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Mönchengladbach
Missbrauchte Mann Kinder in Musikgruppe?

Mönchengladbach: Missbrauchte Mann Kinder in Musikgruppe?
Mönchengladbach. Ein 45 Jahre alter Mann soll in Mönchengladbach wiederholt Kinder missbraucht haben. In einem Fall wurde er auch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Dennoch durfte er auf freiem Fuß bleiben. Nun wurden weitere Vorwürfe bekannt. Von Andreas Gruhn

Der Mann, der offenkundig ein notorischer Sextäter ist, lächelt auf dem Foto. Er kniet vor einer Gruppe Menschen, ein kleines Mädchen hat ihm von hinten die Hände über die Schultern gelegt. Ein zweites Kind drückt sich an seine Schulter. Keiner der Musikkameraden auf dem eigentlich harmlosen Gruppenfoto dürfte wissen, dass in ihrer Mitte ein zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilter Sexualstraftäter freundlich lächelt, der eigentlich bis heute auf den Beginn seine Haftstrafe wartet. Und sich in der Zwischenzeit wieder an Kindern vergangen haben soll.

Neue Vorwürfe gegen den Mann

Denn dem 45-Jährigen wird nun vorgeworfen, sich an zwei Jungen, Mitglieder des Musikvereins, in insgesamt neun Fällen sexuell vergangen zu haben. Lothar Gathen, Sprecher der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft, sagt, dass der Mann beschuldigt wird, die beiden betroffenen Kinder im Intimbereich berührt zu haben. Deshalb sitzt er zurzeit in Untersuchungshaft.

Für die früheren, vor Gericht erwiesenen Fälle, für die der Mann vom Landgericht Mönchengladbach schuldig gesprochen worden ist, wartet er aber noch auf seinen Haftantritt. Weil sich allerdings Juristen um das Strafmaß streiten, konnte er offenbar unentdeckt weitermachen.

Am 7. April 2015 wird im Schwurgerichtssaal des Mönchengladbacher Landgerichts das erste Urteil aus dem Jahr 2014 gegen den heute 45-Jährigen vorgelesen. Sechs Mal hat er sich an seinem Stiefsohn massiv vergangen, der zum Zeitpunkt der Übergriffe elf beziehungsweise 13 Jahre alt war. Weil sich das Opfer im ersten Prozess aus dem Januar 2014 aber noch an weitere Übergriffe erinnerte, diese aber nicht konkreter benennen konnte, beanstandet der Bundesgerichtshof den entsprechenden Teil des im ersten Verfahren verhängten Strafmaßes. An der Schuld an sich äußern die Karlsruher Richter aber keinen Zweifel. Zum zweiten Mal sagt der Stiefsohn des Mönchengladbachers deshalb im April 2015 gegen ihn aus, kann aber erneut keine konkreteren Angaben zu den übrigen strittigen Fällen machen. "Der Ablauf war immer der gleiche", sagt er. Und: "Ich leide seitdem an Schlafstörungen und habe Albträume."

Gesamtstrafe nocht nicht rechtskräftig

An diesem Tag wird der 45-jährige Täter wegen schweren sexuellen Missbrauchs wieder zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, was der BGH vor kurzem erneut aus demselben Grund bemängelt. Weil die Gesamtstrafe somit noch nicht rechtskräftig ist, gibt es offenbar auch keine Ladung zum Haftantritt in einer Justizvollzugsanstalt.

Was zu dem Zeitpunkt aber noch niemand weiß: Zwei andere Kinder sollen in den Monaten vor dem zweiten Prozess von dem Mann sexuell angegangen worden sein. Die beiden Jungen behalten das aber zunächst für sich. Erst am 20. März dieses Jahres wird Anzeige erstattet. Und am vergangenen Montag erlässt ein Richter Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr.

Das Umfeld getäuscht

Über Jahre hatte der Mann offenbar sein Umfeld getäuscht. Nach einer ersten zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung im Jahr 1994 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern waren diverse Auflagen erteilt worden - unter anderem die Teilnahme an einer therapeutischen Maßnahme. Kurz darauf begann der Gladbacher, ehrenamtlich eine Jugendfußballmannschaft zu betreuen, und behielt dies über 15 Jahre bei. Zwischenzeitlich versuchte er nach Informationen unserer Redaktion überdies, in der Gruppe der ehrenamtlichen Notfallseelsorger in Mönchengladbach tätig zu werden.

Als er aber ein großes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sollte, wurde er ausgeschlossen. Erst im Jahr 2012, als sich sein inzwischen erwachsener Stiefsohn erst einer Freundin und dann einer Beratungsstelle offenbarte, kam das Verfahren in Gang. Zu dem Zeitpunkt war der Mann in einer Pflegediensteinrichtung tätig.

Bekannte des Mannes sagten unserer Redaktion gestern, keine Ahnung von der Vergangenheit des Gladbachers gehabt zu haben und von der Verhaftung überrascht worden zu sein.

Quelle: RP
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