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Dortmund
Behörden überrascht von Flüchtlingsandrang

In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt
In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt FOTO: RP
Dortmund. Die Flüchtlingsheime in Nordrhein-Westfalen sind mit den gegenwärtig sehr hohen Zugangszahlen konfrontiert. "Für die Saison untypisch", sagte der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, Christoph Söbbeler. In einem Dortmunder Flüchtlingsheim hat sich der Platzmangel diese Woche dermaßen zugespitzt, dass Menschen unter freiem Himmel übernachten mussten.

Wegen des starken Andrangs von Asylsuchenden drohen in den NRW-Flüchtlingsheimen nach Einschätzung von Experten Aufnahmestopps. Die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, sagte am Donnerstag in Bochum, das ganze System für die Aufnahme und Verteilung funktioniere im Moment nicht. Eine Anlaufstelle in Dortmund-Hacheney hatte am Mittwoch wegen dreifacher Überbelegung einen Aufnahmestopp ausgesprochen. Die Türen hätten dann aber doch nicht geschlossen werden müssen, da kurzfristig 700 Plätze unter anderem in Hagen und Marl zur Verfügung gestellt wurden, sagte Stadtsprecher Michael Meinders.

Drei mal mehr Menschen in Dortmund als im Vorjahr

Düsseldorf: Aktivisten stellen Kreuze für Flüchtlinge auf FOTO: Kai Jürgens

Am Mittwoch seien in ganz NRW knapp 840 Menschen angekommen, am Donnerstag mehr als 730, berichtete Bezirksregierungssprecher Söbbeler. Die Behörde in Arnsberg ist landesweit für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständig. "Seit vergangenem Herbst verläuft die Zugangswelle in nicht gekannten Zahlen", erklärte der Sprecher. Allein im Juni übernachteten 11.634 Menschen in Dortmund-Hacheney - rund 150 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.

Laut Naujok vom Flüchtlingsrat würden insgesamt 20.000 Plätze in den Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes benötigt, derzeit stünden jedoch nur rund 11.000 bereit. Vorgesehen sei eigentlich, dass die Asylsuchenden für sechs bis zwölf Wochen in den Erstaufnahmeeinrichtungen blieben und dort im Idealfall den Ausgang des Verfahrens abwarteten, sagte Naujoks. "Der theoretische Gedanke, dass das in drei Monaten geht, hat noch nie funktioniert." Tatsächlich müssten die Menschen meist schon nach 14 Tagen für Neuankömmlinge Platz machen. "Die Kommunen werden enorm damit belastet, dass die Flüchtlinge so schnell kommen", sagte Naujoks.

Flüchtlinge schlafen unter freiem Himmel

In der Dortmunder Einrichtung hätten die Menschen teils unter freiem Himmel geschlafen oder die Nacht auf Stühlen im Flur verbracht, berichtete Stadtsprecher Meinders. Der Aufnahmestopp sei vor allem wegen Sicherheitsaspekten ausgesprochen worden. "Der Mangel an Plätzen ist allerdings ein grundsätzliches Problem", betonte er.

Die Einrichtung wisse schließlich nicht im Vorfeld, wie viele Menschen pro Tag nach Dortmund kämen. "Die werden von Schleppern abgesetzt, kommen zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Auto, das ist ganz unterschiedlich", erklärte Meinders. Üblicherweise werden die Flüchtlinge nach ein bis zwei Nächten zu einer anderen Einrichtung weiter geschickt.

Derzeit dauere es teilweise Monate, ehe Flüchtlinge überhaupt einen Asylantrag stellen könnten, kritisierte Naujoks. Die Anträge von Menschen aus dem Kosovo und anderen Balkanländern sowie aus Syrien würden zwar binnen ein bis zwei Wochen bearbeitet. Dafür dauerten die übrigen Verfahren länger.

(lnw)
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