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Viraler Hit aus Bochum
Apotheker reagiert auf Kopftuchbeschwerde von Kundin

Bochum: Apotheker reagiert auf "Kopftuchbeschwerde" von Kundin
Die Apotheke in Bochum. FOTO: farma-plus Apotheke im Ruhrpark / Jens Beuth
Bochum. Die (Ex-) Kundin einer Bochumer Apotheke beschwert sich schriftlich darüber, von einer Frau mit Kopftuch bedient worden zu sein. Der Apotheker rudert daraufhin nicht zurück, ganz im Gegenteil: In seiner Antwort zeigt er klare Kante. Von Ludwig Krause

So ein Kundenschreiben habe er noch nie erhalten, sagt Jens Beuth. "Da ich mit Erschrecken feststellen musste, dass Sie ein Mitarbeiterin mit muslischem Kopftuch beschäftigen, haben sie mich und meinen Mann als Kunden verloren", schrieb eine Frau, nachdem sie die Apotheke Beuths im Ruhrpark Bochum besucht hat – hier weitere Original-Auszüge aus dem Schreiben: "Wir können es definitiv nicht akzeptieren, dass mir durch diese Person nonverbal mitgeteilt wir, ich präsentiere mich also Sexualobjekt und dass meinen Mann unterstellt wird, dass er schon geil wird, sobald er ein paar Haare sieht."

Leider müsse sie noch ein bestelltes und bereits bezahltes Medikament abholen, schrieb die (Ex-) Kundin. "Aber danach werden mein und ich unsere benötigen Medikamente definitiv bei Ihrer Konkurrenz erwerben..." Für die Frau scheint der Fall klar: "Integration läuft auf jeden Fall anders!"

Hallo zusammen!Mal wieder etwas in eigener Sache.Ich veröffentliche das mal anonym, damit sich jeder seine Meinung...

Posted by Jens Beuth on  Montag, 25. Januar 2016

Klar war der Fall aber auch für Jens Beuth. Er beschäftigt in vier Apotheken in Gelsenkirchen, Bochum und Essen etwa 60 Mitarbeiter. "Mir war klar, dass ich antworten musste. Das war aber ganz spontan", sagt er unserer Redaktion.

Und Beuth lieferte eine Antwort, die derzeit im Netz gefeiert wird. "Ich beschäftige Christen, Muslime und Atheisten, dicke, dünne, große und kleine Frauen und Männer, von jung bis alt, blond bis schwarzhaarig, lange, kurze und auch ohne Haare", antwortete er. Man habe Auto- und Motorradfahrer, nichtmotorisierte Mitarbeiter, "tätowierte, gepiercte, hellhäutige und Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Außerdem haben wir Mitarbeiter/innen, die Fleisch essen, Vegetarier und Veganer. Fußballfans vom VfL 1848, S04 und BVB 09 und nichtinteressierte."

Ein Querschnitt durch die Bevölkerung

"Unsere Mitarbeiter sind wie unsere Kunden ein Querschnitt durch die Bevölkerung", sagt Beuth. Darum sei sein Facebook-Post auch so emotional ausgefallen. "Ich freue mich sehr, daß Sie selbst einsehen, beim nächsten mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind", schrieb er. "Und ja, Integration läuft anders, zumindest als Sie denken!"

Mit der Resonanz, die dann folgte, habe er aber nicht gerechnet, sagt der Apotheker. Binnen weniger Tage wurde der Eintrag knapp 20.000 Mal geteilt. "Normalerweise nutze ich Facebook nur privat und in einem ganz überschaubaren Kreis. Von der Reaktion war ich total überrascht. Wir haben ganz viele Anrufe und E-Mails bekommen, ich habe 1000 Freundschaftsanfragen erhalten." Die überwältigende Masse der Nutzer feiert Beuth und seinen Eintrag. "Ich habe lediglich eine negative Zuschrift erhalten", sagt er.

Und auch die Frau hat sich noch einmal gemeldet. In einer weiteren E-Mail habe sie bekräftigt, seiner Apotheke fern bleiben zu wollen, sagt Beuth. Nachdem sie ihm untersagt habe, weitere Texte von ihr zu verwenden, sei sie aber respektvoll verblieben. Immerhin.

(lukra)
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