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Hunderaub von Erkelenz
Chihuahua-Besitzer nahm sich offenbar das Leben

Hunderaub von Erkelenz: Chihuahua-Besitzer nahm sich offenbar das Leben
Georg S. galt seit Donnerstagabend als vermisst, nun entdeckten Spaziergänger seine Leiche in einem Waldstück in Erkelenz. Zuvor hatten zwei Männer auf einem Motorrad Hund Lucy geraubt. FOTO: Polizei/Nathalie S.
Erkelenz. Am Ostermontag raubten Unbekannte in Erkelenz einen Chihuahua. Der 76-jährige Georg S. war zur Tatzeit mit dem kleinen Hund spazieren - nun wurde seine Leiche gefunden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Von Lena Köhnlein und Andreas Speen

Der Besitzer des gestohlenen Chihuahuas Lucy ist tot. Nachdem der 76-jährige Georg S. bereits seit Donnerstagabend vermisst wurde, fanden Spaziergänger nun am Wochenende die Leiche des Mannes in einem Waldstück. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Nur wenige Tage zuvor war der Senior am Ostermontag bei einem Spaziergang von zwei Motorradfahrern überfallen worden.

Die Täter entrissen dem Rentner den Hund und stießen ihn zu Boden. Seitdem habe ihr Großvater immer wieder nach der achtjährigen Hündin gesucht, berichtet Enkeltochter Nathalie S. (36). Am Donnerstag kam der Erkelenzer, der herzkrank ist und an Parkinson leidet, nach seiner Suche mit dem Fahrrad nicht mehr zurück nach Hause. Eigentlich untypisch für ihn. Nach dem Senior suchte die Polizei mit Hubschraubern und Spürhunden. Gefunden wurde der Erkelenzer schließlich am frühen Samstagnachmittag von Spaziergängern in einem kleinen Wald, der das Erkelenzer Klärwerk umgibt. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. "Die Situation, wie der 76-Jährige gefunden worden ist, weist auf eine Selbsttötung hin", sagte gestern eine Sprecherin der Polizei des Kreises Heinsberg.

Besonders für die Familie des Mannes ist der Verlust schmerzhaft, sie beschäftigt zudem die Frage nach dem Warum. Einen Abschiedsbrief hat der Erkelenzer, der in wenigen Tagen seinen 77. Geburtstag gefeiert hätte, nicht hinterlassen. Der mutmaßliche Suizid ist für die Familie ein Schock. "Wir können es einfach nicht fassen", sagt die Enkelin. Chihuahua-Hündin Lucy gehöre eigentlich ihrer Mutter, allerdings habe sich der Großvater um das Tier gekümmert, es sei wie sein eigenes gewesen.

Die Familie mache sich auch Vorwürfe. "Wir fragen uns, ob wir etwas falsch gemacht haben oder ob wir das Geschehene hätten verhindern können." Die Familie habe dem Großvater gegenüber immer wieder betont, dass es noch Hoffnung gäbe, Lucy zu finden. "Wir haben ihm gesagt, dass es wichtig ist, dass ihm nichts passiert sei", sagt die Enkelin. Ob der Verlust des Tieres zum Selbstmord des Mannes geführt haben könnte? "Wir wissen es nicht", sagt die Enkelin. Jedoch könnte der Verlust eines geliebten Tieres in Extremfällen zu einem Suizid führen, sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. "Wenn der Hund stirbt oder gestohlen wird, also plötzlich weg ist, reißt das eine große Lücke." Oftmals komme dann auch der Lebenssinn des Menschen abhanden.

Georg S. ging viel mit dem Hund spazieren und kümmerte sich um ihn. Genau das sei es, was älteren Menschen das Gefühl geben würde, eine Aufgabe zu haben, die sie ausfüllt und fordert, sagt Roth-Sackenheim. "Der Hund ist häufig ein Grund für Senioren, noch nach draußen zu gehen", sagt die Psychologin. Georg S. verlor seine Frau vor sechs Jahren, davor hatte er sich gemeinsam mit ihr um den Hund gekümmert. Auch der Verlust des Partners sei ein Grund für die tiefe Bindung zu den Haustieren. "Wenn der Partner gestorben ist, kann der Hund ein wichtiger Weggefährte sein", sagt Roth-Sackenheim. Dass Schuldgefühle S. in den Tod getrieben haben könnten, glaubt die Expertin nicht. "Die Schuldgefühle gegenüber der Familie sind in so einem Fall eher nachrangig, vor allem, wenn das Miteinander gut ist."

Ob es sich bei dem Fall wirklich um Suizid handelt, kann die Polizei bisher nur vermuten. Gewissheit bringe erst die Obduktion des Leichnams: Die Ergebnisse sollen laut Polizei am Montag vorliegen.

Auch die Internetgemeinde, die das Verschwinden des Hundes sowie des Besitzers in den vergangenen Tagen verfolgt hat, ist über den nun bestätigten Tod des Rentners bestürzt. Hunderte Menschen drücken der Familie auf Facebook ihr Beileid aus. So schreibt Userin Alexandra Gallien: "Ein Tier ist für die meisten Menschen einfach nicht nur ein Tier, sondern ein Teil seines Lebens - sein Leben. Und wenn ihm dieses entrissen wird und dann auch noch auf diese schreckliche Art und Weise ... Der arme Mann - ich kann seine Verzweiflung so gut nachvollziehen wie seinen Gang ...". Enkelin Nathalie S. ist froh über die Anteilnahme in den sozialen Netzwerken, die ihr auch Kraft geben. "Ich bin sehr dankbar dafür."

Die Ermittlungen zum Raub des Chihuahuas laufen nach Polizeiangaben weiter.

Quelle: RP
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