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Sorge wegen belgischer Atomreaktoren
Mehr als 2900 Bürger aus Aachen und Region bestellen Jodtabletten

2900 Bürger aus Aachen und Region bestellen in den ersten Stunden Jodtabletten
Die Kreise Euskirchen, Düren und Heinsberg, die Städteregion Aachen und die Stadt Aachen beginnen am 1. September, Jodtabletten zu verteilen. FOTO: dpa, rj
Düsseldorf. Fünf Kommunen in der Nähe der deutsch-belgischen Grenze verteilen ab Freitag Jodtabletten an ihre Bürger. Zuvor müssen sie sich einen Bezugsschein im Internet herunterladen. Allein in den ersten Stunden registrierten sich fast 2000 Menschen. 

Bis zum späten Vormittag meldeten sich etwa 1160 Bürger aus der Städteregion Aachen in dem Internetportal an, wo man den Bezugsschein für Jodtabletten herunterladen kann. Das teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Über die Stadt Aachen registrierten sich bis zum Mittag gut 1300 Bürger. Die Registrierungen steigen stetig. 

"Wir haben heute einen guten Schub bei den Neuregistrierungen", sagt Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen. 20.000 Bürger haben schon ein Konto im Serviceportal der Stadt und müssen sich daher nicht zusätzlich für den Bezugsschein registrieren. 

Bestellung gültig für alle Mitglieder eines Haushalts

Zudem muss sich jeder Haushalt nur einmal registrieren und kann Jodtabletten für alle im Haushalt lebenden Mitglieder bestellen. 

Im Kreis Euskirchen haben bis 13 Uhr rund 500 Menschen Anträge gestellt. Für den Kreis Heinsberg und den Kreis Düren liegen bislang keine Zahlen vor. "Seit Donnerstag haben wir in der Kreisverwaltung Heinsberg viele Anrufe von Bürgern", sagt Kreissprecher Ulrich Hollwitz. "Und auch auf Facebook ist das Interesse an den Jodtabletten groß." 

Der Kreis Heinsberg liegt im 100-Kilometer-Radius (Außengrenze) des belgischen Atomkraftwerks Tihange, das wegen Haarrissen im Reaktordruckbehälter in die Kritik geraten ist. Die Stadt Aachen liegt rund 70 Kilometer von Tihange entfernt. 

Jodtabletten schützen nicht vor Strahlung, sondern sollen Schilddrüsenkrebs verhindern, wenn man die Tabletten rechtzeitig einnimmt.  Personen, die älter als 45 Jahre sind, sollen die Tabletten nicht nehmen. "Erwachsene älter als 45 Jahre sollten keine Jodtabletten einnehmen. Mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auf. Eine solche funktionelle Autonomie erhöht die Gefahr der Nebenwirkungen einer Jodblockade. Zudem nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit ab, an durch ionisierende Strahlung verursachtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken" schreibt das Bundesumweltministerium auf seiner Homepage. Für sie gibt es laut Wolfgang Andreas, Pressesprecher der Stadt Euskirchen, auch keine Bezugsscheine.

Hier finden Sie die Informationsbroschüre des Umweltbundesamtes zur Einnahme von Jodtabletten als PDF.

(heif)
 
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