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Düsseldorf/Duisburg
Loveparade: 362.834 Menschen fordern Strafprozess

Düsseldorf/Duisburg. Hinterbliebene und Betroffene der Loveparade-Katastrophe haben dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) gestern eine Petition mit 362.834 Unterschriften übergeben. "Mit diesem symbolischen Akt wollen wir zeigen, dass viele Menschen es nicht einfach so hinnehmen, dass es keinen Strafprozess geben soll", sagte Gabriele Müller, deren Sohn Christian auf der Loveparade im Gedränge ums Leben kam. "Als ich die Nachricht bekam, dass der Prozess gegen zehn Verantwortliche eingestellt wird, war das für mich, als wäre mein Sohn ein zweites Mal gestorben", betonte Müller. Von Christian Schwerdtfeger

Im März dieses Jahres hatte das Duisburger Landgericht die Zulassung eines Strafprozesses abgelehnt. Die Richter der Fünften Großen Strafkammer störten sich vor allem am Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still, dem zentralen Beweismittel der Staatsanwaltschaft. Sie lasteten dieser Expertise gravierende Fehler an. Demnach hätten nur Planungs- und Genehmigungsfehler die Katastrophe verursacht. Diese These könne das Gutachten aber nicht im Geringsten belegen, entschied die Strafkammer. Zudem gingen die Richter davon aus, dass Still im Prozess wegen Befangenheit abgelehnt werden müsste. Der Fall wanderte an das OLG weiter, das darüber befinden muss, ob die Entscheidung der Duisburger Richter richtig war - oder nicht.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg will mit einem neuen Gutachten zu den Ursachen der Tragödie, das der Wuppertaler Verkehrsexperte Jürgen Gerlach anfertigen soll, die Richter des OLG doch noch davon überzeugen, ein Hauptverfahren zur Aufarbeitung der Katastrophe zu eröffnen. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Julius Reiter, der mit seiner Kanzlei rund 100 Betroffene vertritt, bleibt hoffnungsvoll, dass der Beschluss doch noch gekippt wird. "Auch wenn das OLG unabhängig und unbeeinflusst entscheiden wird, bringt die Petition die Erwartung der Betroffenen und der Öffentlichkeit an den Rechtsstaat zum Ausdruck", sagte Reiter. Es wird damit gerechnet, dass es mindestens noch ein Jahr dauern wird - vermutlich aber noch viel länger -, bis das OLG seine Entscheidung bekanntgeben wird. Denn zunächst muss das neue Gutachten erstellt werden. Allein das dürfte viele Monate in Anspruch nehmen. Am Sonntag hatte sich die Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg zum sechsten Mal gejährt. Damals kamen infolge einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben, Hunderte wurden zum Teil schwer verletzt. Viele sind bis heute traumatisiert.

Quelle: RP
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