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Kevelaer
Mädchen starb an seltenem Herzleiden

Kevelaer. Die Ärzte haben bei der Achtjährigen aus Kevelaer eine sogenannte Rhabdomyolyse diagnostiziert. Von Sebastian Latzel

Die Staatsanwaltschaft Essen hat gestern bestätigt, dass eine Erkrankung am Herzen zum Tod des Mädchens aus Kevelaer geführt hat. "Es hat eine Zersetzung des Herzmuskels stattgefunden", erläuterte Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens. Die Ärzte hätten eine so genannte Rhabdomyolyse diagnostiziert. Die habe zu einem "Gewebeuntergang" geführt. Rhabdomyolyse bedeutet "plötzliche Muskelauflösung" und beschreibt den Verfall von Muskelgewebe.

Das achtjährige Mädchen war mit starken Grippesymptomen ins Krankenhaus nach Geldern eingeliefert worden. Als sich sein Zustand verschlechterte, kam es in die Uniklinik nach Essen. Dort starb es am Sonntagabend. Die Ärzte des Hospitals informierten die Polizei, die ein Todesermittlungsverfahren einleitete. Auch die fünf Geschwister zeigten die gleichen Symptome wie das verstorbene Kind. Bei dreien war die Erkrankung so heftig, dass sie auch in die Klinik eingewiesen wurden.

Die Ursache für die Rhabomyolyse sei offen. Die Muskelzersetzung des Herzens könne durch das Virus ausgelöst worden sein. "Es ist aber ungewöhnlich, dass ein Grippevirus alleine zum Tod führt", sagt Jürgens. Jetzt sollen umfangreiche Untersuchungen folgen. Vorsorglich wurden toxikologische, virologische, mikrobiologische und histologische Gutachten angeordnet.

Ursache einer solchen Muskelauflösung kann ein genetischer Defekt sein, der zur unbemerkten Veränderung der Muskulatur führt. Die Veranlagung zu dieser Erkrankung sei im Vorfeld so gut wie nicht zu erkennen - auch nicht für die behandelnden Ärzte, so Professor Peter Young, Klinikdirektor für Schlafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen der Uni Münster. Eben das sei das Fatale. Äußere Faktoren werden betroffenen Menschen dann zum Verhängnis. Das können starke körperliche Anstrengung oder ein grippaler Infekt sein. Ganz selten komme es auch vor, dass spezielle Viren diese Erkrankung auslösen. Dass in dem Fall von Kevelaer alle Kinder der Familie erkrankt seien, spreche aber für die genetische, nicht erkennbare Veränderung.

Dieser Gendefekt sei selten. Auf etwa 10.000 Menschen komme ein Fall. Laut Robert Koch-Institut ist es bei der Influenza durchaus möglich, dass es zu einer solchen schweren Herzerkrankung kommt. Durchaus denkbar sei, dass bei schweren Fällen eine erbliche Veranlagung die Ursache sein könnte.

Eben das wurde auch bei dem Mädchen vermutet. Weiter stationär behandelt werden die drei Geschwister, die am Sonntag in der Uniklinik Essen eingeliefert worden waren. Die zwei Schwestern sind in eine Spezialklinik nach Hannover verlegt worden. Ihr Zustand sei ernst. Dem neunjährigen Bruder gehe es dagegen etwas besser, so die Staatsanwältin. Es sei wahrscheinlich, dass auch die drei Geschwister an einer Rhabdomyolyse leiden.

Quelle: RP
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