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Nach Brand in Duisburg
"300 Schaulustige sind auch für uns eine völlig neue Dimension"

Brand in Duisburg mit 300 Schaulustigen: Feuerwehr erklärt was passiert ist
Bei einem Feuerwehreinsatz in Duisburg behinderten Schaulustige die Rettungsmaßnahmen. FOTO: Bastian Königs
Düsseldorf/Duisburg. Am Donnerstagabend löste ein angebranntes Essen einen Feuerwehreinsatz in Duisburg-Hochfeld aus. Knapp 300 Schaulustige versperrten den Einsatzkräften den Weg. Der Leiter der Duisburger Feuerwehr erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, was passiert ist. Von Susanne Hamann

Herr Tittmann, Sie sind am Donnerstagabend zu einem ungewöhnlichen Einsatz rausgefahren. Was ist passiert?

Oliver Tittmann Wir wurden wegen eines Wohnungsbrands angerufen, bei dem auch Menschenleben in Gefahr sein sollten. Wie sich dann aber zeigte, handelte es sich am Ende nur um ein angebranntes Essen. Der Bewohner hatte tatsächlich ein internistisches Problem. Er musste also nicht wegen dem Brand medizinisch versorgt werden. 

Aber bei der Anfahrt gab es Probleme?

Tittmann Ja. 250 bis 300 Schaulustige hatten sich in einem Kranz vor das Haus gestellt, um zu gucken, was dort passiert. Das war für uns schwierig, denn wir hatten zuvor mehrere Anrufe erhalten, die alle sehr alarmierend klangen. Entsprechend sind wir von einem größeren Wohnungsbrand ausgegangen und mit zwei Löschzügen, also rund 40 Leuten angefahren.

Oliver Tittmann ist Leiter der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr in Duisburg. FOTO: Karsten Ophardt

Hat die Menschenmenge ihre Arbeit behindert?

Tittmann Das größte Problem war, dass sich die Anfahrt verzögert hat, weil wir nicht richtig durch die Menge der Schaulustigen kamen. Außerdem war es schwierig unsere Arbeit zu machen. Aber man darf das nicht falsch verstehen: Die Stimmung war nicht aggressiv und wir sind auch nicht aktiv von den Schaulustigen an der Arbeit gehindert worden.

Was haben die Zuschauer denn gemacht?

Tittmann Viele haben mit dem Handy gefilmt, aber die meisten haben sich einfach darüber ausgetauscht, was da passiert und ob sie den Betroffenen kennen.

Trotzdem haben Sie die Polizei informiert. 

Tittmann Ja, weil es einfach unglaublich viele Menschen waren. Wir haben aber in so einem Moment keine Zeit, um uns darum zu kümmern, dass die Schaulustigen nicht im Weg stehen. Deshalb haben wir die Polizei gerufen, die zum Glück auch schnell kam. 

Wobei hat Sie die Menschenmenge behindert?

Tittmann Vor allem bei zwei Dingen: Zum einen, war es schwierig das Material auszubreiten. Also die Leitern richtig aufzustellen und die Schläuche auszulegen. Zum anderen, geht es aber auch um die Würde des Menschen. Stellen Sie sich vor, Sie sind in so einer Situation gesundheitlich betroffen. Das ist unheimlich stressig, wenn dann noch Gaffer herumstehen, sehen wie Sie mit Schläuchen im Mund herausgetragen werden, ist das einfach nicht würdevoll. Entsprechend ist es wichtig, Betroffene abzuschirmen. Hinzukommen die vielen Kinder, die gestern dabei waren. Ich finde, sie müssen so etwas wirklich nicht sehen. 

Vor einigen Wochen gab es im selben Viertel einen Unfall, bei dem sich eine ähnlich große Menschentraube gebildet hat. Woran liegt das?

Tittmann Ich glaube nicht, dass es am Viertel liegt oder am Klientel. Wir erleben dieses Phänomen seit einer Weile immer häufiger. Bis zu einem gewissen Grad ist es auch verständlich, dass sich Schaulustige versammeln. Der Mensch ist nun mal neugierig. Aber, dass es so unheimlich viele Menschen sind, das ist etwas besonderes. 250 bis 300 Schaulustige sind auch für uns eine neue Dimension. Und wir wissen noch nicht genau, wie wir damit umgehen sollen. 

Hatten Ihre Männer in der Situation am Donnerstagabend Angst?

Tittmann Nein, Angst hatte bei uns niemand. Wie gesagt, die Stimmung war ja auch nicht aggressiv. Wichtig ist in so einem Moment, schnell Aufgaben zu verteilen. Einige haben einen Sichtschutz gebildet, andere sind ins Haus, wieder andere haben dafür gesorgt, dass die Polizei problemlos anfahren konnte. Ich glaube übrigens auch nicht, dass man solche Menschenansammlungen verhindern kann. Für uns ist einfach wichtig, dass man uns die Möglichkeit gibt, unsere Arbeit schnell und gut zu machen, und würdevoll mit den Opfern umzugehen. Dass muss auch dann möglich sein, wenn die Leute wissen wollen, was vor sich geht.   

Das Gespräch führte Susanne Hamann. 

(ham)
 
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