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Herne
Letzte Zuflucht Frauenhaus

Herne. Etwa 10.000 Frauen flüchten jedes Jahr ins Frauenhaus. Viele von ihnen sind Migrantinnen. Von Lara Schwarzkamp

Für ihn verlässt Azada (Name geändert) ihre Familie. Für ihn geht sie 2009 aus einem islamischen Land nach Deutschland. Dort soll alles besser werden. Ein Job, vielleicht ein Studium. Eine gemeinsame Zukunft. Doch dann verändert sich ihr Mann. Erst sind es Beleidigungen, dann Schläge. Immer wieder verzeiht Azada ihm, kehrt zu ihm zurück. Als sie schwanger wird, erträgt sie die Schläge nicht mehr nur für sich, auch für ihre Tochter. "Dann hat er mich so heftig geschlagen, dass ich dachte, ich sterbe", erzählt sie. Dann ging sie ins Frauenhaus.

Azadas Schicksal haben viele erlebt, die Hilfe im Frauenhaus suchen. Der morgige "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" ist ein Aktionstag, der auf solche Probleme aufmerksam machen will. Laut dem ersten Bundesbericht (2012) kommen jedes Jahr 15.000 Frauen mit 17.000 Kindern in Frauenhäuser. In rund der Hälfte aller Fälle betrifft es Frauen mit Migrationshintergrund.

Doch ihre Erfahrungen seien fast immer gleich, weiß Beate Kaupe, Geschäftsführerin des Frauenhauses Herne. "Die Frauen kommen meist zu uns, wenn schon ganz viel versucht worden ist", sagt sie. Viele gingen zurück zu ihren Männern, aber jedes Mal seien die Misshandlungen heftiger geworden. "Das ist eine Spirale der Gewalt."

Für Migrantinnen ist es umso schwerer, diesem Teufelskreis zu entkommen. Sie kennen oft weder die Sprache noch das Recht. "Es ist ein zusätzlicher Druck, dass sie oft aus den Familienstrukturen nicht rauskommen", sagt Kaupe. Auch Azada wusste sich nicht zu helfen. "Wenn ich zurück zu meiner Familie in meine Heimat gegangen wäre, gehört nach dem Gesetz das Kind dem Vater", sagt Azada, "das ging nicht." Im Frauenhaus konnte sie aber auch nicht bleiben. Zu hoch war der Tagessatz - als Studentin fiel sie aus der Finanzierung raus.

"Wir haben im Grunde keine Pauschalfinanzierung, sondern eine Einzelfallfinanzierung", erklärt Kaupe. Das heißt: Die Kosten werden auf die Frauen und ihre Kinder umgelegt. Der Einzelfall entscheidet. Wer den Tagessatz nicht selbst tragen kann, muss Sozialleistungen beantragen. Doch hier fallen Auszubildende, erwachsene Schülerinnen, Frauen aus der EU oder eben Studentinnen wie Azada raus. "Im Grunde müssen diese Frauen für das, was ihnen angetan wurde, noch bezahlen", sagt Kaupe.

Und oft müssen sie wieder gehen. Den fast 10.000 Frauen und Kindern, die allein in NRW jährlich Zuflucht in den 65 Frauenhäusern finden, stehen fast 7000 Frauen gegenüber, die abgewiesen werden müssen. Das berichtet die Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW. Nach Angaben des Emanzipationsministeriums bezieht sich diese Zahl allerdings auf die erste Anfrage bei einer bestimmten Einrichtung. "Frauen in Not, die nicht sofort einen Platz im nächstgelegenen Frauenhaus bekommen können, können in einem anderen aufgenommen werden", sagt ein Ministeriumssprecher. NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) kündigte zudem an, die Ausgaben für diesen Berech "speziell wegen der Zielgruppe der traumatisierten Flüchtlingsfrauen" 2016 um weitere 850.000 Euro aufzustocken.

(dpa)
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