des Ruhrgebiets werden. In Essen ließ er sich nach seinem Jurastudium in Freiburg als Rechtsanwalt nieder. Seine Kanzlei beschäftigt inzwischen 16 Rechtsanwälte. Er ist ein Freund von Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla und verheiratet mit seinem Anwaltskollegen Klaus Sälzer.

Nathanael Liminski (31)

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Der bisherige Geschäftsführer der CDU-Fraktion gehört zum betont konservativen Flügel der NRW-CDU. Er wird Chef der Staatskanzlei. Der Historiker und Familienvater wuchs mit neun Geschwistern auf. Bevor er nach NRW kam, arbeitete Liminski schon als Redenschreiber für den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und in anderen Funktionen für die Unions-Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Thomas de Maizière.

Bodo Löttgen (58)

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Der bisherige CDU-Generalsekretär und frühere aktive Kriminalhauptkommissar wird Laschet als neuer CDU-Fraktionschef den Rücken im Landtag freihalten. Sein Meisterstück war der CDU-Landesparteitag Anfang April in Münster: Zu Laschets Wahlprogramm lagen etliche Gegenanträge vor, die Löttgen zum größten Teil schon im Vorfeld abräumte.

 
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