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Xanten
Nachwuchs für Seeadler am Niederrhein

Xanten. Jahrhundertelang haben die Raubvögel nicht mehr in NRW gebrütet. Aber auf der Bislicher Insel bei Xanten hat ein Pärchen im April zwei Jungvögel bekommen. Von Saskia Nothofer

Im Idyll der Bislicher Insel bei Xanten war es eine Sensation: "Bei uns gab es die erste Brut eines Seeadlers in NRW seit Jahrhunderten", sagt Thomas Traill von der Biologischen Station im Kreis Wesel. Gesehen wurden die zwei Jungvögel erstmals am 8. Juli, geschlüpft seien sie vermutlich bereits Ende April, so der Biologe.

Der Nachwuchs stammt von einem Seeadler-Pärchen, das schon seit einigen Jahren auf der Bislicher Insel lebt, einer zehn Quadratkilometer großen Auenlandschaft aus Wald, Wiesen und Gewässern. "Wir haben schon immer gedacht: Irgendwann brüten die vielleicht", sagt der Experte. Zwar kommen auch in anderen Regionen in NRW - im Münsterland sowie rund um Minden - Seeadler vor, dass sie aber brüten, wie auf der Bislicher Insel, ist einzigartig. "Derartige Auen-, Wasser- und Waldlandschaften gibt es in NRW einfach kaum noch", so Traill.

Zwar gibt es in NRW bisher nur dieses eine brütende Seeadler-Paar, in anderen Gegenden Deutschlands sieht es jedoch ganz anders aus. "Wir gehen von bundesweit über 700 Brutpaaren aus", sagt Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund (Nabu). Hinzu komme wahrscheinlich noch eine vierstellige Zahl nicht brütender Vögel der größten einheimischen Greifvogelart. Gut 80 Prozent des deutschen Bestandes lebt im Nordosten der Bundesrepublik, mehr als 360 Brutrevierpaare waren es 2015 allein in Mecklenburg-Vorpommern. "Seit den 60er Jahren hat sich der Bestand mehr als verzehnfacht", so Lachmann. Damals habe es in der Bundesrepublik nur noch vier Paare gegeben, in der DDR etwa 60. "Zur Erholung haben das Verbot des Insektizids DDT und die Unterschutzstellung der Greifvögel entscheidend beigetragen", sagt der Experte.

Doch obwohl die Tiere geschützt sind, ist die Gefahr durch den Menschen nicht komplett gebannt. "Die Gefährdung besteht weiter in illegaler Verfolgung", sagt Lachmann. Jedes Jahr würden bundesweit im Durchschnitt acht getötete Seeadler gefunden. "Dazu kommen Horstzerstörungen, wie sie in letzter Zeit leider in der Umgebung von geplanten Windkraftanlagen zunehmend vorkommen." Auch an fertiggestellten Anlagen komme es regelmäßig zu Todesfällen.

Die häufigste Todesursache von tot aufgefundenen Seeadlern sei allerdings eine Bleivergiftung, erklärt der Nabu-Experte. Weil die Adler auch angeschossene Tiere erbeuten oder Aas zu sich nehmen, verschluckten sie dabei häufig Schrotkugeln. Sei die Munition nicht bleifrei, so führe dies über kurz oder lang zum Tod. Nur in bestimmten Regionen wie etwa Feuchtgebieten sei bleihaltige Munition bereits verboten.

Als der Nachwuchs im Juli auf der Bislicher Insel entdeckt wurde, waren die Jungtiere bereits flügge - sie konnten also schon fliegen, waren aber noch an die Eltern gebunden. Zwar bleiben junge Seeadler eine gewisse Zeit lang auch im Familienverbund, irgendwann vertreiben die Eltern allerdings ihren Nachwuchs. Ob die beiden Jungtiere also dauerhaft auf der Bislicher Insel bleiben, ist nicht sicher. "Die jungen Seeadler wurden noch bis in den Oktober hinein dort gesichtet", sagt Biologe Traill. Es sei aber auch möglich, dass die zwei den Niederrhein verlassen und stattdessen die Niederlande als neue Heimat wählen. "Dort sind Seeadler hauptsächlich am IJsselmeer, an der Nordsee sowie in der Nähe der Stadt Dordrecht angesiedelt", so Traill.

Die Eltern der Jungtiere schätzt Traill auf ein Alter von etwa fünf Jahren. Ausgewachsene Seeadler wie diese haben im Schnitt eine Flügelspannweite von bis zu 2,40 Meter und wiegen etwa vier Kilogramm. "Sie essen hauptsächlich Fische und Wasservögel", sagt der Biologe. Natürliche Feinde haben sie in Deutschland nicht. "Mal abgesehen von Krankheiten", so Traill. Sind die Seeadler gesund, lieben sie vor allem zwei Dinge: Ruhe und Platz. Und von beidem gibt es auf der Bislicher Insel reichlich.

Quelle: RP
 
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