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Wetter
Erst Sonne, dann wieder Regen und Gewitter

Bonn: Schwere Unwetter-Schäden – vorerst keine neuen Warnungen
In Bad Godesberg wurden am Samstagabend mehrere Straßen überflutet. FOTO: dpa, aba pil
Essen/Bonn. Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnungen aufgehoben – aber das kann sich schnell ändern. Nach den heftigen Unwettern der vergangenen Tage geben die Meteorologen für den Montag noch keine Entwarnung.

Nach teils tagelangen Unwetterlagen deutet sich beim Wetter deutschlandweit eine Entspannung der Situation an – jedoch nur vorerst. Der Deutsche Wetterdienst hob in der Nacht zum Montag alle Warnungen vor schwerem Gewitter zunächst auf, die Gewittergebiete seien etwas kleiner geworden. Jedoch könnten Gewitter vor allem ab den Mittagsstunden besonders im Westen und Süden erneut teils heftig ausfallen, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Montagmorgen.

Vereinzelt müsse mit kräftigen, unwetterartigen Gewittern sowie Starkregen und größerem Hagel gerechnet werden. Besonders gefährdet seien Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Teile Hessens, Teile des Saarlands sowie Bayern und Baden-Württemberg.

Land unter im Bonner Süden

Die Macht der Natur bekamen am Samstagabend noch einmal die Bonner zu spüren. Mehrere Bäche traten über die Ufer, Keller liefen voll, und ganze Straßenzüge und Tiefgaragen standen unter Wasser. Acht Häuser mit 15 Bewohnern im Ortsteil Mehlem wurden zeitweise evakuiert, wie ein Stadtsprecher am Sonntag berichtete.

Die Feuerwehr brachte zudem einen Autofahrer in Sicherheit, der mit seinem Wagen auf einer überfluteten Straße feststeckte. Insgesamt waren rund 700 Rettungskräfte im Einsatz.

Der starke Regen war über Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis niedergegangen. In Bad Godesberg und Mehlem hätten die dort unterirdisch in Rohren unter Straßen fließenden Bäche die Wassermassen nicht mehr bewältigen können, sagte der Sprecher weiter.

Häuser mussten zwischenzeitlich gesperrt werden

In Mehlem sei eine Straße so stark unterspült worden, dass die Fahrbahn an einer Stelle einbrach. Sechs der am Samstag gesperrten Häuser wurden am Sonntag für die Bewohner wieder freigegeben.

Das Rheinhochwasser habe die Situation verschärft, berichtete der Sprecher. Das Wasser aus dem Mehlemer Bach könne dadurch nicht ungehindert in den Rhein abfließen. Der unterirdische Kanal sei vermutlich durch den hohen Wasserdruck beschädigt worden. Bei erneut starken Regenfällen könnten dann wieder Straßen unterspült werden. Dann müssten notfalls wieder Häuser im Bereich des Mehlemer Bachs evakuiert werden. Die Anwohner würden entsprechend informiert.

Schwere Gewitter hatte es in der Nacht zum Samstag über Köln gegeben.
Die Feuerwehr rückte in kürzester Zeit zu rund 200 Einsätzen aus. Ein hilfloser Mensch wurde aus dem Rhein gerettet. Auch die Uniklinik brauchte Hilfe: Dort drang das Wasser an mehreren Stellen in das Gebäude ein.

Lage am Niederrhein entspannt sich weiter

Im Kreis Wesel steht der Krisenstab nur noch in Bereitschaft nachdem der Wasserstand der Issel deutlich gesunken ist. In Hamminkeln, wo es die größten Schäden gab, müsse die Feuerwehr nur noch wenige Einsätze bewältigen, sagte ein Sprecher.

Auch flussabwärts in Isselburg ist die Lage unter Kontrolle. Der Pegel der Issel sinke mittlerweile um einen Zentimeter pro Stunde, hieß es vom Isselburger Ordnungsamt am Nachmittag. Probleme bereits aber noch das an einige Stellen außerhalb der Ortschaft durch den Deich drückende Wasser.

Blitz trifft Jungen in Aichwald

In Baden-Württemberg kann es besonders über dem südlichen Bergland und in südwestlichen Landesteilen vor allem am Abend noch zu Gewittern kommen. Vereinzelt sei auch Starkregen mit mehr als 25 Litern pro Quadratmeter und Hagel mit Korngrößen von etwa zwei Zentimetern möglich. Bereits am Wochenende hatten Unwetter in Baden-Württemberg gewütet.

In Aichwald (Kreis Esslingen) wurde am Sonntag ein Zwölfjähriger auf einem Sportplatz vom Blitz getroffen – in der Nacht zum Montag schwebte er noch immer in Lebensgefahr. 13 weitere Menschen seien leicht verletzt worden. Sie hätten über Unwohlsein und Kreislaufprobleme geklagt und seien ambulant behandelt worden, hieß es bei der Polizei.

Das Landratsamt Weilheim-Schongau hat am Sonntagabend den Katastrophenfall für das Gebiet rund um die bayerische Gemeinde Polling aufgehoben. "Die Pegel sind rückläufig", sagte Sprecher Hans Rehbehn. Einsatzkräfte seien aber weiter vor Ort und pumpten Wasser ab. Bei heftigen Regenfällen waren vor allem in Polling Straßen überflutet worden und Keller vollgelaufen. Rund 100 Haushalte und Gewerbebetriebe sind betroffen. Auch in Baden-Württemberg verursachte Regen neue Probleme in ohnehin stark betroffenen Regionen. An Berghängen glitt Erde ab, Straßen wurden unterspült oder überflutet.

Im niederbayerischen Simbach am Inn bleiben nach den schweren Überschwemmungen die Schulen die ganze Woche geschlossen. Das bestätigte das Landratsamt Rottal-Inn am Sonntag. Die Abiturprüfungen am Gymnasium in Simbach fänden aber statt.

Während die Aufräumarbeiten in Bayern intensiv weitergehen, geben die Meteorologen noch keine Entwarnung. Laut Deutschem Wetterdienst bilden sich am Montag ab dem späteren Vormittag erneut Gewitter, die vor allem im Alpenvorland, an den Alpen und im westlichen Franken heftig ausfallen können. Erneut könne es binnen kurzer Zeit bis zu 40 Liter pro Quadratmeter regnen. Im niederbayerischen Simbach am Inn sollen am Montag 100 Bundeswehrsoldaten ankommen, um zu helfen. Eine Flutwelle hatte im Landkreis Rottal-Inn sieben Menschen in den Tod gerissen und einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht.

(gol/lnw/dpa)
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