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Kreis Heinsberg/ Weert
Chaos bei der Unterbringung von Flüchtlingen

Neue Flüchtlingsunterkunft im Selfkant
Neue Flüchtlingsunterkunft im Selfkant FOTO: Michael Heckers
Kreis Heinsberg/ Weert. Man stelle sich vor: Es kommen rund 500 Flüchtlinge mitten in der Nacht in einem Dorf mit 48.000 Einwohnern an - und nur zwei Personen sind da, um sich um diese Menschen zu kümmern. Genau dieses Szenario bot sich in dieser Woche in der niederländischen Gemeinde Weert an der Grenze zu Deutschland. Von Sabine Kricke

Nicht nur in NRW ist das Thema der Unterbringung der Flüchtlinge aktueller denn je. Auch in den Grenzstädten der Niederlande und im gesamten Königreich ist man mit tausenden Flüchtlingen konfrontiert. 

In den holländischen Medien las man dieser Tage Sätze wie "Flüchtlinge überraschend schnell in Weert angekommen". Die Flüchtlinge sollten in einer ehemaligen Kaserne untergebracht werden, hier war jedoch in der Nacht zu Donnerstag nicht viel für ihre Ankunft vorbereitet. So machten sich die Männer, Frauen und Kinder später auf den Weg in kilometerweit entfernte Supermärkte, um Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen. Der Bürgermeister von Weert, Jos Heijmans, bezeichnete die Situation als "ein Chaos", heißt es bei "RTLNews.nl"

Fotos: Turnhallen im Berufskolleg Erkelenz werden für Flüchtlinge vorbereitet FOTO: Uwe Heldens

Der Ansprechpartner der zentralen Stelle für Asylsuchende in den Niederlanden, Robert Ploeg, war am Abend ebenfalls vor Ort und gerade damit beschäftigt, die Ankunft der Flüchtlinge vorzubereiten, als er den ersten Bus aus Ter Apel ankommen sah. "Häufig werden die Menschen in Ter Apel in einen Bus gestopft. Und dann wird gehofft, dass irgendwo Platz ist", sagte er RTLNews. In Ter Apel, einer Ortschaft im Norden der Niederlande in der Provinz Groningen, befindet sich das zentrale Auffanglager der Flüchtlinge. Dort werden alle Flüchtlinge registriert und deren Unterbringung im Rest des Landes organisiert.

Aber auch in der deutschen Grenzstadt Heinsberg und in Erkelenz lief in Puncto Flüchtlingsunterbringung diese Woche nicht alles reibungslos ab. Rund 210 Flüchtlinge wurden bereits am Sonntag im Kreis Heinsberg erwartet. Dafür hatte man in Erkelenz die Turnhallen des Berufskollegs an der Westpromenade als Erstaufnahme eingerichtet. Doch am Nachmittag hieß es: Sie kommen doch nicht - erst in der Nacht zum Dienstag. Da warteten dann rund 60 Ehrenamtler, darunter Sanitäter, Betreuer und Mitarbeiter des Kreises bis hin zum Landrat Stephan Pusch erneut vergeblich auf die Ankunft der Flüchtlinge. Die kamen zwar an der Westpromenade an, allerdings an der Westpromenade in Heinsberg und nicht in Erkelenz. Da es aber nur 19 Flüchtlinge und nicht die erwarteten 210 waren beschloss man kurzerhand, dass diese in Heinsberg bleiben können und dort betreut werden.

Fotos: #ZufluchtNRW: So leben Flüchtlinge in unserer Region FOTO: RPO, Laura Sandgathe

In Roermond, Heinsbergs niederländischer Nachbarstadt und Mönchengladbachs Partnerstadt, sind aktuell noch keine Flüchtlinge angekommen. Vermutlich werden sie das auch nicht. "Wir haben bislang noch keine Anfrage bekommen, ob wir Flüchtlinge aufnehmen könnten. Aber ohnehin haben wir hier in Roermond keine großen Gebäude, wo wir so viele Menschen unterbringen können", sagte Mario Ogrinc, Pressesprecher der Stadt Roermond, im Gespräch mit unserer Redaktion. Man habe jedoch eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik befassen wird. Beispielsweise überlege man, ob man für die im deutschen Elmpt (bei Niederkrüchten) untergebrachten Flüchtlinge ein Sportangebot erstellen kann. Man könne halt nicht mit Zelten oder Unterkünften helfen, aber dafür "im Sozialen".

(skr)
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