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JVA Münster
500 Häftlinge werden aus dem Gefängnis verlegt

Gefängnis in Münster wird wegen Einsturzgefahr evakuiert
Gefängnis in Münster wird wegen Einsturzgefahr evakuiert FOTO: dpa, frg fpt
Münster. Das baufällige Gefängnis in Münster ist einsturzgefährdet und muss geräumt werden. 509 Häftlinge werden seit Donnerstagmorgen in andere Justizvollzugsanstalten verlegt.

Schon seit Monaten wird die Statik im denkmalgeschützten Gefängnis in Münster überwacht. Am Mittwoch hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) das Mietverhältnis mit dem Justizministerium fristlos gekündigt. Bis Freitagnachmittag muss das sternförmig angelegte Gefängnis geräumt sein.

Bis zum Donnerstagnachmittag waren bereits über 200 Gefangene in andere Justizvollzugsanstalten des Landes verlegt worden, wie JVA-Leiter Carsten Heim bestätigte. Der Notfallplan sieht die Räumung innerhalb von 48 Stunden bis Freitagmittag vor.  "Es läuft alles geordnet, aber erfreut sind die Häftlinge nicht. Auch wenn die meisten nicht länger als ein Jahr bei uns einsitzen, ist so ein Umzug doch ein erheblicher Einschnitt", sagt der Einrichtungsleiter.

Gegen 10.30 Uhr war am Donnerstag der erste Bus mit Häftlingen aus dem einsturzgefährdeten Gefängnis gerollt. Ein Großteil der 515 Insassen der Justizvollzugsanstalt wird in andere Haftanstalten verlegt - viele von ihnen nach Coesfeld (44) und Krefeld (52). Dafür seien sieben Busse im Einsatz, "die mehrmals hin und her fahren", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Jeder Bus könne 20 bis 25 Personen transportieren, erklärte Heim. Einige Häftlinge müssten allerdings in Einzeltransportern verlegt werden, da sie psychisch labil sind. 34 Häftlinge könnten in Münster bleiben - in einem Teil des Gebäudes, der nicht baufällig ist. 

Auch in Mönchengladbach werden Häftlinge aus Münster untergebracht. Das bestätigte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums. Ein sofortiger Umzug sei jedoch erst möglich, wenn in dem Gladbacher Gefängnis die Brandschutzarbeiten abgeschlossen sind. Die ersten Strafgefangenen aus Münster sollen in zwei bis drei Wochen einziehen. Erst vor knapp drei Monaten wurde bekannt, dass der bereits geschlossene Mönchengladbacher Knast wieder reaktiviert werden soll.

Die JVA in Coesfeld werde hauptsächlich mit Untersuchungshäftlingen aus Münster belegt, damit der Weg zum Gericht nicht so weit ist. Wie es mit dem pädagogischen Zentrum und der Drogentherapie weitergehe, wisse er noch nicht, sagt Heim.

Statik des 160 Jahre alten Baus versagte

"Ein aktuelles Gutachten sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein spontanes Versagen der Statik", begründete der Sprecher des BLB den Schritt der Räumung. Für das Justizministerium kommt die Entscheidung überraschend. Ein Statiker habe Grenzwerte für Veränderungen in der Decken-Statik feststellt. Die seien nicht überschritten worden, sagte JVA-Leiter Heim. Das Gefängnis ist 160 Jahre alt. Das Hauptgebäude ist sternförmig angelegt und hat vier Zellentrackte. Einer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut und hat eine Betondecke, die anderen drei Trackte haben noch die alte Gewölbedecke. Die soll nun einsturzgefährdet sein.

Zurück in das Gebäude könne die JVA jedenfalls nicht mehr, sagte Heim. Vom Justizministerium habe es aber Signale gegeben, dass es langfristig wieder einen Standort direkt in Münster geben soll. Das sei auch für die Bediensteten ein wichtiges Zeichen. Denn auch für die sei es kein leichter Schritt, das historische Gebäude endgültig zu verlassen.

Seit Jahren sei man vergeblich auf der Suche nach einem Ersatzgelände für einen Neubau, sagte BLB-Sprecher Hartmut Gustmann. "JVAs sind keine beliebten Nachbarn. Da eine gemeinwohlverträgliche Lösung zu finden, ist uns bisher nicht gelungen."

 

(rent/mit dpa)
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