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Düsseldorf
NRW im Dauerstau

Düsseldorf: NRW im Dauerstau
FOTO: Zörner
Düsseldorf. Das Land liegt auf Rekordkurs: Noch nie wurde in den ersten sieben Monaten eines Jahres so viel Stau im Land gemessen wie 2017. Das geht aus aktuellen Zahlen des Verkehrsministeriums hervor. Von Clemens Boisserée

Knapp 60.000 Kilometer Stau zwischen Januar und Juli auf 30 Autobahnen im Land - nie hat das Stauauswertesystem mehr Verkehrsstörungen gemeldet als in diesem Jahr. Zum Vergleich: 2012 wurden im selben Zeitraum "nur" 36.500 Kilometer Stau erfasst. Weil die staureichsten Monate Oktober und November erst noch kommen, erwarten Experten für 2017 einen neuen Negativrekord. Der steht aktuell bei 104.435,49 Kilometern aus dem vergangenen Jahr.

"Der deutschen Wirtschaft geht es gut, das wirkt sich gerade im Verkehr aus", sagt Roman Suthold, Leiter des Fachbereichs Verkehr beim ADAC. NRW als größtes Transitland bekomme es besonders zu spüren, wenn der Gütertransport auf der Straße zunehme. "Während der Wirtschaftskrise 2009 hatten wir auch einen Stau-Einbruch, zurzeit erleben wir das Gegenteil. Das System läuft am Limit", sagt der Experte. Tatsächlich verzeichnete das NRW-Verkehrsministerium für 2009 mit knapp unter sechs Milliarden Lkw-Fahrtkilometern den niedrigsten Wert der vergangenen zwölf Jahre, 2016 waren es über 6,6 Milliarden.

Dem Lkw-Verkehr alleine die Schuld zu geben, wäre aber falsch. "50 Prozent aller Staus in NRW entstehen durch Baustellen", hat der ADAC analysiert. Insbesondere die Brückensanierungen und kurzfristigen Sperrungen - wie auf der A40-Rheinbrücke in Duisburg - sorgen für große Probleme. "Brücken sind Nadelöhre, hier wirken sich Baustellen besonders intensiv aus", sagt Suthold.

Doch die Arbeiten und Sperrungen sind alternativlos, stellt der Landesbetrieb Straßenbau NRW klar. "NRW hat eines der dichtesten Verkehrsnetze weltweit. Doch in den vergangenen Jahren ist in den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur und ihren Ausbau viel zu wenig investiert worden", sagt Hanno Bäumer, Leiter der Straßen NRW-Verkehrszentrale. Rund 40 Prozent der Arbeiten würden bereits nachts ausgeführt, "aber Nachtarbeiten haben ihre Grenzen. Lärm und das benötigte Licht stören Anwohner und können auch Autofahrer irritieren. Außerdem sind die Zulieferungen nachts kaum möglich", sagt Bäumer. Und er weiß: "Weil auf vielen Strecken die Kapazitätsgrenze immer häufiger erreicht wird, sorgen schon kleinere Störungen durch Witterung oder Laub für große Probleme."

Das wird insbesondere auf den Autobahnen rund um die Großräume Ruhrgebiet, Düsseldorf, Köln oder Bonn deutlich. So kommt allein die A1 in den ersten sieben Monaten des Jahres auf über 5300 Kilometer Stau - bis zu 30 Kilometer pro Tag staut es sich auf jener Strecke, die besonders durch die Lkw-Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke für Schlagzeilen sorgt. "Diese notwendige Einschränkung führt in der ganzen Region zu erheblichen zusätzlichen Verkehrsproblemen", sagt Bäumer. Seit die Sperrung 2014 errichtet wurde, sind die Stauwerte für die Ausweichstrecken über die A59 oder die A3 um bis zu 40 Prozent gestiegen.

Für die nähere Zukunft wollen weder Straßen NRW noch der ADAC Besserung versprechen. "Wir müssen die Infrastruktur der 60er und 70er Jahre modernisieren. Baustellen werden weiterhin zum Straßenbild gehören", sagt Hanno Bäumer. Deshalb sei es immer wichtiger, dass sich Autofahrer vor der Fahrt informieren. ADAC-Experte Suthold zeichnet ein finsteres Bild: "Es zeichnet sich ab, dass sich die Situation noch verschärft." Er prognostiziert, dass sich die Stau-Kernzeiten am Morgen und späten Nachmittag weiter ausdehnen werden. "Einzige Entlastung könnte eine Verlagerung des Verkehrs auf Schiffe und Schiene bringen. Dass der Rhein-Ruhr-Express immer noch nicht fährt, ist deshalb ein Trauerspiel." Immerhin: Im Zwei-Stunden-Takt sollen Ende 2018 die ersten Züge von Düsseldorf nach Paderborn rollen.

Quelle: RP
 
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