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Flüchtling in Duisburg ertrunken
Wie verhält man sich bei Badeunfällen richtig?

Flüchtling stirbt nach Badeunfall im Wolfssee in Duisburg
Flüchtling stirbt nach Badeunfall im Wolfssee in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf/Duisburg. Drei Badetote in NRW in den vergangenen zwei Tagen, vier seit vergangener Woche – wenn Menschen im Wasser in Not geraten, geht es um Sekunden. Deswegen ist es wichtig zu wissen, wie man sich am besten verhält, wenn man einen Badeunfall beobachtet. Die DLRG gibt Tipps.  Von Franziska Hein

Seen und Flüsse sind die gefährlichsten Gewässer, wenn man nach der Ertrinkungsstatistik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) geht. Im vergangenen Jahr ertranken nach Angaben der DLRG 70 Menschen in NRW, 49 waren es im Jahr davor. Für die laufende Badesaison liegen noch keine aktuellen Zahlen vor, teilte der Landesverband Nordrhein auf Anfrage unserer Redaktion mit. Einen Trend könne man aus den Zahlen der vergangenen Jahre jedoch nicht ableiten, erklärt Michael Grohe, Sprecher der DLRG Nordrhein. "Das ist immer wetterabhängig, je besser das Wetter, desto mehr Leute gehen schwimmen und umso mehr Unfälle passieren." 

Allein seit Mittwochnachmittag sind drei Menschen in der Region ertrunken. In Haltern am See ertrank ein 23-Jähriger, in Duisburg-Wanheim konnte ein 82-Jähriger Düsseldorfer nur noch tot aus dem Rhein gezogen werden. Ebenfalls in Duisburg am Wolfssee starb ein 24-jähriger Flüchtling aus dem Iran, nachdem drei Feuerwehrtaucher ihn eine Stunde lang unter Wasser gesucht hatten. "Ertrinken ist im Gegensatz zu dem, was wir in Filmen sehen, ein stiller Vorgang", sagt Grohe. "Gerade wenn jemand aus Erschöpfung keine Kraft mehr hat, um sich zu schlagen und um Hilfe zu schreien, kann es sein, dass er einfach absinkt." Dann sei es schwierig, für Rettungskräfte überhaupt die richtige Stelle zu finden, um mit einer Suche zu beginnen. Oftmals schätzen Personen am Ufer die Entfernungen schlecht ein. Und im See seien die Sichtverhältnisse für Taucher sehr schlecht. "Da haben sie nicht 25 Meter Sicht auf blau gekachelte Wand, sondern fünf bis sechs Meter Sichtweite, wenn überhaupt", erklärt der DLRG-Sprecher. "Es kann passieren, dass Sie einen Meter neben einem Unfallopfer vorbei schwimmen, und es nicht merken." 

Umso wichtiger ist es, dass Badegäste, die den Vorfall beobachten, wissen, wie sie sich am besten verhalten. Denn schon nach drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung kann es Schäden im Gehirn geben. Bei Wasserunfällen zählt daher jede Sekunde. Michael Grohe rät Folgendes: 

  1. Notruf absetzen: Beobachter sollten direkt die 112 wählen und dem Diensthabenden der Leitstelle eine möglichst genaue Beschreibung des Vorfalls und des Ortes geben. Dieser gibt dann weitere Anweisungen, etwa an der Straße auf den Rettungsdienst zu warten oder am Ufer zu bleiben. 
  2. Andere auf den Unfall aufmerksam machen: "Allein kann niemand etwas ausrichten", sagt Grohe. Er rät den Beobachtern, andere Badegäste auf die Situation aufmerksam zu machen. Vielleicht befinden sich Rettungsschwimmer in der Nähe, die Erste Hilfe leisten können. 
  3. Sich selbst nicht in Gefahr bringen: Wer keinen Rettungsschwimmerschein hat, also in der Regel die Mehrheit der Badenden, soll nicht einfach ins Wasser gehen und versuchen, den Ertrinkenden zu retten. "Die Situation ist meistens nicht übersichtlich: Man weiß nicht, warum derjenige in Not geraten ist, ist es Erschöpfung, gibt es eine Strömung oder ein Hindernis unter Wasser? Unerfahrene sollten sich selbst nie in Gefahr bringen. Eher kann man nach einem Gegenstand suchen, den man dem Betroffenen zum Festhalten zuwerfen kann. 
  4. Den Ertrinkenden auf sich aufmerksam machen: "Manchmal kann es schon helfen, denjenigen, der in Not geraten ist, auf sich aufmerksam zu machen", sagt Grohe. Viele verlieren einfach die Orientierung, geraten in Panik. Wenn man der Person winkt, zuruft, ihr zeigt, dass man die Situation erkannt hat und sich um Hilfe kümmert, könne das schon helfen.
  5. Sich die Stelle merken: Es klingt einfacher, als es ist. Oft fällt es insbesondere an freien Gewässern schwer, sich den genauen Ort zu merken, wo ein Ertrinkender untergangen ist. Landmarken können helfen, Bäume etwa oder andere feststehende Gegenstände, die den Rettungskräften bei der Orientierung helfen können. 
  6. In bewachten Gewässern schwimmen: Baden im Rhein ist verboten. Viele hindert das trotzdem nicht daran, ins Wasser zu gehen. "Man sollte sich an die Baderegeln halten, nicht alleine ins Wasser gehen und darauf achten, dass andere Menschen in der Nähe sind", sagt Grohe. Deswegen empfiehlt die DLRG, immer an bewachten Gewässern baden zu gehen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Hilfe nicht zu spät kommt.

 

(heif)
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