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Erste Probleme mit Nichtraucherschutzgesetz
Anwohner klagen über Straßen-Raucher

Umfrage: Sollte Rauchen in Biergärten verboten werden?
Umfrage: Sollte Rauchen in Biergärten verboten werden? FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Nachbarn von Kneipen beschweren sich über den Lärm, den rauchende Gäste draußen vor der Tür verursachen. Auch Schützenfeste und Spielhallen haben Probleme mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz. Von Stefan Reinelt, Christoph Schmidt und Christian Spolders

Die Kneipe von Stefan Romberg liegt im Essener Stadtteil Rüttenscheid, umringt von etlichen Reihenhäusern. Seitdem die Raucher auch am späten Abend vor der Tür des "Mittendrinn" rauchen müssen, haben die Anwohner ein Problem mit der Gaststätte. Eine anonyme Absenderin hat dem Wirt nun einen Brief geschickt. In diesem heißt es, dass er nicht allein sei auf der Straße und auf die Lautstärke zu achten habe. "Ihre Kneipe ist Ihr Ort, und draußen leben noch Anwohner, die auch Ruhe brauchen", schreibt die Nachbarin.

Der Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern spitzt sich seit Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes in NRW am 1. Mai weiter zu. Romberg befürchtet, dass es im Sommer noch schlimmer wird. "Dann kommen mehr Gäste, die wegen des guten Wetters noch länger vor der Kneipe rauchen – und dann wird es auch immer lauter", sagt er. Einige Nachbarn müssten früh aufstehen, um zur Arbeit zu fahren, andere würden gerne bei offenem Fenster schlafen. "Ich verstehe, dass sich die Nachbarn ärgern", sagt der Gastronom.

Schützen sollen im Zelt bleiben

Auch die Schützen sind vom neuen Rauchverbot nicht begeistert. Die St.-Aldegundis-Bruderschaft Driesch feiert am Wochenende ihr Schützenfest in Kaarst. Um alle Vorgaben zu erfüllen, hat sich der Vorstand mit der Stadt abgestimmt. "Wir hängen im Zelt Verbotsschilder auf und werden draußen Stehtische und Aschenbecher aufstellen", sagt der Präsident und Brudermeister der Schützen, Matthias Urban. Er befürchtet, dass im Außenbereich eine Zweit-Kirmes entstehen könnte. "Es ist wünschenswert, wenn die Schützen beim offiziellen Programm im Zelt bleiben", sagt Urban. Garantieren kann ihm das aber niemand.

Eine Woche später steht in Korschenbroich "Unges Pengste" an, eines der größten Schützenfeste am Niederrhein. Der Präsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft, Peter Schlösser, hofft auf gutes Wetter, damit die Raucher kein Problem damit haben, erstmals vor dem Schützenzelt zu rauchen. "Wir stellen aber einen überdachten Pavillon auf", sagt er. "Falls es regnen sollte."

In Hilden kämpfen vor allem die Spielhallen mit dem Rauchverbot. Der Leiter des Ordnungsamtes, Michael Siebert, habe bereits eine Reihe von Hinweisen erhalten – und diese beträfen vor allem Spielhallen. "Ich habe den Eindruck, dass die Betreiber genau auf die Einhaltung des Rauchverbots achten und Mitbewerber, die sich nicht daran halten, anschwärzen", meint Siebert. "Wir haben aber auch Anrufe von außerhalb erhalten." Spielhallen-Betreiber werden bei Verstößen härter bestraft als Gastwirte. Sie müssen statt 200 Euro gleich 500 Euro Bußgeld zahlen.

Der Ärger um das Rauchverbot geht so weit, dass im Internet Schilder auftauchen, die vermeintlich von Gastwirten diverser Biergärten entworfen worden sind. Auf den Plakaten werden Nichtraucher um Verständnis gebeten, dass die Plätze in der Sonne für Raucher vorgesehen sind – Nichtraucher sollen trotz des guten Wetters drinnen sitzen. Schließlich haben sie "jahrelang für rauchfreie Räume gekämpft. Bitte nutzen Sie diese dann auch".

Rauchverbot erhitzt Gemüter

Der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein, Thorsten Hellwig, bezweifelt die Echtheit dieser Schilder. "Sie sind mit einem Augenzwinkern zu sehen", sagt er. Kein Wirt würde Kunden mit einer solchen Ansage verprellen wollen – es würde aber zeigen, wie sehr das neue Rauchverbot die Gemüter der Menschen erhitzt. Fest steht für ihn, dass immer mehr Gaststätten eine Außen-Gastronomie anbieten werden. "Die Attraktivität dieses Angebots wird steigen", kündigt Hellwig an. Schwer würden es Lokale haben, die weder einen Innenhof noch Platz auf einem Bürgersteig hätten.

Stefan Romberg bestätigt das. "Unser Biergarten ist rappelvoll", sagt er. Seinen Nachbarn hatte er bereits vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes wegen des ansteigenden Lärmpegels um Nachsicht gebeten. "Auch wir müssen lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen." Ob das Rauchverbot eines Tages von allen in NRW akzeptiert wird? "Zwangsläufig", sagt er.

(RP/anch/csi)
 
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