| 18.22 Uhr

Bistum löst altes Rätsel
Ab in die Röhre - Uniklinik Münster untersucht Dom-Kreuz

Bistum löst altes Rätsel: Ab in die Röhre - Uniklinik Münster untersucht Dom-Kreuz
Mit Hilfe eines Computertomographen der Uniklinik hat das Bistum Münster jetzt Gewissheit über das Alter des Triumphkreuzes aus dem Paulus-Dom. FOTO: dpa, sab
Mit Hilfe der Wissenschaft hat das Bistum Münster ein altes Rätsel gelöst. Wie alt ist das größte Kreuz im Paulus-Dom? Jetzt steht fest, es ist vor über 750 Jahren für die Bischofskirche angefertigt worden.

Ab in die Röhre: Mit Hilfe eines Computertomographen der Uniklinik hat das Bistum Münster jetzt Gewissheit über das Alter des Triumphkreuzes aus dem Paulus-Dom. Bisher war nur klar, dass das Hauptkreuz der Bischofskirche aus dem 13. Jahrhundert stammt. Nach Auswertung der Computerbilder durch den Bauforscher und Archäologen Tilo Schöfbeck aus Schwerin steht jetzt fest, dass das Kreuz aus Eichenholz besteht, das zwischen 1220 und 1250 östlich von Münster gewachsen ist. Die Ergebnisse der Forschung stellte das Bistum am Mittwoch vor.

Damit steht jetzt fest, dass das Triumphkreuz erst für den im Jahr 1264 eingeweihten Dom geschaffen wurde. "Für Kunstpfleger ist das eine absolute Sensation", sagte Diözesankonservator Udo Grote bei der Vorstellung des Ergebnisses. "Ob das Kreuz im frühen oder späten 13. Jahrhundert gefertigt wurde, macht einen großen Unterschied aus", sagte Schöfbeck bei der Präsentation seiner Arbeit. Allein die Mode habe innerhalb dieses Jahrhunderts stark gewechselt, meint der Archäologe. "Das ist wie mit Kennedy und Putin - ein großer Unterschied", erklärte der Experte aus Schwerin.

Seine Arbeit begann nach dem Einsatz der Uniklinik Münster. Die Wissenschaftler um den Radiologen Walter Heindel hatten an einem Abend im Januar 2013 innerhalb von fünf Stunden über 25 000 Aufnahmen im Computertomographen (CT) gemacht. Um das sperrige Kreuz vollständig zu erfassen, setzten die Mediziner ein Spezialgerät ein, das während Hirn-Operationen bei der Tumorsuche hilft. Das Kreuz wiegt 300 Kilogramm, ist fast 3,50 Meter lang und 2,60 Meter breit.

Für die anschließende Analyse benötigte Schöfbeck über ein Jahr. Er nutzte die Mehrschichten-Bilder aus dem CT wie einen Fingerabdruck. Er verglich den Aufbau der Jahresringe des Holzes mit Proben aus Datenbanken, die mit Vergleichs-Material aus ganz Deutschland gefüttert wurden.

"Mit der Methode können wir nicht exakt das Jahr bestimmen. Aber eins steht fest: 1207 stand der Baum noch im Wald. Und zwar auf einer Anhöhe östlich von Münster. Wann er dann gefällt und bearbeitet wurde können wir zumindest eingrenzen", sagte der Forscher.

(lnw)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Bistum löst altes Rätsel: Ab in die Röhre - Uniklinik Münster untersucht Dom-Kreuz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.