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NRW
Schlechte Noten für Krafts Kinderprojekt

NRW: Schlechte Noten für Hannelore Krafts Kinderprojekt
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Kein Kind zurücklassen" ist eines ihrer wichtigsten Projekte. FOTO: dpa, ve gfh
Exklusiv | Düsseldorf. Das Programm "Kein Kind zurücklassen!" ist ein Schwerpunkt der Regierungsarbeit von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Doch Wissenschaftler stellen gravierende Defizite fest. Von Kirsten Bialdiga

Drei Jahre nach dem Start des Vorzeigeprojekts der rot-grünen Landesregierung "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" (Kekiz) finden Wissenschaftler kaum Belege dafür, dass sich eine solche vorbeugende Politik tatsächlich auszahlt. "Land und Kommunen werden weiter daran arbeiten müssen, um Prävention nicht im Blindflug zu betreiben", lautet ein Fazit der Begleitstudie der Bertelsmann-Stiftung, die unserer Redaktion vorab vorliegt.

Kekiz ist ein Schwerpunkt der Regierungsarbeit von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). An dem Projekt sind bisher elf Modellkommunen in NRW beteiligt. Seit 2012 sollen dort alle Behörden bei der Bekämpfung von Kinderarmut möglichst lückenlos zusammenarbeiten. Heute Nachmittag will Kraft die Studie zusammen mit Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, in Düsseldorf vorstellen. Erwartet wird, dass die Ministerpräsidentin das Projekt jetzt auch auf andere Kommunen in NRW ausdehnt.

Erheblicher Forschungsbedarf

Wesentliches Ziel von Kekiz ist es, frühzeitig in die Zukunft sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher zu investieren, um spätere Folgekosten für die Gesellschaft durch Arbeitslosigkeit, Frühverrentung oder Drogenabhängigkeit möglichst gering zu halten. Dass dies durch Kekiz gelingen kann, lässt sich aber der Studie zufolge bisher nicht beweisen. Zwar gibt es in den einzelnen Städten einzelne vielversprechende Ansätze. Im Bericht der Bertelsmann-Stiftung heißt es jedoch: "Der Nachweis fiskalischer Effekte präventiver Maßnahmen ist ausgesprochen komplex." Externe Faktoren wie demografischer Wandel oder Zuwanderung machten es schwer, die Effekte vorbeugender Politik nachzuweisen.

Auch gebe es beträchtliche Lücken bei den amtlichen Statistiken in den Kommunen. "Es besteht noch ein erheblicher Forschungsbedarf", resümiert die Studie. Der Zeitraum von drei Jahren sei zu kurz. Zudem fehle es an Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kommunen, um die Wirksamkeit zu belegen.

Entscheidende Schwächen des Projekts sehen die Wissenschaftler auch in der zu geringen Verknüpfung mit anderen Förderprogrammen auf kommunaler Ebene oder etwa bei der Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schulverwaltung. Insbesondere die weiterführenden Schulen müssten stärker einbezogen werden. Zwar seien in den Modellkommunen Präventionsketten entstanden. "Aber das Land Nordrhein-Westfalen braucht einen langen Atem, um jetzt den Schalter vom Modellprojekt zur Verstetigung umzulegen", heißt es.

Rot-Grün ist weiter überzeugt

Doch die Zeit drängt. Die Kinderarmut in NRW wächst im Land deutlich stärker als im Bundesschnitt. Beinahe jedes fünfte Kind im Land lebt der Bundesagentur für Arbeit zufolge von Hartz IV.

Problematisch ist dabei der Bertelsmann-Studie zufolge vor allem die zunehmende Konzentration von Kindern armer Familien und von solchen aus Migrantenfamilien in bestimmten Kitas und Grundschulen. Negativ wirke sich dabei aus, dass Eltern die Grundschule für ihre Kinder unabhängig vom Wohnbezirk vielerorts frei wählen können.

Die Landesregierung ist von Kekiz indes weiterhin überzeugt: "Uns ist bewusst, dass nur durch eine langfristig angelegte Strategie Erfolge beim Kampf gegen Bildungsbenachteiligung und Kinderarmut erzielt werden können", schreibt Nordrhein-Westfalens Familienministerin Christina Kampmann (SPD)im Grußwort.

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