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Angst vor Einbrechern
Bank-Tresore gefragt wie nie

Angst vor Einbrechern: Bank-Tresore gefragt wie nie
Die hohe Zahl von Einbrüchen sorgt für eine große Nachfrage nach Schließfächern. FOTO: dpa
Düsseldorf. Aus Angst vor Einbrechern gehen viele Bürger auf Nummer sicher: Die Nutzung von Schließfächern in Banken der Region hat deutlich zugenommen. Negativzinsen könnten den Trend noch verstärken. Von Reinhard Kowalewsky

Die Nachfrage nach Bankschließfächern in der Region steigt. Vor einigen Jahren waren nur 60 Prozent der Schließfächer bei der Stadtsparkasse Düsseldorf ausgebucht. Derzeit sind es mehr als 80 Prozent der 36.000 Unterbringungsfächer in der Landeshauptstadt sowie im ebenfalls betreuten Monheim - Tendenz weiter steigend.

Ähnlich ist die Situation in Duisburg. "Die Kunden sind sicher durch die Nachrichten über vermehrte Wohnungseinbrüche sensibilisiert", erklärt Joachim Bonn, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Duisburg, "darum können auch wir eine erhöhte Schließfachnachfrage feststellen." 25.000 Schließfächer hatte die Stadtsparkasse vor einem Jahr vermietet, inzwischen sind es 400 mehr.

Auf den Trend reagiert bereits die Volksbank Klever Land: Vorstandschef Frank Ruffing ließ die Zahl der Fächer von 1037 auf 1701 aufstocken. "Die Bürger wollen ihre Wertsachen sicher unterbringen", sagt Ruffing und erwartet eine Fortsetzung des Booms: "Bisher spielt das Thema Negativzinsen keine große Rolle bei Privatkunden. Aber je mehr die Europäische Zentralbank auf Zinsbelastungen für Konten dringt, umso mehr könnten Kunden auch auf die Idee kommen, Bargeld im Fach zu lagern."

Die Beispiele bestätigen die Entwicklung: Bei 18 von 20 in der Region von unserer Redaktion befragten Geldinstituten nimmt die Nutzung von Minitresoren zu. Dazu gehören die drei Niederlassungen der Commerzbank, aber auch die in der Grafik nicht gezeigte Sparkasse Kleve (4243 Fächer), Raiffeisenbank Erkelenz (846 Fächer) sowie die Volksbank Dormagen (2000 Fächer). Insgesamt so die Umfrage, gibt es in Düsseldorf und Umgebung mehr als 200.000 Schließfächer.

Tresore werden in manchen Filialen knapp

Wie groß die Nachfrage ist, zeigt auch folgendes Phänomen: Zwar melden die meisten Geldhäuser, dass zehn bis 20 Prozent der Tresore noch nicht vergeben sind, aber in einzelnen Filialen wird es knapp. So arbeitet die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert mit Wartelisten; bei der Sparkasse in Mönchengladbach werden Kunden auf Fächer in zwei zentralen Filialen verwiesen.

Weil die Kapazitäten teilweise knapp werden, nutzt manches Haus die Tresore für die Kundenwerbung: So gibt es Fächer oft nur für eigene Kontokunden. Auch zu Preiserhöhungen kommt es bereits, um vom Boom zu profitieren: So erhöhte die Stadtsparkasse Düsseldorf den Preis für das kleinste Fach zum 1. Januar von 40 auf 50 Euro im Jahr, die Sparkasse Duisburg erhöhte schon davor von 30 Euro auf 39 Euro als Minimum. Neuanmelder müssen sogar 60 Euro im Jahr zahlen.

Die Polizei begrüßt den Trend zum ausgelagerten Tresor. "Sicherlich ist es angesichts steigender Einbruchszahlen klug, bestimmte Wertgegenstände nicht zu Hause liegenzulassen", erklärt Andre Hartwich von der Polizei in Düsseldorf, "darum raten wir den Bürgern klar zum Anmieten entsprechender Möglichkeiten." Dabei hat der erfahrene Fahnder auch einen allgemeinen Abschreckungsaspekt im Auge: "Wenn sich bei bestimmten Tätergruppen herumspricht, dass in immer mehr Haushalten nicht viel zu holen ist, könnte das den Anreiz zum Einbruch verringern."

Quelle: RP
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