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Nichtschwimmer in NRW
Bademeister retten täglich Flüchtlinge vor dem Ertrinken

Bademeister Hassanabadi rettet Flüchtlinge vor dem Ertrinken
Bademeister Hassanabadi rettet Flüchtlinge vor dem Ertrinken FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf. Für viele Bademeister ist es Alltag, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Die meisten sind Nichtschwimmer, springen aber trotzdem ins Wasser. Ein alarmierendes Problem, gerade im Hinblick auf die kommende Freibad-Saison. Sexuelle Übergriffe kämen hingegen kaum vor. Von Christian Schwerdtfeger

An der großen Wasserrutsche im Oberhausener Aquabad herrscht immer der größte Andrang. Kinder, Männer und Frauen stehen dort meist in langen Warteschlangen an, um sich auf einem gelben Gummireifen sitzend die Wasserröhre hinunterstürzen zu können. Vor Kurzem sollen in dem Bereich des Bades drei Mädchen zwischen elf und 14 Jahren von drei Zuwanderern unsittlich berührt worden sein. Die mutmaßlichen Täter, drei Männer im Alter von 18 bis 21, konnten noch in der Umkleidekabine von der Polizei festgenommen werden. Die Mädchen gaben an, begrapscht worden zu sein.

Der Fall hat der Debatte um von Flüchtlingen ausgehende sexuelle Belästigung und Gewalt in Schwimmbädern neue Nahrung gegeben. Kritiker sehen sich dadurch in ihrer Meinung bestätigt, dass diese Delikte in den Schwimmbädern immer weiter zunehmen. Doch dem sei nicht so, entgegnet die Deutsche Gesellschaft für Badewesen. "Es hat bundesweit vielleicht etwas mehr als eine Handvoll dieser heftigen Vorfälle gegeben", sagt Verbandssprecher Joachim Heuser. "Sexuelle Übergriffe in den Bädern hat es immer schon gegeben. Sie gehen genauso auch von Deutschen aus." Bei 99 Prozent der Beschwerden handele es sich um Missverständnisse. So sei etwa ein Mann versehentlich in die Frauendusche gegangen. In einem anderen Fall fühlte sich eine Frau von den Blicken eines Jugendlichen aus Syrien belästigt. "Solche Sachen sind es in der Regel, die passieren", sagt Heuser.

Viele Flüchtlinge können nicht schwimmen

Die Flüchtlinge bereiten den Bademeistern in anderer Hinsicht Sorgen. Die meisten Zuwanderer können nicht schwimmen und springen trotzdem ins Wasser. "Es ist mittlerweile an der Tagesordnung, dass ein Aufseher in seiner Schicht nur damit beschäftigt ist, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten", so Heuser. "Diese Nichtschwimmer gehen einfach ins Schwimmerbecken, ohne sich dessen bewusst zu sein."

Comic illustriert Baderegeln für Flüchtlinge FOTO: Stadtwerke München

In Essen erregte ein Fall bundesweites Aufsehen, weil ein Schwimmmeister drei Zuwanderer gleichzeitig im letzten Moment aus dem Wasser ziehen konnte. Lebensretter Hamed Hassanabadi handelte geistesgegenwärtig. "Ich sprang kopfüber ins Wasser, als ich plötzlich sah, wie sie verzweifelt mit ihren Armen und Beinen umherschlugen und -traten", berichtet Hassanabadi von seiner Heldentat, die er aber nicht als solche verstanden wissen will. "Ich habe nur meinen Job gemacht. Das hätte jeder an meiner Stelle getan."

Sorge wegen bevorstehender Freibadsaison

Die Verantwortlichen der Schwimmbäder blicken wegen der vielen Nichtschwimmer unter den Flüchtlingen mit Sorge auf die bevorstehende Freibadsaison, wenn Flüchtlinge, die nicht schwimmen können, eine Abkühlung suchen. Hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen der Bäder in NRW bereits an Maßnahmen, die sie treffen können, damit es nicht zu dem befürchteten Anstieg an Badetoten kommen wird. "Die Sicherheit aller Badegäste im Sommer zu gewährleisten, wird eine extrem schwierige Aufgabe", sagt der Essener Bäderchef Georg Schwiderski.

Auch Rettungsschwimmer der DLRG arbeiten an umfangreichen Aufklärungskampagnen. Denn sie befürchten, dass Flüchtlinge auch in unbewachte Baggerseen und Flüsse springen werden. Schon im vergangenen Jahr waren die Hälfte aller Badetoten in NRW Asylsuchende. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der im Land lebenden Flüchtlinge jedoch noch einmal dramatisch erhöht, weshalb Experten befürchten, dass es in diesem Jahr so viele Badetote geben könnte wie nie zuvor. "Sie unterschätzen einfach die Risiken der hiesigen Gewässer. Wenn sich an dieser Haltung nicht grundlegend etwas ändert, kann es ein trauriger Sommer werden", so ein Rettungsschwimmer der DLRG.

Infoblatt in mehreren Sprachen 

Mit Zeichnungen und mehrsprachigen Regeln warnen bereits viele Schwimmbäder in Deutschland die Flüchtlinge vor den Gefahren des Wassers. Sie weisen darin unter anderem auf unterschiedliche Wassertiefen hin. Es geht in dem Flyer aber auch um interkulturelle Themen. Das Infoblatt, das auch von der Deutschen Gesellschaft für Bäder vertrieben wird, ist unlängst um den Aspekt sexuelle Belästigung ergänzt worden. Jetzt heißt es darin: "Sexuelle Belästigungen, zum Beispiel durch anzügliche Gesten, Äußerungen und körperliche Annäherungen sowie unerwünschte Berührungen sind nicht erlaubt."

Quelle: RP
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