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NRW
Aufschub für Notfallpraxen

Düsseldorf. Auf einer Versammlung lehnte die Ärztekammer am Wochenende die Notfalldienstreform der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein ab. Von Jessica Kuschnik

Die Diskussion um die Zukunft der Notfallpraxen hat am Wochenende wieder Fahrt aufgenommen. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein am 11. Februar beschlossen hatte, dass es bis Ende 2016 nur noch 41 der bislang 84 Notfallpraxen geben soll, hat sich die Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf gegen die Reform ausgesprochen. "Gewachsene Strukturen der Notfallversorgung im Kammerbereich Nordrhein, die sich bewährt haben und funktionieren, müssen erhalten bleiben", heißt es in dem Beschluss. Die sogenannte Notfalldienstreform müsse "Lösungen für die Regionen finden, in denen die Versorgung nicht ausreichend gewährleistet ist, ohne dabei funktionierende Strukturen zu belasten".

Seit Wochen laufen Ärzte, Bürger, Sozialverbände und Politik Sturm gegen die Pläne der KV Nordrhein. Die plant zudem die Begrenzung der Öffnungszeiten, um Kosten zu reduzieren. Welche Notfallpraxen von den Schließungen betroffen sein könnten, stehe noch nicht fest. Treffen könnte es aber Einrichtungen in Dormagen, im Kreis Heinsberg, in Ratingen und in Langenfeld. Den Beschluss vom Wochenende wertet Horst Schumacher, Sprecher der Ärztekammer Nordrhein, als Zeichen dafür, dass es noch eine Menge Gesprächsbedarf gibt. "Was das aber für den zeitlichen Ablauf der Pläne bedeutet, ist ungewiss", fügte er hinzu. Angela Diehl, Fraktionsvorsitzende der Bürger-Union Ratingen, wertet den Beschluss als "Etappensieg": "Wir sind überzeugt davon, dass der Protest seine Wirkung bei den Kammermitgliedern hinterlassen und dazu beigetragen hat, dass der für Ratingen vorerst positive Beschluss zum Erhalt der Notfallpraxen gefasst wurde." Norbert Sijben, Sprecher des Praxisnetzes Dormagen, wertet die Entscheidung als Hoffnungsschimmer. "Es ist erfreulich, dass es jetzt zumindest erst einmal eine Denkpause gibt." Letztendlich liegt die Entscheidung bei der KV Nordrhein.

In einem weiteren Antrag betonen die Delegierten, dass eine Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes seitens der Ärztekammer nicht mitgetragen werden könne. Gleichzeitig boten sie an, eine umfassende, zukunftsfähige Organisationsreform mitzuentwickeln. Die niedergelassenen Ärzte erwarteten dabei eine effiziente Organisation des Notdienstes und eine leistungsgerechte Honorierung.

Letzteres sei ein wichtiger Knackpunkt in der Diskussion um die Zukunft der Notfallpraxen, sagt Hans-Peter Meuser, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Nordrheinischer Notfallpraxen. Denn ab dem 1. April sollen die ärztlichen Honorare für ambulante Notfallbehandlungen nach der Kassen-Gebührenordnung um bis zu 50 Prozent sinken, erklärt Meurer. "Die niedergelassenen Ärzte vor Ort würden die Notfallpraxen nach Möglichkeit gerne erhalten, doch mit der Herabsetzung der Vergütung können diese auf Dauer nicht kostendeckend betrieben werden."

Eine ortsnahe Versorgung der Patienten sei wichtig, doch die Ärzte könnten kurze Wege nicht mit ihrem Honorar bezahlen. Jetzt müsse die Politik Druck machen auf die KV Nordrhein, so die Ärztekammer Nordrhein. Denn sollten sich die Ärzte die Notfallpraxen irgendwann nicht mehr leisten können, drohe eine Kehrtwende: "Dann wären vielleicht einige von ihnen ebenfalls für Schließungen", warnt Meuser.

Quelle: RP
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