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NRW
Bahnchaos: Ende nicht in Sicht

Stellwerkbrand in Mülheim behindert Bahnverkehr
Stellwerkbrand in Mülheim behindert Bahnverkehr FOTO: Rene Anhuth / ANC-NEWS
Mülheim/Ruhr. Drei Tage sind seit dem Stellwerksbrand in Mülheim an der Ruhr vergangen. Noch immer will sich die Deutsche Bahn nicht dazu äußern, wie lange die Streckensperrung anhält. Für Donnerstag wird ein Sachverständiger erwartet. Von Emily Senf

Die schlechte Nachricht vorneweg: Die Bahnfahrer, die durch das Ruhrgebiet müssen, sollten sich in den kommenden Tagen weiterhin auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Die Situation auf den Schienen sei auch am Mittwoch unverändert, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen in Berlin. Die Deutsche Bahn verkehrt auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung nach wie vor nach einem Notfahrplan - und das auf unbestimmte Zeit, teilte ein Sprecher des Unternehmens gestern mit.

Man wolle sich bislang nicht dazu äußern, wann die Schienenstrecken zwischen Duisburg und Essen sowie Essen und Oberhausen, die seit dem Stellwerksbrand in Mülheim an der Ruhr am Sonntag fast vollständig gesperrt sind, wieder planmäßig benutzt werden können. "Das werden wir erst, wenn Art und Umfang des Schadens feststehen", sagte der Sprecher. Für die Fahrgäste herrscht damit auf einer der verkehrsreichsten Strecken Deutschlands weiterhin Ausnahmezustand.

Noch immer kann die Kanzel der Relaisstation im Stadtteil Styrum nicht betreten werden. Aus Sicherheitsgründen drangen die Brandermittler der Polizei nur in den unteren Teil des Stellwerks ein. Gestern Morgen hat ein Statiker das Gebäude inspiziert. Es gilt als nicht einsturzgefährdet, wurde aber wieder versiegelt.

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Ein Sachverständiger soll sich morgen einen Überblick verschaffen. Erst dann kann die Bahn ermitteln, ob und wie der Bedienraum in der Kanzel - die eigentliche Brandstelle - wiederhergestellt werden kann. Polizeisprecher Marco Ueberbach erhofft sich dadurch weitere Erkenntnisse: "Dann werden wir auch wissen, was den Brand ausgelöst hat", sagt er. Zumindest von außen gebe es keine Hinweise darauf, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde.

In Nordrhein-Westfalen unterhält die Bahn 401 Stellwerke. Das in Styrum ist eines von 199 Relaistechnik-Anlagen, auch Drucktasten-Stellwerk genannt. Von dort aus werden Weichen, Signale und Schranken elektrisch gesteuert. Das Styrumer Werk wurde 1967 gebaut, 1976 erweitert und seitdem regelmäßig gewartet, sagte der Bahnsprecher. In zwei Jahren sollte es modernisiert werden. Dass dort nun ein Feuer ausbrach, schreibt der Sprecher nicht zwangsläufig dem Alter der Anlage zu. "Das eine Szenario hat mit dem anderen nichts zu tun", sagte er. "Wir werden deswegen nicht die geplanten Erneuerungen an unseren anderen älteren Stellwerken schneller durchziehen."

Rolf Beu, Sprecher für Bahnpolitik in der Landtagsfraktion der Grünen, bemängelt das: "Es rächt sich jetzt, dass die Bahn die Modernisierung dieses und anderer Stellwerke viel zu lange aufgeschoben hat", erklärte er. "Aus dem Brand und den massiven Folgen muss die Bahn Schlussfolgerungen ziehen und entsprechend reagieren, damit sich Vergleichbares nicht andernorts wiederholt", forderte Beu.

Im nahegelegenen Duisburg wurde gerade ein neues, elektronisches Stellwerk fertig. Auffangen kann es den Ausfall des Mülheimer Werks aber nicht. Grundsätzlich gehe dies nur bei Stellwerken des gleichen Typs, erklärt Bahn-Experte Lothar Ebbers vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Hinzu kommt, dass ein bestimmter Schienenabschnitt nicht ohne Weiteres von einer anderen Schaltzentrale aus gesteuert werden kann. Dafür müssten zunächst neue Leitungen eingerichtet werden, sagt der Bahnsprecher. Und dies gehe nicht von heute auf morgen.

So fahren derzeit über die festgestellten Weichen am Mülheimer Stellwerk nur noch wenige Züge. Im Nahverkehr sind zwischen Essen und Duisburg zwei Regionalzüge und eine S-Bahn-Linie mit langsamer Geschwindigkeit unterwegs. "Wir schaffen pro Gleis und pro Richtung zwei Züge in der Stunde", sagte der Bahnsprecher. "Wir versuchen, dies zu verdoppeln." Dazu sei jedoch mehr Personal nötig.

Auch andere Unternehmen müssen umplanen. Der Hamburg-Köln-Express (HKX) fährt nach Auskunft einer Sprecherin zunächst eine Woche lang den Halt Essen nicht an. Zwischen Duisburg und Gelsenkirchen wird der Zug umgeleitet. "Leider haben wir von der Deutschen Bahn noch keine Informationen, wie lange die Sperrung andauert", sagte die Sprecherin. Für die Kunden soll mit der Bahn eine kostenlose Mitnahmeregelung vereinbart werden.

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Quelle: RP
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