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Prozess in Bochum
Totgeglaubter Angeklagter ist wieder da

Bochum. Ein angeklagter Geschäftsführer eines Recyclingunternehmens schreibt einen Abschiedsbrief und verschwindet spurlos. Jetzt steht er wieder vor Gericht. Zielfahnder des Bundeskriminalamts haben den Mann in Afrika aufgespürt.

Nach einer knapp sechsmonatigen Flucht muss sich ein totgeglaubter Müllmanager aus Solingen seit Dienstag erneut vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Der 57-Jährige war im vergangenen August während des laufenden Strafverfahrens plötzlich verschwunden. Er hatte einen Abschiedsbrief und ein Testament hinterlassen. Die Richter hatten den Prozess um die angeblich illegale Entsorgung von rund 30.000 Tonnen Ölpellets in einer Tongrube bei Schermbeck im Kreis Wesel daraufhin ausgesetzt.

Tatsächlich hatte sich der 57-Jährige jedoch ins südliche Afrika abgesetzt, wo er von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes schließlich aufgespürt worden war. Der Prozess gegen den 57-Jährigen muss nun noch einmal ganz neu aufgerollt werden. Eine erneute Flucht ist dabei wohl ausgeschlossen.

Der Angeklagte befindet sich im Gegensatz zu ersten Prozess in Untersuchungshaft. Er ist von zwei Wachtmeistern mit Handschellen in den Gerichtssaal gebracht worden. Der 57-Jährige war nach der Aufdeckung eines Geflechts aus Scheinrechnungen und Schmiergeld bereits 2014 als Geschäftsführer eines Recyclingunternehmens zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Für das nun erneut begonnene Strafverfahren hat das Bochumer Landgericht zunächst noch neun Verhandlungstage bis zum 7. Mai vorgesehen.

(sef/lnw)