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Radevormwald
Die Neonazis von Radevormwald

April 2012: Razzia bei Neonazis und "Pro NRW"
April 2012: Razzia bei Neonazis und "Pro NRW" FOTO: dpa, Marius Becker
Radevormwald. Einsatzkräfte der Kölner Polizei haben gestern 17 Wohnungen in Radevormwald im Oberbergischen Kreis sowie das dortige Fraktionsbüro von "Pro NRW" durchsucht. Der Staatsschutz kündigt weitere Aktionen an.

Die Einsatzkräfte überraschten die Bewohner im Schlaf. Zeitgleich um fünf Uhr starteten gestern Morgen 100 Polizeibeamte eine große Razzia gegen die rechtsextreme Szene. Schwerpunkt war Radevormwald im Oberbergischen Kreis. Dort wurden 17 Wohnungen und das Fraktionsbüro von "Pro NRW" durchsucht. Dabei vollstreckten die Beamten drei Haftbefehle gegen führende Köpfe des rechtsextremen "Freundeskreis Rade". Bei Zweien von ihnen fanden sich Mitgliedsausweise von "Pro NRW".

"Die Einsätze sind problemlos abgelaufen", sagte Klaus Kirsch, Leiter der Führungsgruppe der Sonderkommission "Im Fokus: Rechts". Sie hatte seit Mitte Januar umfangreiche Ermittlungen vorgenommen. Nach Radevormwald fuhr zusätzlich eine Spezialeinheit der Polizei, weil es Hinweise gab, dass ein Verdächtiger gewaltbereit sei. "Wir hatten erfahren, dass er sich eventuell wehren könnte", sagte Kirsch. Diese Befürchtungen bestätigten sich nicht.

Von einem "bedeutenden ersten Schritt in die richtige Richtung im Kampf gegen die rechte Szene" sprach der Leiter des Staatsschutzes, Kriminaloberrat Volker Joest. So eine groß angelegte Razzia habe es noch nie gegeben, sagte er. Aber das sei erst der Anfang. "Wir sind noch nicht fertig", kündigte er an. "Wir dulden rechte Gewalt nicht und wollten mit der Razzia ein deutliches Zeichen setzen", sagte Joest.

Bei ihren Ermittlungen gegen den "Freundeskreis Rade" stellte die Polizei organisatorische Strukturen und Verbindungen fest, die ein Verfahren wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung zur Folge haben. Welche konkreten Verbindungen – sowohl gedanklich als auch finanziell – zu "Pro NRW" bestehen, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben.

Fest steht, dass auf das Konto des Freundeskreises Straftaten wie Körperverletzung und Sachbeschädigung gehen. Auch die beiden in Rade verhafteten Pro-NRW-Mitglieder sollen durch Gewaltdelikte aufgefallen sein. Polizeipräsident Wolfgang Albers sagte, dass es wichtig sei, auf Gefahr zu reagieren. "Beim Freundeskreis geht es um eine kriminelle Vereinigung, eine gewalttätige Gruppe", sagte er. Albers bewertet den Einsatz als Erfolg. "Wir und nicht die anderen agieren", sagte er.

Ein Großteil des "Freundeskreis Rade" gehört nach Erkenntnissen der Polizei zur Gruppe der "Autonomen Nationalisten" (AN). Das sei eine relativ neue Gruppe mit einer gewissen Selbstständigkeit, die durch Gewaltakte aufgefallen ist. "Scheinbar unpolitisch motiviert hat es auf Festen immer mal Streitereien gegeben. Aber die sind nicht unpolitisch, denn die Gruppe will offen nach außen auftreten und Unruhe schüren", sagte Albers.

Die AN-Szene stellt für die Polizei ein nur in Ansätzen bekanntes Phänomen dar. "Das muss dringend erforscht werden, da haben wir Nachholbedarf", räumte Staatsschützer Joest ein. Die Stelle der rechtsextremen "Kameradschaften" habe nun die AN-Szene eingenommen. "Die Älteren sind abgetreten, sehr junge Menschen rücken nach", sagte er. Zu den Links-Autonomen gebe es kaum noch Unterschiede. Auch der Kleidungsstil der AN-Szene sei unauffällig. Springerstiefel gebe es nur noch selten.

Joest stellt fest, dass die im Schnitt zwischen 15 und 25 Jahre alten Mitglieder des "Freundeskreises Rade" extrem gewaltbereit aufträten. Wiederholt seien unbeteiligte Bürger, darunter viele mit Migrationshintergrund, in der Vergangenheit angegriffen worden. "Die Hemmschwelle der Täter ist sehr gering. Oft spielt dabei auch Alkohol eine entscheidende Rolle."

Info Fotos von der Razzia unter www.rp-online.de/regionales

(RP/top)
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