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Verkehr in NRW
Das Land der Baustellen

Autobahnen in NRW: Das Land der Baustellen
FOTO: Martin Ferl
Gelsenkirchen. Viele NRW-Autobahnen sind überlastet und müssen saniert oder verbreitert werden. Aber dank des bislang milden Winters liegen viele Baustellen vor dem Plan. Von Christian Schwerdtfeger und Jörg Taron

Marode Brücken und überlastete Autobahnen: Autofahrer müssen sich in Nordrhein-Westfalen auch in diesem Jahr auf viele Behinderungen durch Fahrbahnsanierungen einstellen. "Nach der Baustelle ist vor der Baustelle", fasst Ingrid Scholz vom Landesbetrieb Straßen.NRW die Situation zusammen. Allerdings gibt es auch gleich mehrere gute Nachrichten: Viele Autobahn-Baustellen werden aufgrund des bislang milden Winters möglicherweise schneller fertig als geplant. "Wir konnten bis kurz vor Weihnachten fast überall durcharbeiten", sagte Mario Korte, Baustellenkoordinator von Straßen NRW. So wurden wegen der milden Temperaturen zum Beispiel Arbeiten am Autobahnkreuz Kaarst schon drei Wochen früher fertig als geplant.

Die zweite gute Nachricht aber ist laut Scholz, dass der Bund die Bedeutung der NRW-Autobahnen als Transitstrecken erkannt hat und mehr Geld für die Instandhaltung bereitstellt. In den vergangenen Jahren hatte der Landesbetrieb durchschnittlich eine Milliarde Euro für das Straßennetz zur Verfügung gestellt. "Ab 2016 sind es etwa 1,25 Milliarden", sagt Scholz.

Das sind die Autobahnbaustellen in NRW FOTO: Martin Ferl

Doch deutlich mehr Baustellen wird es dadurch nicht geben. Denn mit dem zusätzlichen Geld müssen vor allem teure Brückensanierungen in Angriff genommen werden. Die Erneuerung der Rheinbrücke bei Leverkusen allein wird rund eine halbe Milliarde Euro verschlingen. Und auf der Sauerlandlinie zwischen Hagen und der hessischen Landesgrenze müssen in den kommenden Jahren sämtliche 38 Großbrücken saniert oder neu gebaut werden. "Das ist ein großer Brocken", sagt Korte. "Die Sauerlandlinie wird wohl auf lange Sicht nie ohne Baustellen sein", sagt Scholz.

150 Baustellen pro Jahr

Rund 2200 Autobahnstreckenkilometer gibt es in NRW. Pro Jahr wird - abgesehen von einer Vielzahl an Tagesbaustellen - an 150 Stellen gebaut. Korte schätzt, dass das rund 750 Streckenkilometer betrifft. Noch mehr bauen - das sei schon aus logistischen Gründen nicht möglich, sagt der Baustellen-Manager. Denn der Verkehr müsse ja irgendwie noch rollen können. "Wir fahren ja schon seit Jahren ein sehr hohes Programm."

Während im Ruhrgebiet bei einer größeren Autobahn-Baustelle Ausweichstrecken vorhanden seien, stelle die Sanierung der Brücken an der Sauerland-Linie die Planer vor große Herausforderungen. "Da gibt es ja keine anderen Autobahnen und insbesondere der Schwerlast-Verkehr aus dem Sauerland muss ja weiter fahren können", sagt Ingrid Scholz.

Die größten Behinderungen dürfte es 2016 weiterhin auf dem Kölner Ring und rund um die Leverkusener Rheinbrücke geben. "Da haben wir bis zu 120.000 Fahrzeuge täglich, Tendenz steigend", sagt Korte. Bis 2030 rechnet der Bund mit bis zu 150.000 Fahrzeugen pro Tag. Deshalb müsse die Strecke auf acht Fahrstreifen aufgestockt werden. "Der Verkehr nimmt weiter zu. Vor allem der Schwerverkehr, aber auch der Pkw-Verkehr", sagt Korte. Die Großbaustelle am Dreieck Bochum auf der A 40 zwischen Essen und Bochum soll im Frühjahr 2016 größtenteils fertig sein. "Da müssen noch Lärmschutzwände errichtet werden", sagt Korte. Dafür kündigt er Behinderungen durch den sechsstreifigen Ausbau der A 43 im Bereich Recklinghausen/Herne an.

Organisatorisch sei der Landesbetrieb gut für die anstehenden Aufgaben gerüstet, sagt Scholz. "Wir haben mehr Geld und mehr Leute. 2015 sind 100 neue Ingenieure eingestellt worden." Insgesamt hat der Landesbetrieb 5800 Beschäftigte - vom Bauingenieur bis zum Straßenwärter.

(RP/dpa)
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