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Studiobühne Siegburg
Theater hebt Hausverbot gegen Merkel wieder auf

Siegburg. Sie erteilten der Bundeskanzlerin im Jahr 2013 Hausverbot, weil sie Edward Snowden das Asyl in Deutschland verweigerte. Wegen ihrer Flüchtlingspolitik hebt die Studiobühne Siegburg das Hausverbot jetzt wieder auf. Angela Merkel ist dort jetzt wieder "herzlich willkommen".

Die Intendanten der Studiobühne in Siegburg, René Böttcher und Maike Mielewski, unterstützen die "sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin"  mit einem "Sie schaffen das". Dass ausgerechnet diese Kulturinstitution einmal Merkel unterstützt, überrascht. 

Denn vor drei Jahren erteilte die Studiobühne Siegburg der Bundeskanzlerin Hausverbot. Böttchner und Mielewski schrieben damals: "In unseren Augen haben Sie Ihren Amtseid gebrochen", als Merkel sich weigerte, Edward Snowden in Deutschland Asyl zu bieten. "Wir glauben, dass sie moralisch falsch gehandelt hat", sagt Böttcher. 

Jetzt macht das Theater seine Entscheidung rückgängig. "Der Grund für unsere Entscheidung liegt in Ihrer konsequenten und wichtigen Haltung gegenüber den nach Deutschland und der Europäischen Union fliehenden Menschen", schreiben Böttcher und Mielewski in einem offenen Brief, der unserer Redaktion vorliegt. 

Wiegt Merkels "Wir schaffen das" ihre Haltung gegenüber Snowden auf? Intendant Böttcher sagt: "Darüber haben wir lange nachgedacht. Ja, das wiegt es auf." Denn: "Es ist gerade für jeden wichtig, genau jetzt ein Zeichen zu setzen."

Die Schreie nach Obergrenzen, Stacheldraht und Besinnung auf das Nationale seien für die Briefschreiber Schreie einer überwunden geglaubten Zeit. "Nun benötigen wir die Globalisierung des Mitgefühls." Das Theater zollt der Bundeskanzlerin Respekt, dass sie diese Werte gegen Anfeindungen verteidige. Und falls Merkel noch mehr Probleme in der Union bekomme, "würden wir ihr bei uns auch Asyl anbieten", sagt Böttcher. 

 

(haka)