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Wahlkampfauftritte in Deutschland
Das finden Deutsch-Türken an Erdogan gut

Wahlkampfauftritte in Deutschland: Das finden Deutsch-Türken an Erdogan gut
FOTO: ap, BO
Düsseldorf. Macht, Selbstbewusstsein und Erfolg – das verkörpert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan für viele junge Türkischstämmige in Deutschland. Wir haben uns nach den Ursachen umgehört. Von Franziska Hein

Mustafa kann sich noch gut daran erinnern, wie er sich selbst mit Anfang 20 gefühlt hat. Der heute 32-Jährige ist in Deutschland geboren, seine Familie kommt aus der Türkei. "Ich hatte einen inneren Konflikt", erzählt Mustafa, der seinen Nachnamen lieber nicht preisgeben möchte. Er ist in Krefeld aufgewachsen, ging zur Schule, studierte später in Mönchengladbach und arbeitet heute als Unternehmensberater. Mit Anfang 20 konnte er sich nicht vorstellen, dass er jetzt so gut dasteht. 

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht in die Disko rein kam, weil ich anders aussah. Ich wurde häufiger von der Polizei kontrolliert. Als Jugendlicher habe ich mir immer die Frage gestellt, ob ich wirklich dazugehöre", erzählt Mustafa. Eine Frage, die sich viele junge Türkischstämmige in Deutschland wohl auch stellen. 

Mustafa musste 80 Bewerbungen nach seinem Studium schreiben

Mustafa sieht darin die Ursache dafür, dass sich Deutsch-Türken eher mit Erdogan identifizieren als mit ihrem eigentlichen Heimatland Deutschland. Die Türkei sei als Identifikationsfläche auch für hier aufgewachsene Menschen wichtig, erklärte Bildungswissenschaflter Ahmed Toprak in einem Interview gegen über der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". "Sie haben oft Diskriminierung erfahren, etwa in ihrer Bildungslaufbahn oder beim Berufseinstieg. Sie wollen Anerkennung und Erfolg in Deutschland. Wenn das aber nicht funktioniert, ist die Rückbesinnung auf eigenethnische Milieus die Folge." 

Nach seinem BWL-Studium musste Mustafa an die 80 Bewerbungen schreiben, bis es endlich mit einem Job klappte. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er für die Unternehmensberatung im Einkauf. 

"Erdogan hat die Türkei wieder zu einem starken Land gemacht"

Erdogan genieße in Teilen der türkischen Community großes Ansehen, weil er die Türkei wirtschaftlich voran gebracht habe. "Die Türken haben das Gefühl, dass er viel für die kleinen Leute getan hat", sagt Mustafa. Er habe die Türkei zu einem starken Land gemacht, das wieder Bedeutung habe in der Welt. "Viele Menschen sagen, dass er der Türkei wieder eine Stimme gegeben hat. Das finden sie gut." 

Auch der Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak erklärt die positive Haltung mit Erdogans selbstbewussten Auftreten gegenüber der EU. "Den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre registrieren Türkeistämmige in Deutschland sehr genau. Aus ihrer Sicht ist die Türkei unter Erdogan ein selbstbewusstes und souveränes Land geworden." 

Mustafa besitzt keinen türkischen Pass

Mustafa wird auf der Arbeit häufig auf die Vorgänge in der Türkei und Erdogans verbale Ausfälle angesprochen. "Das ist mir unangenehm. Nur weil ich türkischstämmig bin, muss ich mich nicht für Erdogan rechtfertigen." Unter Freunden vermeidet er das Thema auch weitgehend. "Mir gefällt es nicht, wenn man Positionen übernimmt, ohne sie zu hinterfragen." Das beobachtet er aber teilweise bei jungen Türkischstämmigen. 

Mustafa selbst ist Deutscher, besitzt keinen Doppelpass und fühlt sich auch als Deutscher. "Mit Mitte 20 habe ich irgendwann den Schalter umgelegt und gedacht, ich bin Deutscher und ich will auch Deutscher sein." 

 
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