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Aktuelle Studie
Kinder in NRW bleiben gerne länger im Ganztag

Was Eltern und Lehrer aus NRW zur Ganztagsschule sagen
Was Eltern und Lehrer aus NRW zur Ganztagsschule sagen FOTO: dpa
Meerbusch/Neuss. Der Ganztagsunterricht wird immer beliebter. Einer Studie zufolge nehmen in NRW bereits 44 Prozent der Schüler das Angebot wahr. Die Eltern sind zufrieden. Kritik gibt es aber trotzdem. Von Joris Hielscher und Christian Schwerdtfeger

Wenn um 14.25 Uhr für die meisten Schüler des Meerbuscher Mataré Gymnasiums die Mittagspause beginnt, fängt für Berkan Polat und Veli Bölükbas aus der 8d die Arbeit in der schuleigenen Ausleihe an. Die beiden 13-Jährigen geben in ihrer Freizeitstunde Spiele an Mitschüler aus. "Billard, Karten- und Gesellschaftsspiele sowie Tischtennis. Wir haben viel im Angebot", sagt Berkan. Die beiden Jugendlichen opfern ihre Pause bis zum Nachmittagsunterricht gerne und freiwillig. "Das macht Spaß, und wir tragen mit unserer Aufgabe dazu bei, dass unsere Mitschüler sich nicht langweilen", betont Veli.

Wie das Meerbuscher Gymnasium tun viele Schulen in Nordrhein-Westfalen ihr Möglichstes, das Ganztagsangebot so attraktiv wie möglich für die Schüler zu gestalten – und immer weiter auszubauen. Denn diese Schulform ist so beliebt wie noch nie. Einer am Montag veröffentlichten Bertelsmann-Studie zufolge haben im Schuljahr 2014/2015 44 Prozent der Schüler in NRW ein Ganztagsangebot wahrgenommen.

Im Ländervergleich liegt NRW über dem Bundesdurchschnutt

Davon entfallen 28,5 Prozent auf die gebundene Form und 15,6 Prozent auf den offenen Ganztag. Ein Schuljahr zuvor waren insgesamt 41 Prozent aller NRW-Schüler an einer Ganztagsschule. Davon 26,4 Prozent in der gebundenen Form und 14,6 Prozent in der offenen Variante. Der Anteil an Ganztagsschulen stieg sogar auf 73 Prozent nach 71,7 im Vorjahr an. Im Ländervergleich liegt NRW damit über dem Bundesschnitt von 59,5 Prozent.

Für Thomas Rahm, Vorsitzender der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS), kommt das Ergebnis nicht überraschend. Für ihn ist der Ganztag in der jetzigen Form gar ein absolutes Erfolgsmodell. "Gerade auch für schwierigere Fälle ist diese Art der Betreuung sehr sinnvoll, weil die Schüler je nach Leistungsstand den Unterrichtsstoff vertiefen oder festigen", betont Rahm. Die Zeiten, als die Kinder an den Schulen nachmittags nur verwahrt worden seien, gehörten längst der Vergangenheit an, betont Rahm.

Es gebe vielmehr konstruktive Hausaufgabenhilfe sowie sinnvolle Arbeitsgemeinschaften (AGs). "Ob Kanu, Klettern oder Theater – in den AGs können sich die Kinder ausprobieren", bestätigt Michael Hannig, dessen Tochter Sonja (15) seit sechs Jahren die Gesamtschule An der Erft in Neuss besucht. Wie viele andere Schulen bietet die gebundene Ganztagsschule eine breite Auswahl von Sport-, Musik- und Kunstkursen an.

Viele Schulgebäude nicht für den Ganztag konzipiert

Das bestätigt auch ein Großteil der Eltern, die für die Bertelsmann-Studie befragt worden sind. Demnach sind Eltern von Ganztagsschülern deutlich zufriedener mit dem schulischen Angebot als solche von Kindern mit Halbtagsbetreuung. 66 Prozent der Eltern an Ganztagsschulen bewerteten sogar die individuelle Förderung ihrer Kinder als positiv.

An vielen Schulen bleibt aber weiter ein bekannter, aber nicht schnell zu ändernder Schwachpunkt bestehen: Die meisten Gebäude seien nach wie vor nicht für diese Schulform konzipiert, sagt Thomas Urner, kommissarischer Schulleiter der Heinrich-Pattberg-Realschule in Moers, die seit dem Schuljahr 2010/11 einen gebundenen Ganztag anbietet. "Die Schulen wurden für den Halbtag gebaut. Der Ganztag stellt aber ganz andere Anforderungen an das Gebäude", betont Urner.

Das fange schon bei ganz profanen Dingen wie der Sonneneinwirkung auf Klassenräume an. "Viele der alten Gebäude sind so konzipiert, dass die Räume nur bis mittags im Schatten liegen, nachmittags aber die pralle Sonne abbekommen", betont er. Auch deshalb gebe es bei der Ganztagsschule noch "erheblichen Verbesserungsbedarf", heißt es in der Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die Eltern wünschten sich zudem noch mehr Angebote für die individuelle Förderung, bessere Personalausstattung und einen besseren Informationsfluss zwischen Schule und Eltern.

Quelle: RP
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