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Essen/Bochum
Schlussspurt bei A40-Sanierung

A40: Bauarbeiten behindern den Verkehr
A40: Bauarbeiten behindern den Verkehr FOTO: dpa, mb fg fdt
Düsseldorf. Die Autobahn 40 bei Essen wird kilometerweit umgekrempelt. Flüsterasphalt und höhere Lärmschutzwände sollen den Lärm von nahen Wohngebieten besser abhalten. Aber geht das?

Kettenfahrzeuge rattern. Auf der Baustelle verschafft sich ein piepsender Raupenbagger im Rückwärtsgang Aufmerksamkeit. Baggerarme zertrümmern Berge an Bauschutt. Kipper blinken mit orangen Warnlichtern auf den Dächern um die Wette. An anderem Ort schleifen Bauarbeiter mit Flexmaschinen die Straßenkanten ab. Und wer von einer Fußgängerbrücke auf den Fahrstreifen in westliche Richtung blickt, bekommt den Eindruck, als hätte jemand einen kilometerlangen Streifen aus der Fahrbahn gerissen: In diesen Tagen liegt die Autobahn 40 bei Essen auf dem OP-Tisch.  Die Bauarbeiten haben große Auswirkungen auf den Verkehr: Bis zum 24. Juli wird die A40 von der Anschlussstelle Bochum-Wattenscheid-West bis zum Autobahndreieck Essen-Ost gesperrt.

Bis dahin wird die Hauptschlagader des Ruhrgebiets mit Schalldämpfern ausgestattet. In beiden Richtungen errichten Bauteams seit Monatsanfang auf einem Kilometer Lärmschutzwände, auf fünf Kilometern bringen sie Flüsterasphalt auf. Einschließlich der Verlegung zweier Anschlussstellen und ihrer Erhaltung kostet die Lärmsanierung nach Angaben des Landesbetriebs Straßen.NRW 34 Millionen Euro. Der Verkehr an Bundesstraßen und Autobahnen soll deutschlandweit leiser werden. 65 Millionen Euro gibt der Bund nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums in diesem Jahr dafür aus. Eine der Großbaustellen liegt in Essen.

Am Wochenende hatte die Bauleitung mit der zweiten Sanierungsphase in Richtung Duisburg begonnen. Erst bohrten sich Fräsmaschinen in den Boden und sprengten die Decke auf. 36 Stunden dauerte dieser "Haircut". Kehrmaschinen fegten anschließend über den Asphalt. Bagger füllen seit Montag mit GPS-gesteuerten Schaufeln zentimetergenau die Straße mit neuem Schotter auf. Anschließend legen Maschinen die ersten beiden Asphaltschichten auf. Zusätzlich werden die alten, drei Meter hohen Lärmschutzwände durch acht Meter hohe Nachfolger ersetzt.

NRW: Die Autobahn-Baustellen in den Sommerferien

Die Kür kommt zuletzt: Dutzende Lastwagen gießen in der nächsten Woche den offenporigen Flüsterasphalt etwa vier Zentimeter dick auf die Straße. "Das ist wie beim Zaunstreichen. Erst kommt der Lack ab, dann muss alles trocken sein. Danach kommen Grundierung und Farbe drauf", sagt Projektleiter Frank Theißing. Das Ganze mit heißem Asphalt und zuletzt bei 40 Grad Sommer-Hitze. Kein Wunder, dass manche bis zu zehn Liter am Tag schwitzen mussten, sagt Theißing.

Flüsterasphalt ist von der Struktur wie eine Reiswaffel aufgebaut: Durch seine groben Körner werden Reifengeräusche in die Hohlräume hineingedrückt, die Straßengeräusche teilweise verschluckt, erklärt Theißing. Aber: Der offenporige Belag ist etwa doppelt so teuer und nur halb so lange haltbar wie normaler Asphalt. Pro Quadratmeter kostet er etwa so viel wie Korkboden - und hat die Lebenserwartung eines Kaninchens.

Fotos: NRW-Verkehrsminister Groschek besucht A40-Brücke FOTO: Christoph Reichwein

Mancher Anwohner mag Stöhnen wegen des fast dreiwöchigen Baulärms vor seiner Haustür. Schlimmer noch ist aber anhaltender Straßenlärm. Am Ärgsten trifft es diejenigen, deren Häuser nur zehn Meter Luftlinie von der A40 entfernt stehen. In Spitzenzeiten rauschen bis zu 130 000 Fahrzeuge täglich vorbei. Wer hier wohnt, lebt an eine der lautestens Stellen Nordrhein-Westfalens, sagt einer der Planer von Straßen.NRW, Frank Hinterlandt und gibt ein Beispiel: Öffnet man im dritten Geschoss tagsüber das Fenster, schallt einem die Lautstärke eines Rasenmähers entgegen. Kopfschmerzen, Nervosität, Herzrasen oder Bluthochdruck können die Folgen sein, warnt das Umweltbundesamt.

Duisburg: Die Sperrung der A40-Brücke FOTO: dpa, rwe fdt

Flüsterasphalt und Lärmschutzwände sollen deshalb den Verkehrslärm an der A40 bis zur Hälfte senken. Von einem geräuschlosen Wohngebiet kann im Essener Osten dennoch keine Rede sein. Statt 78 Dezibel müssten die Anwohner künftig "nur" noch 67 Dezibel ertragen, erklärt Hinterlandt. Im Alltagsvergleich heißt das: Altglascontainer ersetzt Rasenmäher. Aus "sehr laut" wird "laut".

Kein befriedigendes Ergebnis für die Lärmschützer der Deutschen Gesellschaft für Akustik (Dega). Höhere Wände und leiser Asphalt reichen ihnen nicht aus. Ob Steuervorteile für lärmmindernde Reifen oder ein Tempolimit von 120 Stundenkilometer auf der Autobahn - die Politik müsse handeln, sagte Dega-Sprecher Michael Jäcker-Cüppers. Dass diese Forderungen per Gesetz umgesetzt werden, erscheine jedoch selbst ihm "nicht sehr realistisch". 

(lnw)
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