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Prozess in Bielefeld
Nach brutalem Banküberfall: Angeklagte bestreiten Mordversuch

Banküberfall mit mehreren Verletzten in Bielefeld
Banküberfall mit mehreren Verletzten in Bielefeld FOTO: dpa, mg fdt
Bielefeld. War diese Brutalität geplant? Oder lief ein Banküberfall im März in Bielefeld aus dem Ruder, weil die Täter sich nicht ernst genommen fühlten? Knackpunkt ist eine Waffe mit Ladehemmung.

Die beiden Angeklagten, 27 und 31 Jahre alt, hatten Schulden, schlugen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Die Ehefrau des Jüngeren war mit Zwillingen schwanger. In dieser Zeit überfallen die beiden Männer im März 2015 bewaffnet eine Sparkasse im Bielefelder Süden. Als die Täter in Untersuchungshaft sitzen, kommen die Babys zur Welt. Zum Prozessauftakt bezeichnen die beiden Angeklagten die Tat jetzt als Dummheit.

Nachdem die Anwälte der Männer am Dienstag ihre Erklärungen zu dem Banküberfall vorgelesen haben, fragt die Vorsitzende Richterin nochmals nach, ob das alles so richtig sei? "Ja, leider. Und es tut mir sehr leid", sagt der Jüngere in Richtung Richterbank. Beide entschuldigen sich zum Prozessstart bei den Angestellten der Bank und den Kunden für das traumatische Erlebnis, für die zugefügten Verletzungen und die Todesangst.

Dass es brutal zuging, bestreiten die Männer nicht. Aber das sei alles nicht geplant gewesen. Sie schlugen laut Anklage die Bankangestellten mit den Pistolengriffen auf die Köpfe, zogen an den Haaren, eine Brille ging in die Brüche. Und es gibt gegen den Älteren einen noch schlimmeren Vorwurf: versuchter Mord. Er soll mehrmals geschossen haben. Zweimal gingen die Patronen in die Wand, als er ein drittes Mal abzog und dabei auf den Kopf einer Angestellten gezielt haben soll, blieb die Patrone allerdings im Lauf stecken.

Ein Gutachter muss im Laufe des Prozesses klären, ob diese Darstellung zutrifft. Der Angeklagte selbst schildert es anders. Nachdem er bemerkt habe, dass die Waffe streikt, habe er mehrmals den Lauf zurückgezogen und den Sicherheitshebel gezogen, um die Blockade zu lösen. Es habe mehrmals "Klick" gemacht. Dies hätten die Zeugen dann für einen gezielten Schuss gehalten, den er aber bestreite.

Verletzen wollten die beiden nach eigener Aussage niemanden, schon gar nicht töten. Nach Schilderung des 27-Jährigen ist die Situation in der Bank eskaliert. Sie hätten sich von den Angestellten und Zeugen nicht ernst genommen gefühlt. Ein Bankkunde habe sogar hämisch geklatscht. "Da haben wir dann immer mehr zugeschlagen, um uns Respekt zu verschaffen. Wir hatten das Gefühl, dass die uns nur hinhalten wollten. Sie sagten immer nur, dass sie so schnell kein Geld geben könnten."

Als die Situation immer mehr aus dem Ruder lief und die Polizei bereits vor der Bank wartete - eine Angestellte hatte sehr früh den Alarmknopf gedrückt -, gaben die Bankangestellten eine hohe Summe aus dem Geldautomaten im Vorraum heraus. "Da war mir aber schon klar, dass wir gefasst würden", sagte der Jüngere. Er sei zu diesem Zeitpunkt bereits wie in Trance gewesen.

Der Ältere von beiden hatte bei dem Überfall das Kommando. Nach Aussage seines Kumpels war er alkoholisiert und verlor im Laufe des Überfalls immer mehr die Kontrolle. Eine Blutprobe bestätigt, dass der Ältere mindestens 1,3 Promille im Blut hatte. Zu einigen Fragen wollen sich die Angeklagten nicht äußern: Sie schweigen zur Herkunft der Waffen, sagen nicht, woher sie einander kennen und warum sie sich für Bielefeld entschieden haben.

Vor der Bank hatte die Polizei den älteren der Bankräuber mit zwei Schüssen ins Bein gestellt und schwer verletzt, der jüngere war nach wenigen Metern auf der Flucht mit 203 600 Euro in einem Rucksack gefasst worden. Der Prozess wird am 31. August fortgesetzt.

(dpa)
 
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