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Angst vor Atomreaktor Tihange 2
Gebt der Vernunft doch eine Chance!

Atomreaktor Tihange 2: Gebt der Vernunft doch eine Chance!
Das Atomkraftwerk in Tihange soll noch bis zum Jahr 2015 Strom liefern. FOTO: dpa, jw ase lus
Meinung | Düsseldorf. Sobald das Wort Atomreaktor fällt, ist sie da: die reflexhafte Angst vor tödlicher Strahlung und vor einem Unfall wie in Tschernobyl und Fukushima samt deren Folgen. Manche reden sich dabei schon in Panik und sehen apokalyptische Landschaften vor Augen. Mitten in Europa. So wie jetzt in Aachen, nachdem der belgische Energiekonzern Electrabel entschieden hat, die beiden Druckwasserreaktoren Tihange 2 und Doel 3 wieder hochzufahren. Von Ludwig Jovanovic

Angst aber ist der schlechteste Ratgeber, zumal sie unterstellt, dass in Belgien nur Wahnsinnige sitzen, die eine nukleare Katastrophe in Kauf nehmen. Da hilft es auch nicht, wenn in Aachen ein Krisenstab darüber nachdenkt, Jod-Tabletten zu verteilen. Oder dass sich der NRW-Wirtschaftsminister öffentlichkeitswirksam empört und die Ängste noch befeuert.

Auch in Belgien leben Menschen und Familien. Und die Verantwortlichen dort werden nicht sehenden Auges ein atomares Desaster heraufbeschwören, das zudem noch unwahrscheinlich ist. Haarrisse im Druckbehälter bedeuten nicht automatisch, dass die Reaktoren in die Luft fliegen. Es gibt mehrere Sicherheitsstufen, die das verhindern.

Wer jetzt Tschernobyl und Fukushima ruft, betreibt Panikmache ohne Sachkenntnis. In der Ukraine handelte es sich um eine besondere Bauart, die nicht mit Belgien vergleichbar ist. In Japan kamen ein Erdbeben und ein Tsunami hinzu. Das ist in Belgien eher unwahrscheinlich. Wer Fakten verdreht, sich nur das herauspickt, was in sein Weltbild passt, um Angst zu schüren, handelt tatsächlich unverantwortlich.

Ist es also richtig, die Reaktoren einzuschalten? Nein! So lange nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, woher die Haarrisse stammen und ob es sich um Materialermüdung aufgrund der Strahlung handelt, sollten sie nicht ans Netz gehen. Nicht aus Angst, sondern um Klarheit zu gewinnen – und um Vertrauen aufzubauen.

Damit die Vernunft eine Chance hat und nicht die Panik.

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