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Bärbel Höhn: "Delfinarien schließen"

NRW: Bärbel Höhn: "Delfinarien schließen"
Jungtiere im Delfinarium von Duisburg. „Anfangs haben wir bei der Nachzucht viel falsch gemacht, hatten hohe Verlustraten“, sagt Zoodirektor Achim Winkler. Mittlerweile betrage die Überlebensquote 50 Prozent. FOTO: Probst
NRW. Von ehemals neun existieren in Deutschland nur noch drei Delfinarien – in Duisburg, Münster und Nürnberg. Tierschützer fordern, diese zu schließen, weil die Säuger nicht artgerecht gehalten werden. Zoodirektoren weisen die Kritik zurück. In Münster ist die Zukunft der Tiere aber ungewiss. Von Jörg Isringhaus

Alle mögen Flipper: Delfine stehen in der Rangliste der beliebtesten Tiere ganz weit oben. Alleine das macht sie für Tierparks attraktiv; darüber hinaus sind die ästhetischen Säuger aufgrund ihrer Intelligenz zu artistischen Höchstleistungen fähig. Aus Sicht von Tierschützern eine fatale Kombination. Schon lange fordern sie, Delfine nicht in Gefangenschaft zu halten. Bei einer Podiumsdiskussion in Bergisch-Gladbach hat sich die ehemalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn dafür stark gemacht, die drei verbliebenen deutschen Delfinarien in Duisburg, Münster und Nürnberg zu schließen. "Fordern kann in einer Demokratie jeder etwas. Entscheidend ist aber die Frage, was Sinn macht und was nicht", sagt Jörg Adler, Direktor des Zoos in Münster, dazu.

Die Vorwürfe der Tierschützer sind massiv. "Delfine lassen sich in Gefangenschaft nicht artgerecht halten", behauptet Jürgen Ortmüller vom "Wal- und Delfinschutz-Forum" (WDSF). In Freiheit schwimmen die Tiere bis zu 100 Kilometer am Tag und tauchen 300 Meter tief. Im Zoo Münster müssten sich Delfine sogar ein Becken mit Seelöwen teilen. Tanja Breining von der Tierschutz-Organisation Peta kritisiert, dass es in den Zoos zu viele, teils schwer nachvollziehbare Todesfälle gebe. "Die Zucht ist nicht nachhaltig, kann das nicht kompensieren." So kämen auch so genannte Wildfänge in die Tierparks – der jetzt für den Oscar nominierte Film "Die Bucht" zeigt grausame Delfinjagden, bei denen Tausende Tiere sterben. Nur die schönsten werden verkauft – für bis zu 150 000 Dollar.

Sechs Delfine leben im Duisburger Zoo, zwei davon sind Wildfänge. Achim Winkler, Direktor in Duisburg, verurteilt solche brutalen Jagden aber heftig. "Wir haben damit nichts zu tun und wettern seit Jahren dagegen", sagt er. "Dabei werden gefangene Tiere an irgendwelche privaten Tiershows verkauft." Zoos aber seien wissenschaftliche Einrichtungen, in denen über die Tiere geforscht werde. Auch das Argument einer nicht tiergerechten Haltung lässt Winkler nicht gelten. "Große Tümmler zum Beispiel halten sich vorwiegend in Flachwasser auf", sagt er. "Grundsätzlich muss man sich dafür entscheiden, ob man für oder gegen Zootierhaltung ist. Der Zoo ist sicher nicht das Ideal, aber das ist das Freiland auch nicht. Wenn man Tiere vernünftig nach neuen Erkenntnissen hält, ist das vertretbar."

Die Tierschützer stellen dagegen die wissenschaftlichen Aspekte in Frage. "Das ist nur vorgeschoben", so Brüning. Delfine würden sich in Zoos anders verhalten als in Freiheit. Stattdessen würden die Tiere zu Clowns degradiert, um mit ihnen Geld zu verdienen. Beide Zoodirektoren ärgern sich über solche Behauptungen. So gebe es etwa unzählige Arbeiten darüber, wie Delfine von großen Fischerei-Netzen zurückzuhalten seien – erforscht anhand von Zootieren. Auch die Nachzucht sei mittlerweile erfolgreicher. "Am Anfang haben wir sicher viel falsch gemacht, hatten hohe Verlustraten", räumt Winkler ein. "Mittlerweile haben wir aber eine Überlebensquote von über 50 Prozent, die uns von Zukäufen autark macht."

Dennoch findet derzeit ein Umdenken statt. Adler betont, dass dies nichts mit Druck von außen zu tun habe, sondern mit seiner Fürsorge für die Tiere. "Wir denken in Münster schon länger über die Zukunft der Delfine nach, denn unsere finanzielle Ausstattung ist nicht so, wie wir uns das wünschen." Solide, für die Tiere sinnvolle Lösungen müssten her – denn Delfine haben eine Lebenserwartung von bis zu 40 Jahren. Auswildern ist für die zahmen Tiere schwierig. Laut Tanja Breining von Peta könnte man sie etwa in Israel in großen Außenbecken langsam an die Freiheit gewöhnen. "Oder man gibt ihnen in weitläufigen Freigehegen, zum Beispiel in Holland, ihr Gnadenbrot", sagt Ortmüller vom WDSF.

Weder in Nürnberg noch in Duisburg steht eine Schließung des Delfinariums zur Debatte. "Wir haben eine der modernsten Anlagen in Europa", sagt Winkler, "für uns stellt sich die Frage nicht." Er wünscht sich eine intensive Diskussion über das Thema auch von politischer Seite. Bisher habe sich aber etwa Bärbel Höhn noch nicht an ihn gewandt. Tanja Breining von Peta ist sich trotzdem sicher, dass der politische Druck auf die Betreiber von Delfinarien wächst. "In England gibt es solche Anlagen nicht mehr. Auch bei uns ist das Ende der Delfinarien unausweichlich."

Quelle: RP
 
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