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Siegburg/Essen
Rekord-Taucher wollen 400 Meter durch die Ruhr kommen

Das sind die spektakulärsten Tauchregionen
Das sind die spektakulärsten Tauchregionen FOTO: dpa, zeh
Siegburg/Essen. Taucher ohne Sauerstoffgeräte wollen bei einem Wettkampf in der Ruhr am Samstag in Essen neue Rekorde aufstellen. Der beste Sportler könnte womöglich die 400-Meter-Marke knacken.

Es fühlt sich an wie Joint-Rauchen, sagen die einen. Andere berichten von magischen Begegnungen mit Meeresschildkröten und Delfinen. Nicht erst seit dem 80er-Jahre Spielfilm "Im Rausch der Tiefe" mit Jean Reno geht vom Tauchen ohne Sauerstoffflasche eine fesselnde Wirkung aus. Für Tauchlehrer Werner Giove bedeutet es vor allem eins: Absolut frei zu sein.Am Samstag will er zusammen mit anderen Freitauchern in Essen mehrere Weltrekorde in der Ruhr aufstellen.

Mit einem einzigen Atemzug gleiten die Apnoe-Taucher ins Wasser und versuchen, allein durch ihre Atemluft so tief oder so weit wie möglich zu kommen. In der Tauchersprache wird die Zeit bis zum nächsten Atemzug als Apnoe bezeichnet.

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Im Siegburger Tauchcenter bereitet Giove die Gruppe auf das kommende Wochenende vor. Beim Wettkampf in der Ruhr geht es um die Frage: Wer kommt in der natürlichen  Strömung unter Wasser - mit und ohne Flossen - am Weitesten? "Ein Rekordrichter ist nicht dabei. Der Spaß steht im Vordergrund", sagt Initiator Giove. "Wir haben die stille Hoffnung, dass es regnet, um noch schneller voranzukommen." Den Tauchern geht es nur um die eigenen Bestleistungen - nicht um einen Eintrag in die offiziellen Rekordlisten des Freitauchverbandes Aida.

Große Hoffnungen setzt Giove auf einen jungen Taucher aus Berlin, der bei starker Strömung die 400-Meter-Marke knacken könnte. Aber auch Ältere gehen das Wagnis ein. "Schon in der Kindheit hat man mich mehr unter Wasser als über Wasser gefunden", sagt die 70-jährige Hannelore Becker beim Training in Siegburg. Es habe sie schon immer fasziniert, was unter den Wellen sei. "Die Fische kommen ganz nah. Sie haben das Gebubbel von den Tauchflaschen nicht." Sagt's, steigt ins Wasser, für einige Momente ruht sie ausgestreckt auf der Oberfläche. Dann nimmt sie einen gierigen Atemzug. Es patscht, es blubbert. Die Flossenspitzen verschwinden unter der Wasseroberfläche des 20 Meter tiefen Tauchturms. Hannelore ist dann mal weg.

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Eigentlich ist das Meer das angestammte Revier von Freitauchern. Sie tragen nur Maske, Schnorchel, Neoprenanzug, Flossen, mitunter auch Bleigürtel. Sauerstoffflaschen lassen sie stehen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können Apnoe-Taucher durch spezielle Atemübungen die mögliche Luftmenge in der Lunge verdoppeln, indem sie ihr Atemorgan mit Schluckbewegungen luftballonartig aufblähen.

Freitauchen gilt als älteste Form des Tauchens überhaupt. Studien zufolge gab es Schwamm- und Perlentaucher vor den Küsten Griechenlands bereits vor 2500 Jahren. Noch heute verdienen einige Menschen in Korea, Japan und auf Südsee-Inseln ihren Lebensunterhalt mit den riskanten Tauchgängen. Bis zu 20 Meter tief und zwischen 150 und 250 Mal täglich tauchen sie ab, auf der Suche nach kostbarem Gut am Meeresgrund.

Aus der Urform entstand ein Extremsport: Der Österreicher Herbert Nitsch drang mit Hilfe eines Schlittens an einem Seil, der den Taucher in die Tiefe zieht, auf 214 Meter vor. Über Rekorde in acht verschiedenen Disziplinen führt der Verband Aida Buch. Einen davon brach die Russin Natalia Molchanova zuletzt im Mai: An einem Führungsseil hangelte sie sich aus eigener Kraft ohne Flossen auf eine Tiefe von 71 Meter vor.

So spektakulär, so gefährlich ist diese Art des Tauchens, warnen Wissenschaftler. Die hohen Druckunterschiede beim Auf- und Abtauchen können dazu führen, dass sich Gasblasen im Blut bilden, erklärt Uwe Hoffmann von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Lähmungen und eine Art Schlaganfall seien möglich. Wird das Gehirn zu wenig mit Sauerstoff versorgt droht eine plötzliche Ohnmacht.

Auch die Schluckbewegung - die zusätzliche Luft in die Lunge presst - hält Hoffmann für problematisch, da sich das Organ überdehnen könne. Hannelore Becker lässt sich von all dem nicht abschrecken. "Ich bin im Training auf stolze 53 Meter gekommen. Das möchte ich wenigstens schaffen. Unter Fünfzig möchte ich nicht auftauchen."

(lnw)
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