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70. Geburtstag
Auf NRW kommt es an!

70 Jahre: Auf NRW kommt es an!
NRW feiert seine Vergangenheit. Aber was bringt die Zukunft? FOTO: dpa, a lof
Meinung | Düsseldorf. NRW wird 70 Jahre alt. Vor 1300 Gästen wurde am Dienstag in der Düsseldorfer Tonhalle gefeiert. Dabei bleibt eine wichtige Frage weiter offen. Wo ist die Vision für den Wiederaufstieg unseres Bundeslandes? Von Michael Bröcker

Wer einen runden Geburtstag feiert, dem gratuliert man. Also, Glückwunsch NRW! Kritisches spart man sich. So war der Festakt zum 70. Geburtstag des Landes die erwartete Lobhudelei. Hannelore Kraft schwärmte vom starken Land. Die Kanzlerin nickte höflich.

Nur: Wann, wenn nicht an dem Tag, an dem die Republik auf das Land und seine stolze Vergangenheit schaut, sollte man den Vorhang beiseiteziehen und die schmuddeligen Ecken ausleuchten? NRW warf in den 50ern den Motor für das Wirtschaftswunder an. Ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung wurde an Rhein und Ruhr erbracht. Karl Arnold, der erste frei gewählte Ministerpräsident, nannte Nordrhein-Westfalen Kernland der jungen Bundesrepublik. Heute bringt dieser Kern nur ein Fünftel des BIP auf die Waage. Die Misere im Westen zieht Rest-Deutschland herunter. Das reale Pro-Kopf-Einkommen ist 2015 gesunken. Wohlstandsverlust. Erste Prognosen sehen nun wieder zartes Wachstum. Aber von einem Motor spricht wirklich niemand.

Mehr Arbeitslose, weniger Geld für Grundschulen. Mehr Einbrüche, weniger Polizisten. Mehr Schulden, weniger Kita-Plätze. Hohe Kinderarmut, niedrige Forschungsausgaben. Alles pro Kopf. Im Vergleich zu westdeutschen Flächenländern. So bitter liest sich die Wahrheit. Es gibt auch gute Zahlen: Die Bildungsinvestitionen sind insgesamt unter Rot-Grün gestiegen. Die hohen Auslandsinvestitionen schmücken den Standort. Die Exzellenz forscht auch hier.

Aber Avantgarde? Klassenprimus? Kernregion? Nordrhein-Westfalen ist schnödes Mittelmaß.

Man dürfe nicht alles schlechtreden, entgegnet Frau Kraft und merkt dabei nicht, dass sie das Gesundbeten zur reinen Lehre ernennt. Kraft blendet Kritisches aus, lässt ihre Getreuen mit Argusaugen über ihr Bild in der Öffentlichkeit wachen und erklärt, dass sie im direkten Gespräch mit den Bürgern alles anders erlebe. Diese rhetorische Allianz mit dem Bürger gegen die Kritiker kennt man aus einer anderen, noch sehr jungen Partei.

Dabei wüsste man doch nur gerne: Wohin will Frau Kraft mit NRW? Wo kommen Innovationen her? Kennt jemand die Wissenschaftsministerin? Wie sollen Millionen Migranten mit Bildung und Jobs versorgt werden, wie sollen Wirtschaft und Wissenschaft vernetzt werden, wenn kaum Geld für eine Autobahnbrücke da ist? Welche Regionen werden gefördert, wenn schon bei einer mickrigen Digitalförderung der schlechtesten Bewerbung (Köln) aus Proporzgründen Geld gegeben wird? Der 70. Geburtstag wäre ein schöner Anlass für eine Vision für den Wiederaufstieg des Landes. Wäre.

Quelle: RP
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