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Sommertour: Geheimnisvolle Orte (2)
Die Nachtjäger von Venlo

Sommertour: Geheimnisvolle Orte (2): Die Nachtjäger von Venlo
Die Überreste einer Rundbogenhalle aus Stahlbeton sind auf dem ehemaligen Nachtjagdflughafen Venlo erhalten. Sie kann besichtigt werden. Im Wald befinden sich weitere Ruinen. FOTO: Busch
Sommertour: Geheimnisvolle Orte (2). Während der Ferienwochen berichten unsere Reporter täglich von uralten Legenden und geheimnisvollen Orten in unserer Region. Heute: der Nachtjagdflughafen Venlo. Von Ludger Peters

Am 23. März 1945 landete eine DC 3 "Dakota" auf einer notdürftig reparierten Landebahn des Fliegerhorstes Venlo. Der Maschine entstieg Großbritanniens Premierminister Winston Churchill und betrat erstmals deutschen Boden. Er war auf dem Weg ins Hauptquartier von Feldmarschall Montgomery in Walbeck.

Den Nachtjagdflughafen Venlo hatten von Oktober 1940 bis März 1941 rund 15 000 niederländische Arbeiter im Grenzgebiet von Venlo, Leuth und Herongen gebaut. Nachtjäger sollten alliierte Bomberflotten aufhalten. 585 Flugzeuge schossen die Venloer Nachtjäger ab. Experimentiert wurde hier mit dem Raketenflugzeug Me 163, V-Waffen stiegen von hier aus in Richtung Westen auf. Die Luftwaffe verließ am 4. September 1944 den Fliegerhorst nach schweren Luftangriffen. Als die Amerikaner am 1. März 1945 einrückten, brachten sie den Flugplatz provisorisch in Ordnung. US-Jagdflieger operierten von hier aus bis zum Kriegsende.

Reste der drei Start- und Landebahnen dienen heute Venloer Segelfliegern. Etwas abseits befindet sich am Postweg der Gefechtsturm (Tower), in dem auch der spätere Bundespräsident Walter Scheel als junger Offizier stationiert war. Der Betonklotz dient nun als Klettergarten. Auf deutscher Seite findet man im Wald zahlreiche Ruinen. Es sind die Reste von Wärmehallen und technischen Gebäuden. Das 48 Kilometer lange Netz von Rollbahnen und Wegen sowie eine Eisenbahn sind weitgehend verschwunden. Freigelegt wurde vor wenigen Jahren eine "Rundbogenhalle" aus Stahlbeton. Sie steht in der Nähe des Bundeswehrdepots an der B 221, das im Kalten Krieg US-Truppen für Reforger-Übungen diente.

Das Fluggelände auf Venloer Groote Heide hat eine bis 1788 zurückreichende Geschichte. Damals hoben hier erstmals Ballons zu einer kurzen Fahrt ab. 1911 war die Heide Etappenziel eines Wettflugs von Paris über Brüssel und London zurück nach Paris.

Ein Mahnmal erinnert am früheren Tor 9 an die zahllosen Opfer des Kriegsflughafens. Bei Abstürzen kamen Besatzungen und Zivilisten ums Leben. Auf dem Fliegerhorst starben KZ-Häftlinge, die bei Reparaturarbeiten ungeschützt Bomberangriffen ausgesetzt waren.

Quelle: RP
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