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Computerviren legen Kliniken lahm
"Das ist die Spitze des Eisbergs"

Computerviren legen Kliniken lahm: "Das ist die Spitze des Eisbergs"
In NRW waren mehrere Krankenhäuser mit Computerviren infiziert. FOTO: dpa, kjh htf vfd
Düsseldorf. In NRW sind mehrere Krankenhäuser von Computerviren betroffen, in Neuss arbeiteten die Ärzte fast eine Woche ohne Rechnerunterstützung. Der Vorsitzender des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiter, Heiko Ries, erklärt im Interview, dass die bekannten Kliniken nur einen Bruchteil der tatsächlich betroffenen Krankenhäuser ausmachen. Von Katrin Haas

Warum, glauben Sie, gibt es derzeit eine Häufung der Angriffe mit Computerviren auf Krankenhäuser?

Ries Nach dem derzeitigen Informationsstand glaube ich persönlich nicht an eine Häufung der Angriffe gezielt auf Krankenhäuser. Die Zahl der Angriffe nimmt insgesamt stark zu. Dabei ist offensichtlich alles interessant oder anders gesagt, die Angriffe erfolgen in voller Breite und nicht auf eine Branche gezielt.

Gab es in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle?

Ries Kurze Antwort. Ja. Vielfach werden IT-Störungen zur Vermeidung eines Imageschadens im Interesse der Klinik eher geheim gehalten.

Was müsste Ihrer Meinung nach an der digitalen Infrastruktur der deutschen Krankenhäuser verändert werden?

Ries Die IT-Landschaften sind nicht homogen und auch nicht überall gleich sicher eingerichtet.  IT-Sicherheit stand bisher viel zu oft im tiefsten Schatten hinter anderen Prioritäten der Kliniken. Es zeigt sich einmal mehr: IT-Sicherheit bedarf auch Geld und Personal. Aber der Blick darf nicht nur auf die Kliniken gerichtet werden. Wenn die Elektronikentwicklung für die Konsumenten schneller ist als die Bildung für den Umgang mit neuer smarter Technik, dann werden unsere recht wenig sicherheitsbewussten Nutzer wie im privaten Bereich auch im betrieblichen Umfeld erst klicken und dann vielleicht nachdenken. Eines dürfte klar sein: der bisherige Aufwand reicht nicht aus, auch wenn es hundertprozentige Sicherheit nicht geben wird.

Ist Ihnen bekannt, wie viele und welche Krankenhäuser bereits von Computerviren betroffen waren und bei denen die Computersysteme heruntergefahren werden mussten?

Ries Mir ist bekannt, was in unterschiedlichen Presseorganen bereits berichtet wurde, das heißt hier wurde die Öffentlichkeit zumindest teilweise informiert. Die Orte sind jedoch nicht auf NRW beschränkt. Mir sind darüber hinaus aus meiner Verbandsfunktion weitere Kliniken bekannt, deren Vertraulichkeitsbedürfnis ich jedoch respektiere. Soviel vielleicht: Die Spitze des Eisbergs ist zu sehen.

Mit  Heiko Ries sprach Katrin Haas.

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