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Düsseldorf
Neue Flüchtlingsheime trotz sinkenden Bedarfs

Düsseldorf. Bis vor kurzem musste das Land noch Turnhallen zu Notunterkünften umfunktionieren, um den Flüchtlingszustrom nach NRW bewältigen zu können. Inzwischen hat sich die Lage in den Landeseinrichtungen deutlich entspannt. Von den 800 Betten der zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Duisburg sind aktuell nur 672 belegt, von den 1600 Plätzen in Neuss sogar nur noch 443. Auch in Rees, Rheinberg, Wegberg und Willich wird nur noch ein Teil der Kapazitäten benötigt. Hintergrund ist der stark rückläufige Zustrom von Flüchtlingen nach NRW (siehe Titelseite).

Aber das Land verlässt sich nicht auf diesen Trend und will nicht erneut in die prekäre Lage geraten, seine eigenen Unterkunftsverpflichtungen bei den Kommunen abzuladen. Schließlich haben die Kommunen schon genug mit den Flüchtlingen zu tun, die ihnen das Land auf regulärem Wege zuweist. Deshalb sollen landesweit fünf neue Flüchtlingsheime gebaut werden: in Viersen, Ratingen, Wuppertal, Rees und Schleiden. Weitere elf provisorische Flüchtlingsunterkünfte des Landes sollen in dauerhafte Einrichtungen umgewandelt werden, unter anderem die Notunterkünfte in Mönchengladbach, Niederkrüchten und Weeze. Das geht aus einem aktuellen Bericht des NRW-Innenministers Ralf Jäger für den Landtag hervor.

Der logistischen Entspannung in den Unterkünften stehen aber offenbar wachsende psychische Belastungen der Bewohner gegenüber. "In den Landeseinrichtungen kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen einzelnen oder mehreren Personen, die mitunter in körperliche Auseinandersetzungen münden", heißt es in dem Bericht. Diese seien "trotz aller Bemühungen der Verantwortlichen" nicht abschließend zu verhindern. Vor allem religiöse oder ethnische Unterschiede wirkten sich dabei "konfliktverschärfend" aus.

Mithilfe öffentlicher Fördergelder sind seit Jahresanfang 6955 Flüchtlinge freiwillig aus NRW wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 2062. Bis Ende April hat NRW nur 1727 Flüchtlinge zwangsweise abgeschoben, obwohl sich Ende Mai 58.951 Ausreisepflichtige in NRW aufhielten. 45.815 davon müssen aber aufgrund von Bundesgesetzen geduldet werden, obwohl ihr Antrag auf Asyl abgelehnt wurde. Zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen.

(tor)
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