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Essen
Vermisste Aylin – Zeugen sahen vermummte Frau

Düsseldorf/Essen. Die Polizei in Essen sucht weiter mit einem Großaufgebot nach der vermissten 15-jährigen Aylin. Es gebe nach wie vor keine entscheidende Spur, sagte ein Polizeisprecher am frühen Samstagmorgen. Der Fall bleibt mysteriös.

"Wir würden gerne etwas anderes erzählen, denn wir wollen sie alle so schnell wie möglich finden", sagte der Beamte. Beamte einer Einsatzhundertschaft durchkämmen seit dem Morgen Gebiete in der weiteren Umgebung des Wohnhauses, die bislang noch nicht abgesucht wurden. Unterstützt werden sie dabei von Feuerwehrleuten, sagte der Sprecher.

Mittlerweile konnten mehrere Zeugen ermittelt werden, die zur relevanten Zeit im Umfeld des Wohnhauses in der Schellstraße eine vermummte weibliche Person gesehen haben. Diese sei von drei Zeugen am Wohnhaus der Familie in etwa dem Zeitraum beobachtet worden, als Aylins Mutter und ein Nachbar im Keller auf einen bewaffneten Unbekannten trafen, sagte ein Sprecher am Freitag. Vermutlich handelt es sich bei ihr um den Eindringling, der am Wohnhaus der Familie in der Ruhrgebietsstadt gesehen worden war. Insgesamt gingen aus der Bevölkerung an die hundert Hinweise ein, wie es am Freitag von der Polizei hieß. Eine entscheidende Spur gebe es allerdings noch nicht, sagte der Sprecher.

Der Fall des verschwundenen Mädchens ist mysteriös, unterscheidet sich deutlich von den üblichen Vermisstenmeldungen. Aylin war am Mittwochnachmittag nach einem Spaziergang mit ihrem Hund im Essener Stadtteil Stadtwald nicht mehr nach Hause gekommen. Ihre Mutter bemerke das Fehlen des Mädchens, als sie selbst gegen 15 Uhr nach Hause kam.

Einbrecher im Haus

Statt ihrer Tochter fand sie jedoch im Keller des Einfamilienhauses einen Eindringling vor. Der verletzte einen zur Hilfe gerufenen Nachbarn mit einem Messer an der Hand und floh. Von ihm fehlt jede Spur. Weil die Gestalt ihr Gesicht mit einem Schal vermummt hatte, ist noch nicht einmal klar, ob es sich um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat.

Auch ist noch immer nicht klar, ob der Einbrecher oder die Einbrecherin etwas mit dem Verschwinden der Schülerin zu tun hat. Offensichtliche Einbruchsspuren wurden laut Polizei am Haus nicht gefunden. Im Keller befand sich dann jedoch der braune Labradoodle der Familie, mit dem Aylin zuvor spazieren gegangen war.

Ermittelt werde in alle Richtungen, betonte der Polizeisprecher. Die Sache werde als "herausragender Vermisstenfall" eingestuft. Das Besondere sei der Einbruch in den Keller. Die Polizei geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der 15-Jährigen und dem Einbruch gibt. "Alles andere wäre ein sehr, sehr, sehr großer Zufall", sagte Polizeisprecher Lars Lindemann.

Beamte einer Einsatzhundertschaft durchkämmten am Freitag Gebiete in der weiteren Umgebung von Aylins Zuhause, die bislang noch nicht abgesucht wurden. Beim Absuchen eines Abschnitts des Ruhr-Ufers half ein Boot der Feuerwehr. Erneut kam ein Hubschrauber zum Einsatz.

An der Schule der vermissten 15-Jährigen können sich Schüler an eine Psychologin und zwei Seelsorger für Gespräche wenden. "Wir haben festgelegt, dass Ruhe das Gebot der Stunde ist. Der Unterricht läuft nach Plan ab", sagte die Schulleiterin des Mariengymnasiums, Christiane Schmidt, der dpa. Die Experten kümmerten sich vor allem um die Klassenkameraden von Aylin. Die Jugendliche besucht die neunte Klasse der Schule, die vom Ruhrbistum getragen wird. An Aylin werde auch beim täglichen Morgengebet gedacht. Die Stimmung an der Schule beschrieb die Leiterin mit den Worten: "Geschockt, aber gefasst."

Mit Zustimmung der Eltern veröffentlichte die Polizei Essen am Donnerstag ein Foto der Schülerin, erhofft sich so Hinweise aus der Bevölkerung. Mittlerweile seien fast 100 Hinweise aus der Bevölkerung bei den beiden extra geschalteten Hotlines eingegangen (0201/829- 8102 oder -8116), so ein Polizeisprecher. Eine heiße Spur sei bislang aber nicht darunter gewesen.  

Die Polizei setzt bei der Suche eine Hundertschaft ein, die angrenzende Waldgebiete durchstreift, auch ein Hubschrauber ist im Einsatz. Aus Bielefeld wurde ein spezieller Spürhund, ein sogenannter Mantrailer-Suchhund, eingeflogen. Bislang blieb die Suche erfolglos.

(csr)