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Flüchtlinge in Bornheim
Schwimmbad-Verbot nach "positiven Gesprächen" aufgehoben

Bornheim: Schwimmbad-Verbot nach "positiven Gesprächen" aufgehoben
Ab Mittwoch ist das Hallenbad in Bornheim wieder für alle freigegeben. FOTO: dpa, hk fdt
Bornheim. Das Schwimmbad-Verbot für Flüchtlinge in Bornheim wird am Mittwoch wieder aufgehoben. Die Gespräche in den Unterkünften sind aus Sicht der Stadt gut verlaufen. Nun hofft sie darauf, dass es zu keinen weiteren sexuellen Belästigungen kommt. Von Klas Libuda

In Bornheim bei Bonn darf ab Mittwoch wieder jeder ins Hallenbad. Nachdem die Stadt am vergangenen Donnerstag ein Verbot für männliche Flüchtlinge erlassen hatte, sollen die Bewohner von drei Unterkünften, die in der Nähe des Schwimmbads liegen, dieses nun wieder besuchen dürfen. Man habe in der Zwischenzeit einen "Dialog anstoßen wollen", sagte ein Stadtsprecher. In den vergangenen Tagen hätten Mitarbeiter der Stadt mit den Bewohnern der Flüchtlingsunterkünfte über das Verbot diskutiert.

"Sinn und Ziel der Anordnung war und ist es, unter den Bewohnerinnen und den Bewohnern eine Reflektion und Diskussion zur Rolle der Frau und des Mannes in der deutschen Gesellschaft, zur Gleichstellung der Geschlechter und zum Respekt vor Frauen in Gang zu setzen", teilten Sozialdezernent Markus Schnapka und der Bornheimer Bürgermeister, Wolfgang Henseler, in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Flüchtlinge kämen oft aus Ländern, "in denen andere Norm- und Wertmaßstäbe insbesondere zur Stellung der Frau in der Gesellschaft gelten", hieß es weiter von Schnapka und Henseler. Sie müssten sich erst orientieren. Noch bis einschließlich Dienstag würden in den Unterkünften Gesprächsrunden stattfinden, die zu einer "Bewusstseinsbildung" führen sollen. Darum werde das Verbot erst am Mittwoch aufgehoben, teilte der Sprecher der Stadt mit. Die Rückmeldungen aus den Unterkünften aber zeigten, dass dieser Prozess bislang "positiv verlaufen" sei.

Frauen fühlten sich bedroht und verließen das Bad

Die Stadt hatte sich in der vergangenen Woche für das Schwimmbad-Verbot entschieden, weil sich Sozialdezernemt Schnapka zufolge immer mehr Besucherinnen und Angestellte über sexuelle Belästigungen durch Männer aus einer nahe gelegenen Asylbewerberunterkunft beschwert hätten. Die betroffenen Frauen hätten sich bedroht gefühlt, teilte Schnapka und Henseler am Montag mit. Zuletzt hätten Besucherinnen gar das Schwimmbad verlassen, "während die beteiligten Männer mit Migrationshintergrund im Schwimmbad blieben". 

Statt lediglich die beteiligten Männer des Bades zu verweisen und Hausverbote auszusprechen, verweigerte die Stadt gleich allen männlichen Flüchtlingen den Zutritt. Die Maßnahme wurde heftig kritisiert: Der Flüchtlingsrat NRW nannte das Verbot diskriminierend, die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen lehnte die Maßnahme ab und teilte mit, dass sich die Sperre juristisch kaum halten ließe.  "Die Maßnahme war kein Schnellschuss", sagte Schnapka. Mit der bundesweiten Aufmerksamkeit aber habe man nicht gerechnet.

Künftige Maßnahmen seien noch nicht geplant

"Ein Nein von Frauen zu Versuchen einer Annäherung bleibt ein Nein", sagte Schnapka. "Stellen wir als Stadt aber fest, dass dem nicht so ist, dann handeln wir." In Zukunft wolle man nach Belästigungen schneller Anzeige erstatten und "gezielte Hausverbote" aussprechen. Das sei bislang nicht möglich gewesen, weil die Identität der Männer bis auf einen Fall nie festgestellt worden sei. Im Hinblick auf die nahende Karnevalszeit sei man zudem erneut in den Flüchtlingsunterkünften unterwegs, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen.

Unterdessen ergänzte die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen ihre Sicherheits- und Verhaltenstipps. Auf Plakaten, die in Schwimmbädern ausgehängt werden können, heißt es jetzt zusätzlich: "Jeder Frau und jedem Mann ist mit Respekt zu begegnen. Sexuelle Belästigungen, zum Beispiel durch anzügliche Gesten, Äußerungen und körperliche Annäherungen sowie unerwünschte Berührungen sind nicht erlaubt."

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