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Trotz vieler Bewerber
NRW-Firmen suchen verzweifelt nach Auszubildenden

Azubis: NRW-Firmen suchen verzweifelt nach Auszubildenen
Schüler schrauben an einem Verbrennungsmotor (Symbolbild). FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Beginn des neuen Ausbildungsjahres steht kurz bevor. In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr Bewerber für Lehrstellen als freie Plätze. Trotzdem haben einige Unternehmen Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.  Von Clemens Draxler

In zwei Wochen startet in vielen Unternehmen ein neues Ausbildungsjahr. In Nordrhein-Westfalen gibt es mit 45.500 Jugendlichen zwar mehr Bewerber als Lehrstellen, in vielen Regionen haben Firmen jedoch Probleme ihre verfügbaren Plätze zu besetzen. "Mit Stand heute ist abzusehen, dass in diesem Ausbildungsjahr erneut viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben", sagt Sophia Tiemann von der Industrie- und Handelskammer. Besonders in den Städten Düsseldorf, Köln und Münster und in deren Umgebungen gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber.

Jedes Jahr schwieriger

Viele Firmen bleiben über Monate bei der Suche nach Auszubildenden erfolglos. "Wir hatten 25 Bewerber. Diejenigen, denen wir dann ein Vertragsangebot gemacht haben, sind wieder abgesprungen, weil sie eine andere spannende Stelle gefunden haben", sagt Dipl.-Ing. Anwar El Younoussi, Niederlassungsleiter von Salt and Pepper in Ratingen. Das Technologieunternehmen ist seit dreieinhalb Monaten auf der Suche nach einem Interessenten für eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement.

Auch El Younoussi beobachtet das Phänomen: "Die junge Generation weiß, dass man in gewisse Gehaltsklassen und Karrierebereiche nur kommen kann, wenn man studiert oder diverse Vorbildungen hat." Deswegen hofft das Unternehmen, Auszubildende mit Fortbildungen oder der Möglichkeit eines dualen Studiums anlocken zu können. 

Ein ähnliches Problem hat das Sanitätshaus Brockers. Das Unternehmen für Gesundheitsprodukte hat erst vier der sechs Ausbildungsstellen zum Kaufmann im Einzelhandel besetzt. "Branchenfremde Unternehmen wie Lidl oder Telekom sind die größte Konkurrenz bei Arbeitskräften. Diese Firmen können sich online stark präsentieren", beklagt der Geschäftsleiter für Mitarbeitersuchende Frank Zirkel.

Viele junge Menschen seien über den Beruf im Sanitätsfachhandel nicht ausreichend informiert und fänden ihn daher auch nicht attraktiv, so Zirkel: "Viele Jugendliche glauben, dass sie bei einem großen Arbeitgeber besser bedient wären."  Auch das Werben mit einem sicheren Arbeitsplatz, Vergütung während der Ausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter habe noch nicht zur gewünschten Anzahl an Bewerbern geführt.

Sonderfall: Ruhrgebiet

Vor allem technische und handwerkliche Lehrberufe und Berufe in der Dienstleistungsbranche plagen Nachwuchssorgen. "Auszubildende fehlen in nahezu allen Berufen, insbesondere im Bereich Sanitär, Heizung und Klima. Aber auch in den Elektro-, Bau-, Maler-, Friseur- und Lebensmittelhandwerken", sagt Andreas Oehme, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkkammertages.

In den ländlichen Regionen und im Ruhrgebiet sehen die Zahlen hingegen anders aus. In Oberhausen gibt es aktuell 922 Bewerber und nur 423 Lehrstellen. Oft mangelt es den Bewerbern aber an Flexibilität bei  Arbeitsort und Berufswahl, um die mangelnden Interessenten in anderen Regionen auszugleichen.
Noch ist die Bewerbungsphase nicht vorbei. Eine Vielzahl von Ausbildungsverträgen wird noch bis Mitte Oktober abgeschlossen.

Mit Material von dpa.

 
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