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Brand in Bochumer Krankenhaus
Bergmannsheil gilt als erste Unfallklinik der Welt

Großbrand in Bochumer Uniklinik
Großbrand in Bochumer Uniklinik FOTO: ANC-NEWS
Der Klinik-Großbrand in Bochum wütete in einem der traditionsreichsten Krankenhäuser Deutschlands: Das Bergmannsheil besteht seit über 125 Jahren, mit 650 Betten ist es die bekannteste Klinik der Stadt.  Von Vera Kämper

Das Bergmannsheil ist das Krankenhaus in Bochum. Allein im Namen schwingt die Geschichte der Stadt mit, war es doch für die Unfallversorgung der Bergleute des Ruhrgebiets gebaut worden. In der Nacht zum Freitag stand das Gebäude nahe der Bochumer Innenstadt in Flammen. Das Obergeschoss des Bettenhauses I, das zu einem neueren Gebäudetrakt gehört, brannte aus. Zwei Menschen starben, Dutzende wurden schwer verletzt.

Doch was ist das für eine Klinik, in der das Feuer ausbrach? Im "Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum" werden seit mehr als 125 Jahren Patienten behandelt. 1890 wurde das Hospital im Stadtteil Ehrenfeld erbaut und gilt somit als erste Unfallklinik der Welt. Konkret ging es der Knappschaft um die Versorgung der Bergmänner des Ruhrgebietes. Nicht selten passierten Unfälle durch Schlagwetter-, Kohlenstaub- und Sprengstoffexplosionen oder auch Wassereinbrüche in Stollen. Brüche, Quetschungen oder Kopfverletzungen waren bei Bergleuten keine Seltenheit.

FOTO: dpa, mku gfh

In der Bombennacht des 4. November 1944 wurde das Gebäude laut der Nachrichtenseite "DerWesten" durch Bombenangriffe vollständig zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Der Klinikkomplex verfügt über 650 Betten, die auf 23 Kliniken und Fachabteilungen aufgeteilt sind. Dazu zählen etwa vier Intensivstationen, ein Bereich für Innere Medizin, Schmerzmedizin und eine Neurologie.

160 Hubschraubereinsätze pro Jahr

Jährlich werden im Bergmannsheil nach eigenen Angaben etwa 21.000 Patienten stationär behandelt, 65.000 ambulant. Wie die Klinik auf ihrer Webseite informiert, wurden im Jahr 2015 über 3300 Notarztwageneinsätze gefahren. 160-mal flog ein Hubschrauber den Krankenhauslandeplatz an.

Mit der Bergbaukrise und dem Zechensterben wurde die Klinik auch für andere Patienten geöffnet. Inhaltlich ist die Klinik heute auf Chirurgie spezialisiert. Nach Angaben der Klinik werden dort auch Menschen mit Rückenmarks- oder Schädel-Hirn-Verletzungen behandelt, ebenso Patienten mit schweren Brandwunden.

"Vor über 120 Jahren ist das Bergmannsheil in Verantwortung für die Menschen des Reviers entstanden", heißt es auf der Homepage. "Diese Verantwortung bleibt weiter Grundlage unseres berufsgenossenschaftlichen und universitären Anspruchs." So ist das Bergmannsheil seit 1977 an die Ruhr-Universität Bochum angebunden. Seitdem wird in dem Haus nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht. Dabei werden etwa Biomaterialien als Knochen- oder Gelenkersatz erforscht oder Verfahren zur Gewinnung von Hautersatzgewebe erprobt. Laut der Homepage werden auch seltene neuromuskuläre Erkrankungen und Lernmechanismen des Gehirns untersucht.

Seit 2010 wird das Bergmannsheil umgebaut. Mitten im Krankenhaus entstehen ein komplett neuer Funktionstrakt und ein Bettenhaus. Der zweite Bauabschnitt sollte Ende 2017 fertig sein und im Sommer 2018 eröffnet werden.

(Mit Material von dpa)
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