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Sensationsfund
Bielefelder Wissenschaftler entdeckt neue Meeressaurier-Art

Neuer Dinosaurier in Bielefeld entdeckt
Neuer Dinosaurier in Bielefeld entdeckt FOTO: Namu Bielefeld
Düsseldorf/Bielefeld. Vier Jahrzehnte wusste niemand etwas mit dem Dinosaurier-Skelett anzufangen, bis ein leidenschaftlicher Sammler einen Wissenschaftler vom Wert seines Fundes überzeugen konnte: Jetzt hat das Bielefelder Naturkundemuseum eine neue Saurier-Art in der Sammlung.  Von Franziska Hein

40 Jahre hat es gedauert, bis ein Paläontologe den wissenschaftlichen Wert des Skeletts erkannte. Aber was sind schon 40 Jahre im Vergleich zu 190 Millionen Jahren - so alt ist nämlich das Skelett des Dinosauriers. Anfang der 1980er Jahre wurde es in Bielefeld in einer Tongrube gefunden, später gelangte es in den Besitz eines privaten Sammlers, der seither immer wieder versucht hat, das Skelett wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Jetzt hat ein Bielefelder Wissenschaftler den Wert des Fundes erkannt und damit gleich eine neue Dinosaurier-Art entdeckt: Den Arminisaurus schuberti. Der Name ist eine Würdigung des Cheruskerfürsten Arminius, der die Römer in der Varusschlacht im Teutoburger Wald um 9 n. Chr. besiegte. Der Artname "schuberti" würdigt Siegfried Schubert, den privaten Sammler, in dessen Besitz sich das Skelett befand. Wir haben mit Sven Sachs und Mark Keitel vom Naturkundemuseum Bielefeld über den Sensationsfund gesprochen. 

Herr Sachs, Sie haben sich lange mit dem Skelett beschäftigt, wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass das Skelett solange unentdeckt geblieben ist? 

Sven Sachs Der Saurier befand sich lange in einer privaten Sammlung. Der Sammler Siegfried Schubert ist irgendwann auf mich zugekommen und hat mir den Fund gezeigt. 2014 habe ich das Skelett zum ersten Mal gesehen. 

Wussten Sie sofort, womit Sie es zu tun haben? 

Sachs Ich wusste es nicht zu 100 Prozent. Aber ich hatte ein sehr sicheres Bauchgefühl, dass ich ein neues Tier entdeckt haben könnte. Und ich lag dann ja auch richtig. 

Dann finde ich es umso erstaunlicher, dass der wissenschaftliche Wert nicht schon früher erkannt wurde... 

Mark Keiter Dazu kann ich etwas sagen. Herr Schubert, der private Sammler, hat immer wieder versucht, Wissenschaftler für seinen Fund zu begeistern. Aber die Wissenschaft schreitet voran, damals hat man einfach nicht gewusst, wie besonders das Skelett ist. 

Was geschah zwischen 2014 und 2017? 

Sachs Bedingung für eine Veröffentlichung war, dass der Saurier in eine öffentliche Sammlung kommt, damit er für die Wissenschaft zugänglich ist und unsere Forschungsergebnisse für jeden nachvollziehbar sind. Ich habe erst einmal ein einhalb Jahre das Skelett analysiert und recherchiert, um welche Art es sich handelt, ob es artverwandte Skelette gibt und was die besonderen Merkmale des Tieres sind. 

Wo wurde das Skelett eigentlich gefunden? 

Sachs In einer Tongrube auf Bielefelder Stadtgebiet, die es aber heute nicht mehr gibt. Sie wurde verfüllt, heute ist da ein Acker. 

Ist das Skelett vollständig? 

Sachs Nein, aber es ist zu etwa 40 Prozent erhalten. Das ist viel für Dinosaurier-Skelette. 

Was befand sich denn an der Stelle von Bielefeld vor 190 Millionen Jahren? 

Keiter Bielefeld war vor 190 Millionen Jahren von offenem Meer bedeckt. Ein flacher Ozean, vielleicht maximal ein paar hundert Meter tief.

Was ist Ihr Arminisaurus für ein Tier gewesen? 

Sachs Er ist ein Schwimmsaurier von der Gruppe der Plesiosaurier, das sind Meeresreptilien. Man kann ihn sich ein bisschen wie das Monster von Loch Ness vorstellen mit einem langen Hals und Paddeln wie Meeresschildkröten. Das Tier war etwa 3,50 Meter groß. Diese Saurier waren Räuber, sie ernährten sich von Tintenfischen und kleineren Fischen. 

Was ist das Besondere? 

Sachs Das Besondere ist, dass das Tier Merkmale aufweist, die wir bis jetzt erst von deutlich jüngeren Tieren kennen. Wir sprechen da von einem Zeitraum von etwa 70 Millionen Jahren. Der Arminisaurus ist so etwas wie der Ur-Ahn dieser sogenannten Pliosaurier. 

Kommt es oft vor, dass man eine neue Saurier-Art entdeckt? 

Sachs Das ist nicht so selten, wie man denken würde. In diesem Jahr wurden inklusive unseres Arminisaurus vier neue Arten enteckt. Allerdings kommt es nicht mehr so oft vor, dass man Skelette in Steinbrüchen findet. Häufiger tauchen seltene Skelette in Museumssammlungen auf, die bislang einfach nicht erforscht wurden. 

Wollen Sie das Skelett jetzt ausstellen? 

Keiter Natürlich würden wir den Arminisaurus sehr gerne ausstellen. Das Original können wir aber nicht zeigen. Die Knochen sind einfach zu empfindlich und könnten zerbröseln. Wir müssen sie eingeschweißt und trocken im Depot lagern, damit wir sie weiter erhalten können. Wir haben aber 3D-Scans anfertigen lassen und könnten die Knochen mittels 3D-Drucker nachdrucken lassen - das ist allerdings sehr teuer, dafür sind wir auf Sponsoren angewiesen. 

Hat das Naturkunde-Museum Bielefeld noch andere vergleichbare Sammlungsstücke? 

Keiter Unser Museum hat eine sehr regionale Fossiliensammlung, auch ein paar Wirbeltierreste sind darunter. Aber der wissenschaftliche Wert des Arminisaurus ist einzigartig. Das ist unser Highlight. 

Sven Sachs (44) ist Gastwissenschaftler am Naturkunde-Museum Bielefeld. Der Paläontologe beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Meeressauriern. 

Mark Keiter (44) ist Geologe und Kurator der Sammlung des Naturkunde-Museums Bielefeld. 

Franziska Hein stellte die Fragen.

 
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