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Terror-Prozess in Düsseldorf
Angeklagter gesteht Ausreise zum IS nach Syrien

Terror-Prozess in Düsseldorf: Angeklagter gesteht Ausreise zum IS nach Syrien
Der Angeklagte Muhammed H. und sein Anwalt Mutlu Günal (r.) stehen in einem Gerichtssaal des Hochsicherheitstrakts des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. FOTO: dpa, ve fpt
Düsseldorf. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche IS-Terroristen mit einer umfassenden Aussage eines Syrien-Rückkehrers begonnen. Er habe nur humanitäre Hilfe leisten wollen, beteuerte der Angeklagte.

Ein Syrien-Rückkehrer aus Hagen hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht gestanden, zum Islamischen Staat gereist zu sein. Von dessen Gräueltaten habe er damals aber noch nicht gewusst, sagte der 26-Jährige mutmaßliche IS-Terrorist am Montag. Er habe der leidenden syrischen Bevölkerung helfen wollen. Da die islamistische Hilfsorganisation "Helfen in Not" für ihn keinen Platz gehabt habe, habe er sich dem IS angeschlossen.

Gemeinsam mit dem 21-jährigen Hauptangeklagten sei er im Juni 2014 über die Türkei nach Syrien gelangt. Den Kontakt habe er über die Millatu-Ibrahim-Moschee in Solingen bekommen. Die sei damals in der Szene als Anlaufstelle bekanntgewesen. Zum radikalen Islam sei er über Youtube-Videos von Pierre Vogel und Sven Lau gekommen. Damals habe er diese nicht für eine radikale Splittergruppe gehalten, sondern als "neutral".

Erst nach ein paar Tagen hätten ihm die IS-Verantwortlichen in Syrien mitgeteilt, dass keine Helfer im Krankenhaus benötigt würden und man sie zu Kämpfern ausbilden wolle. "Wir waren wütend darüber. Ich bin nicht dorthin gereist, um jemanden zu erschießen oder mich erschießen zu lassen." Er und der Mitangeklagte hätten es auch abgelehnt, den Treueeid auf den IS-Anführer zu leisten. "Das kam nicht gut an."

Mit der Ausrede, in der Türkei heiraten zu wollen, sei ihnen schließlich die Ausreise gelungen. Inzwischen sei er im Aussteiger-Programm "Wegweiser" und arbeite als Paketzusteller, sagte der 26-Jährige. Seine Einstellung zum IS habe sich sehr gewandelt:
"Das sind für mich Terroristen, Mörder." Er sei dabei gewesen, als sie einem kleinen Jungen eine Waffe in die Hand gedrückt hätten und der sich prompt in den Fuß geschossen habe.

Der Hauptangeklagte schwieg zu den Vorwürfen der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Die Syrien-Rückkehrer aus Hagen und Ennepetal sollen in einem Ausbildungslager des IS gewesen sein.
Verteidiger brachten beim Prozessauftakt eine Besetzungsrüge gegen das Gericht vor.

Beim 21-jährigen Hauptangeklagten aus Ennepetal soll es sich um den Sohn eines radikalen Predigers handeln. Im Juni 2014 war das Duo der Anklage zufolge gemeinsam vom Flughafen Köln/Bonn nach Istanbul aufgebrochen und mit Hilfe von Schleusern nach Syrien gelangt. Der IS habe beide als "Kämpfer" in seinen Reihen registriert, heißt es in der Anklage.

Nach nur einer Woche in einem Ausbildungslager sollen die Männer jedoch den Entschluss gefasst haben, nach Deutschland zurückzukehren.
Im August 2015 soll der Hauptangeklagte sich allerdings dazu entschlossen haben, erneut und diesmal mit seiner Ehefrau in das vom IS kontrollierte Gebiet auszureisen.

Dazu sei es aber nicht gekommen, weil er bereits bei der Passkontrolle am Flughafen von der Polizei vorläufig festgenommen worden sei. Die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft vertritt die Anklage mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Das Gericht hat zunächst Verhandlungstermine bis Februar 2018 angesetzt.

 

(lnw)