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Duisburg
Lüpertz-Skulptur begrüßt Schiffe in Duisburg

Duisburg. Zum Hafen-Jubiläum bekommt die Stadt eine Freiluftplastik des Bildhauers Markus Lüpertz: Sie zeigt den Meeresgott Poseidon. Zur Enthüllung hielt Altkanzler Gerhard Schröder eine launige Rede. Von Bertram Müller

Ein Kran hob die Plane Zentimeter um Zentimeter an, dann war das Geheimnis gelüftet: Der bronzene Poseidon, den der Künstler und frühere Düsseldorfer Akademiedirektor Markus Lüpertz zum 300-jährigen Bestehen des Duisburger Hafens geschaffen hat, ist ein wilder Kerl mit zerklüfteter Frisur und grobporigem Gesicht. Auf der Mercatorinsel blickt er schräg rheinaufwärts auf den Stadtteil Homberg. Den Sockel eingerechnet, ragt er zehn Meter auf und bildet eine neue Landmarke am Wasser.

Die Duisburger Hafen AG, Betreiberin dieses nach wie vor größten Binnenhafens der Welt, hat der Bevölkerung den Meeresgott zum Geschenk gemacht - ein Geschenk, dessen Kosten sich auf einen, wie es heißt, "niedrigen sechsstelligen Betrag" belaufen. Sie will damit nicht nur sich, sondern auch den erfolgreichen Strukturwandel der Stadt feiern. Und wer hätte dabei passendere Worte sprechen können als der wirtschaftsnahe frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder? "Poseidon", so merkte er an, "war nicht nur ein Schutzgott, sondern auch ein Rasender", mit dem Zeus seine liebe Müh und Not hatte. "Er hatte aber auch die Kraft, die Stürme zu beruhigen." Wichtig fand Schröder, dass Lüpertz' Poseidon auch bei Hochwasser des Rheins stets "auf sicherem Posten" stehen werde.

Poseidon, so muss man hinzufügen, ist eigentlich nur der Gott des Meeres und nicht auch der Flüsse. Alle Festredner vereinnahmten ihn aber für den Rhein. Und da von ihm überliefert ist, dass er bei guter Laune auch Inseln schuf, passt er dann doch ganz gut auf das Halbinselchen, das nach dem bis heute bedeutendsten Bewohner der Stadt benannt ist: dem Kartografen Gerhard Mercator (1512-1594).

Markus Lüpertz, langjähriger Skatbruder von Schröder und bewährter Festredner in eigener Sache, hob die Wichtigkeit des vollständigen Namens der Skulptur hervor, "Echo des Poseidon", und dann seine eigene Bedeutung. "Ich bin gerührt von der Qualität der Arbeit", so gestand er angesichts der eben erst gefallenen Hülle.

Schon Schröder hatte in seiner Rede erwähnt, dass Lüpertz bereits in etlichen Städten Gestalten aus Kulturgeschichte und griechischer Mythologie hinterlassen habe: von Aphrodite in Augsburg über Merkur in Bonn bis zur Philosophin am Eingang des einstigen Bonner Kanzleramts. Nicht alles ist beim Publikum gut angekommen. Man denke nur an das einarmige Mannweib namens Mozart in Salzburg. In Duisburg stellte der Bildhauer klar: "Ich wollte nie provozieren. Ich wollte immer nur, dass die Leute mich lieben und großartig finden."

Dabei wirkt Poseidon im Vergleich zu manch früherer Skulptur geradezu klassisch modern: Produkt eines verspäteten Expressionismus, der auf der Mercatorinsel gut zur Geltung kommt. Früher reckten sich dort Kräne, die Berge von Kohle auf Schiffe hievten. Jahrelang lieferten sich in diesem Ambiente TV-Kommissar Schimanski und Ruhrgebiets-Schurken Verfolgungsjagden, in fast jeder Folge war zumindest die Silhouette der Kräne erkennbar.

Lüpertz fühlt sich dort nicht fremd. Für kurze Zeit arbeitete er als Bergmann an der Ruhr, dem Fluss, der sich nahe seines Poseidon in den Rhein ergießt. In diesem mittlerweile kranlosen Gebiet sollen sich die Duisburger künftig erholen und dabei auch ein wenig an die Geschichte ihres Hafens denken, der als unbefestigter Ankerplatz begann und dann zum Spiegel des Ruhrgebiets wurde: Industrialisierung, Zechensterben, Stahlkrise und erneuter Aufschwung innerhalb des Strukturwandels.

Der neueste Erfolg des Umschlagplatzes: Vor vier Jahren wurde der Betrieb des Yuxinou aufgenommen, eines Güterzugs, der über 11.179 Kilometer Eurasien durchquert und die Rhein-Ruhr-Region mit dem chinesischen Ballungsraum Chongqing verbindet. Der Duisburger ist stolz darauf, mag seinen Hafen aber auch deshalb, weil der bis heute "dem Schimanski sein Hafen" ist.

Quelle: RP
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