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Toter Schüler in Bad Godesberg
Mutter von Niklas P. sitzt in türkischem Gefängnis

Bad Godesberg: Mutter von Niklas P. sitzt in Gefängnis in der Türkei
Denise P. erlebte am 3. Mai 2017 den Freispruch des Hauptangeklagten Walid S. Sie erschien mit ihrem Anwalt Thomas Düber im Bonner Landgericht (Archiv). FOTO: dpa
Düsseldorf/Bonn. Im Mai 2016 starb der Schüler Niklas P. in Bad Godesberg an den Folgen einer Prügelattacke. Vor allem seiner Mutter verlangte der nachfolgende Prozess vieles ab. Nun sitzt sie selbst in der Türkei in Untersuchungshaft. 

Es ist ein halbes Jahr her, seit der Freispruch für Walid S. rechtskräftig wurde: Der 21-Jährige war vor dem Bonner Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, er stand im Verdacht, den damals 17-jährigen Niklas P. am 7. Mai 2016 so gegen die Schläfe geschlagen zu haben, dass dieser später starb. Doch die Richter waren sich am Ende nicht sicher, ob Walid S. wirklich derjenige war, der zugeschlagen hatte. 

Der Fall stand damals symptomatisch für das Kriminalitätsproblem des ehemaligen Bonner Diplomatenviertels, die Anteilnahme war groß, die Forderungen nach mehr Sicherheit für die Bürger laut. Viele zeigten vor allem Mitgefühl für Niklas' Mutter, Denise P.. Sie musste am Ende miterleben, dass niemand für die Tat, die ihren Sohn das Leben kostete, zur Rechenschaft gezogen wird.

Um sich von all dem zu erholen, flog sie im Juli in die Türkei. Doch von dort ist sie bisher nicht zurückgekehrt. Sie sitzt in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen, eine Handtasche mit zwei Handys gestohlen zu haben. Der Express hatte als erstes über den Fall berichtet.  

Denise P. spricht von Verwechslung

Der Godesberger Pfarrer Wolfgang Picken bestätigt den Vorfall auf Anfrage. Er begleitet Denise P. seit dem Tod ihres Sohnes als Seelsorger und hat auch schon während des Prozesses Presseanfragen zu Denise P. beantwortet. Sie sei am 15. Juli mit ihrem Lebenspartner verhaftet und in ein Gefängnis bei Antalya gebracht worden. 

Ihr werde der Diebstahl eines Handgepäckstücks vorgeworfen. "Nach Schilderungen von Frau P. handelt es sich bei dem Vorfall um eine Verwechselung", sagt Picken. Sie habe aus Versehen nach dem Auschecken in der Hotellobby eine Gürteltasche an sich genommen, die von derselben Marke wie ihre eigene Tasche gewesen sei. Als sie die Verwechslung festgestellt habe, sei es schon zu spät gewesen. Die Polizei habe den Bus zum Flughafen angehalten. In der Tasche sollen sich zwei Handys des eigentlichen Besitzers befunden haben. 

"Dass sich Frau P. wegen einer Verwechslung in Untersuchungshaft befindet, ist eine Tragödie", sagt Picken. "Ich frage mich auch, wie es möglich ist, dass ausgerechnet diese durch den Tod ihres Sohnes so hart getroffene Frau einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen muss." 

Seit neun Wochen in Untersuchungshaft

Seit neun Wochen sitze sie nun in Untersuchungshaft. "Der türkische Anwalt von Frau P. hat bisher vergeblich versucht, unter Hinweis auf die besondere Situation eine Beschleunigung des Verfahrens zu erreichen."

In der Türkei seien derzeit Gerichtsferien. In den nächsten Tagen soll der Haftantrag erneut geprüft werden. Picken sagt weiter, die Verhaftung habe keine politischen Gründe. Auch die Behandlung durch das Gefängnispersonal sei nicht zu beanstanden. 

Nach Recherchen unserer Redaktion ist dem Auswärtigen Amt der Fall bekannt. Das deutsche Konsulat ist informiert und betreut P. und ihren Lebensgefährten. Einmal in der Woche kann sie mit ihrer Familie telefonieren. "Es ist erstaunlich, mit wie viel Tapferkeit und Kraft Frau P. auch dieser Situation begegnet." 

(heif)
 
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