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A46 bei Wuppertal
Eine Stadt steht still

Mega-Stau in Wuppertal
Mega-Stau in Wuppertal FOTO: dpa, mb lre
Wuppertal. In Wuppertal geht seit Donnerstag während der Stoßzeiten auf den Straßen nichts mehr. Grund ist die Sperrung der A46 in dieser und der nächsten Woche. Dazu fährt die Bahn nur eingeschränkt. Einzelhändler bangen ums städtische Image. Von Jörg Isringhaus

Kummer sind Wuppertaler gewohnt, wenn sie innerhalb der Stadt mit dem Auto von A nach B wollen - meist wählen sie von sich aus den Umweg über C, weil das schneller geht. Seit gestern ruht in den Stoßzeiten aber auch der Verkehr auf den Umgehungsstrecken, weil die als Umleitung für die Vollsperrung der A 46 ausgeschildert sind. Kaum ein Durchkommen gestern auf der L 418 Richtung A1, die Kreuzung Robert-Daum-Platz hoffnungslos verstopft, lange Staus auf der Nevigeser Straße. In der bergischen Metropole summieren sich derzeit die Verkehrshindernisse: Zur Großbaustelle Döppersberg, die für drei Jahre die Talachse blockiert, kommen in dieser und - je nach Wetterlage - in der nächsten Woche Vollsperrungen der A 46, jeweils in einer Fahrtrichtung von Mittwoch bis Montag. An den beiden Wochenenden ist die Stadt zudem wegen Stellwerksarbeiten weitgehend vom Bahnverkehr abgeschnitten. Folge: Eine Stadt steht still.

"Uns gefällt das auch nicht, aber da müssen wir durch", sagt Ulrike Schmidt-Keßler, Sprecherin der Stadt. "Und hinterher ist es schöner." Zumindest für die Anwohner an der A46. Dort wird auf einem Teilstück zwischen Sonnborn und Elberfeld von Straßen NRW sogenannter Flüsterasphalt verlegt, erst in Fahrtrichtung Dortmund, nächste Woche in Fahrtrichtung Düsseldorf. Möglich ist das nur bei bestimmten Wetterbedingungen. So muss es mindestens zehn, zwölf Grad warm sein, und regnen sollte es auch nicht. "Wir haben daher schon Ende 2012 den Sommer 2015 für die Vollsperrung terminiert", sagt Alois Höltgen von Straßen NRW. Im Juli dieses Jahres habe man sich dann auf den September verständigt. Alle Daten seien Stadt und Bahn mitgeteilt worden.

FOTO: Straßen.NRW/Weber

Von städtischer Seite habe man versucht, die Termine zu entzerren, sagt Schmidt-Keßler. Zwar sei es gelungen, den Kiesbergtunnel als wichtige Umgehungsstrecke aus den Bauprojekten herauszunehmen; mehr sei aber nicht geglückt. So findet am letzten September-Wochenende nun zeitgleich zu den Sperrungen der Vohwinkeler Trödelmarkt statt mit 250.000 Besuchern. "Wir können nicht auf jedes Stadtfest reagieren", sagt Höltgen. Man habe schon den Caravan-Salon in Düsseldorf berücksichtigt. Derartig aufwendige Baustellen müssten aber genau und langfristig geplant werden. Entscheidungen seien immer das Ergebnis von Abwägungsprozessen. Höltgen: "Wenn wir nur nach lokalen Interessen gehen, gibt es gar keine Zeitfenster mehr, in denen wir noch bauen können."

A40: Bauarbeiten behindern den Verkehr FOTO: dpa, mb fg fdt

Für die Wuppertaler heißt das also: Augen zu und durch. Ralf Engel, Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandelsverbands, will sich damit nicht abfinden. Die Sperrung der Talachse sei auch unter der Maßgabe erfolgt, dass die A46 den Verkehr aufnehme, sagt Engel. "Ich weiß nicht, wer hier nicht mit wem redet." Es gebe nicht nur keine städtische Entwicklungsplanung, Wuppertal habe auch unter einem Image-Debakel zu leiden. Der psychologische Effekt der Verkehrsmisere sei doch, das man als Auswärtiger die Stadt meide. Viele Gäste kämen nicht mehr, ein großes Kaufhaus habe im ersten Jahr der Großbaustelle 63.000 Kunden verloren. "Durchschnittlich liegen die Umsatzeinbußen der Einzelhändler bei fünf bis acht Prozent", sagt Engel. "Das ist für kleinere Geschäfte vielleicht ein Jahr lang durchzuhalten."

Zumindest die A46 wird nur tageweise gesperrt. An den Wochenenden setzt die Bahn während der Stellwerkarbeiten Ersatzbusse ein. Die Stadt empfiehlt, für den Flohmarkt am 27. September auf den ÖPNV auszuweichen. Auch Höltgen von Straßen NRW hat einen Rat: "Nicht aufs Navi hören, sondern an die Beschilderungen halten."

Quelle: RP
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